Masterpieces V Es gibt 55 Lots.

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  • Startpreis / Startingbid

    20 000 €

    Lot: 21

    216 x 186 cm
    Türkei, 18. Jhdt.
    Zustand: sehr gut, großteils guter Flor, Dunkelbraun teilweise korrodiert, minimale kleine Reparaturen
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Schwere, meist annähernd quadratische Teppiche mit hohem Flor werden als Yatak bezeichnet und dienten als Schlafteppiche. In dem Standardwerk von Böhmer und Brüggemann über die Teppiche der Bauern und Nomaden Anatoliens ist unter Nr. 51 ein solcher Teppich publiziert, der sich nur geringfügig von unserem Exemplar unterscheidet. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass ihm die innere S-Bordüre unseres Stückes fehlt, die das Feld zusätzlich rahmt und optisch hervorhebt.
    In der Sammlung Prammer befindet sich das Fragment eines Kütahya-Teppichs mit vergleichbarer Zeichnung, publiziert in "2000 und eine Nacht", Graz 2001, Nr. 171. Die Binnenzeichnung der Quadrate unterscheidet sich allerdings von unserem Stück. Bei diesem wird zwischen die Quadrate zusätzlich ein würfelförmiges Motiv gesetzt. Dadurch werden die Linien optisch erweitert und es entsteht ein deutlich anderer Gesamteindruck.
    Ein hierzu vergleichbares Stück wurde am 5. Dezember 2009 bei Rippon Boswell als Los 75 für € 38.000 angeboten.
    Auch die dunkelgrundige Sternbordüre verdient besondere Aufmerksamkeit. Unten sowie oben links sind zwischen den Sternen zusätzliche Würfel eingefügt, offenbar an Stellen, an denen der vorhandene Raum für einen weiteren vollständigen Stern nicht ausreichte.
    Besonders reizvoll ist zu beobachten, wie sich die Knüpferin am unteren Ende zunächst noch in das Muster hineinfinden musste. Erst ab der zweiten Reihe entschied sie sich für eine klare Farbfolge, aus der eine diagonale Ordnung entsteht; auch die einzelnen Kästchen stehen erst von diesem Punkt an regelmäßig übereinander. Gerade solche kleinen Unregelmäßigkeiten lassen den Entstehungsprozess des Teppichs unmittelbar nachvollziehbar werden und verleihen ihm einen ganz besonderen Charme.

    Schätzpreis: € 30000 - 40000
    20 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    8 000 €

    Lot: 22

    345 x 158 cm
    Türkei, erste Hälfte 19. Jhdt.
    Zustand: gut, vereinzelt niedriger Flor, Seiten und Enden minimal unvollständig, einige alte Reparaturen, Gebrauchsspuren
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Brian Morehouse veröffentlichte in HALI 121, S. 100-107, seinen vielzitierten Artikel "Menderes Valley Carpets", in dem er die Beziehungen der Teppiche dieser Region zu anderen, meist weiter nördlich gelegenen Knüpfgebieten und zu ihren älteren Vorbildern untersuchte. Dazkiri, am östlichen Ende des Menderes-Tals gelegen, nimmt dabei eine zentrale Stellung ein.
    Neben dem transsilvanischen Typus, von dem wir ebenfalls ein Exemplar in dieser Auktion anbieten dürfen, behandelt Morehouse auch die Mustergruppe, der unser Teppich zuzurechnen ist; siehe S. 104, Nr. 14.
    Ein mächtiges, langgestrecktes Medaillon beherrscht das Feld. Seine Grundform lässt sich über verschiedene Zwischenstufen auf das Medaillon eines Stern-Ushak zurückführen. Wenn Sie zu dem entsprechenden Exemplar in unserem Katalog blättern, werden Sie die zugrunde liegende Form im Prinzip wiedererkennen. Aufgrund des schmaleren Formats sind die seitlichen Ausläufer hier auf abstehende weiße Doppelhaken reduziert. Im Zentrum erscheinen vier Quadrate; vereinfacht man den darin liegenden Stern, gelangt man schließlich zu dem Spitzkreuz unseres Teppichs. Auch die Gestaltung der Eckzwickel vervollständigt dieses Bild.
    Einige interessante Vergleichsbeispiele und formale Zwischenstufen - die wohlgemerkt keine chronologische Entwicklungsreihe darstellen - finden sich bei Michael Franses, "Orient Stars II", HALI Publications 2021, Nr. 18 und 19 sowie
    Fig. 220 und 221.
    Ganz im Sinne einer eigenständigen dörflichen beziehungsweise nomadischen Neuinterpretation älterer Knüpftraditionen setzte die Knüpferin darüber hinaus einen unverkennbar persönlichen Akzent: Im rechten oberen blauen Zwickel erscheint völlig unerwartet eine Wasserkanne. Ein kleines, beinahe beiläufig eingefügtes Detail, das der ansonsten streng geometrischen Komposition eine charmante individuelle Note verleiht.
    Farbenfroh, unbekümmert und ausdrucksstark präsentiert sich dieser Teppich als ein exemplarisches Beispiel der Knüpfkunst aus der Dazkiri-Region.

    Schätzpreis: € 12000 - 16000
    8 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    20 000 €

    Lot: 23

    258 x 179 cm
    Türkei, um 1920
    Zustand: gut, vereinzelt niedriger Flor, vereinzelt kleine Reparaturen am oberen Ende, linke untere Ecke leicht beschädigt
    Kette: Seide, Schuss: Seide, Flor: Seide mit Metallbroschierung

    Dieser fein geknüpfte Kum-Kapi-Teppich gehört zu einer Gruppe luxuriöser Seidenteppiche, die in den armenischen Werkstätten des Istanbuler Stadtviertels Kum Kapi während der letzten Jahrzehnte des Osmanischen Reiches entstanden. Diese Arbeiten zählen technisch zu den anspruchsvollsten Knüpfteppichen ihrer Epoche. Zu den berühmtesten Meistern gehörten Hagop Kapoudjian und Zareh Penyamin.

    In gedeckten Farben führt unser Stück die Tradition der sogenannten Polenteppiche fort. In der Sammlung Thyssen-Bornemisza befindet sich ein solcher Teppich aus dem zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts, der nahezu die gleiche Musterung wie unser Teppich zeigt. Siehe Friedrich Spuhler, "Carpets and Textiles. The Thyssen-Bornemisza Collection", 1998, Nr. 28.

    Die um die kleine zentrale Rosette gespiegelten Medaillons sind entlang einer Achse mit wiederum gespiegelten, angeschnittenen Medaillons verbunden. Dieses ausgesprochen raffinierte Design lässt sich noch früher auf dem berühmten Clam-Gallas-Teppich aus dem späten 16. Jahrhundert nachweisen.

    Die Bordüre des Thyssen-Teppichs ist zwar mit der unseres Stückes verwandt, wirkt jedoch zurückhaltender, da sie nicht zweifarbig unterteilt ist. Neben dem Design weisen auch die verwendeten Materialien und die Farbgebung dieser eleganten Stücke deutliche Parallelen auf. Die mit Metallfäden flachgewebten Partien und die kostbare Seide unterstreichen den luxuriösen Charakter und die außergewöhnliche Eleganz dieser feinen Arbeiten.

    Schätzpreis: € 30000 - 40000

    20 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    5 000 €

    Lot: 24

    300 x 190 cm
    Türkei, 19. Jhdt.
    Zustand: gut, vereinzelt kleine Abriebe und Löcher, minimale kleine Reparaturen, Gebrauchsspuren, mit Stoff unterlegt
    Seide und Metallfäden auf Seide

    Gold- und Silberfadenstickereien waren über Jahrhunderte eine hoch spezialisierte Handwerkskunst im Osmanischen Reich. Von Tüchern und Decken über Kleidung bis hin zu den berühmten Behängen der Kaaba in Mekka reicht die Verwendung dieser luxuriösen Textilien. Große Portieren für die Portale von Moscheen wurden in Gold und Seide gefertigt.

    Unser prächtiges Exemplar zeigt Schriftbänder als umlaufende Bordüren sowie Kartuschen und Medaillons. Besonders schön sind die Nischen, die an den beiden Längsseiten zu sehen sind. Sie gewähren gleichsam Einblick in eine Moschee, wie wir es auch von Teppichen kennen. Ein elegant gezeichneter Giebel wird von zwei Säulen getragen. In der Nische dominiert eine mächtige Ampel über einer fein gezeichneten Vase, aus der sich Blumen erheben.

    Die architektonische Gestaltung mit einer Nische innerhalb der Nische zeigt den Einfluss europäischer Kunst, der seit dem 18. Jahrhundert im Osmanischen Reich zunehmend zu beobachten ist. Die feingliedrigen Tulpen unter der weißen Kartusche hingegen zeugen von der besonderen Vorliebe der Osmanen für dieses Motiv.

    Moscheebehänge zeigen im unteren Bereich in aller Regel ornamental gestaltete Quadrate. Auf unserem Stück ist dort ein komplexes Sternengitter zu sehen.
    Im generellen Aufbau, in der Farbigkeit und in der Gestaltung der Schrift ähnelt unserem Stück eine Türumrahmung, allerdings ohne Moscheedarstellung, die bei Christie's für £11.750 versteigert wurde. Diese war an den unteren Enden wohl etwas verkürzt (Christie's, 15. Oktober 2003, Los 161).

    Schätzpreis: € 8000 - 12000
    5 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    24 000 €

    Lot: 25

    193 x 130 cm
    Türkei, 17. Jhdt.
    Zustand: dem Alter entsprechend sehr gut, Braun teilweise korrodiert, vereinzelt kleine Reparaturen, Gebrauchsspuren
    Seide auf Baumwolle

    In der Türkei waren Stickereien in die Abläufe des täglichen Lebens eingebunden wie in kaum einem anderen Land. Es gab gestickte Portemonnaies, Handtücher, Badetücher, Bettlaken für Beschneidungszeremonien, Gürtel, Kissen, Tischdecken, Geschenktücher, Turbanbedeckungen und sogar Barbierumhänge - alles in feinster Weise mit Seide oder Metallfäden bestickt.

    Große weißgrundige Stickereien, die als Bettüberwürfe oder Wandbehänge verwendet wurden, sind seit jeher im Kunsthandel besonders gefragt. Ein Aquarell in der Österreichischen Nationalbibliothek, Codex Vindobonensis, Nr. 8626, fol. 116r, aus der Zeit um 1590 veranschaulicht ihre Verwendung sehr schön; siehe Sumru Belger Krody, "Flowers of Silk & Gold", S. 75.

    Einige dieser Stickereien zeigen nach oben strebende, mit Blüten besetzte Ranken. Bei unserem Stück sind es wunderbar hin und her schwingende Tulpen, in deren Blüten jeweils noch ein kleiner Blütenzweig hineingelegt wurde. Eine botanisch naturgetreue Wiedergabe war dabei offensichtlich nicht angestrebt. Vielmehr ging es um die Steigerung des sinnlichen Eindrucks und um die Evokation eines üppigen Paradiesgartens.

    Die großen Tulpen werden von kleineren gelben und blauen Tulpen mit grünen Stängeln begleitet. Recht ähnliche Darstellungen finden sich auf zwei osmanischen Stickereien im Victoria and Albert Museum in London, Inv.-Nr. T.44-1940 und Inv.-Nr. 121-1899. Beide Stücke sind auch bei Marianne Ellis und Jennifer Wearden, "Ottoman Embroideries", V&A Publications, 2001, S. 38-39, abgebildet.

    Schätzpreis: € 40000 - 60000
    24 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    6 000 €

    Lot: 26

    96 x 57 cm
    Kaukasus, 18. Jhdt.
    Zustand: sehr gut, leichte Abriebe, leichte Gebrauchsspuren
    Seide auf Baumwolle

    Erstaunlich viele dieser Stickereien aus Daghestan sind auf einem blauen, handgewebten Baumwollgrund ausgeführt. Seltener finden sich rote oder weiße Gründe, während Grün ausgesprochen selten ist. Ob diese Farbwahl eine besondere Bedeutung hatte - schließlich waren die Stickereien unter anderem zum Abdecken von Kinderwiegen bestimmt - oder ob sie anderen Umständen geschuldet war, ist ungeklärt.
    Am Ende des Lebens erhielten diese Textilien eine weitere, gänzlich andere Funktion: Sie wurden über das Gesicht des Verstorbenen gelegt. Ein Textil von der Wiege bis zur Bahre.
    Es existiert nur eine recht begrenzte Anzahl dieser expressiven Stickereien. Ihre Muster lassen sich zwar bisweilen bestimmten Gruppen zuordnen, doch letztlich ist jedes Stück höchst individuell gestaltet. Für unser Exemplar findet sich in Robert Chenciners bahnbrechendem Buch "Kaitag - Textile Art from Daghestan" kein direkter Vergleich. Eine gewisse Annäherung bieten allenfalls die Stücke Nr. 141-144 mit ihren verbundenen Kreismedaillons und Swastika-Wirbeln. Auch dort greifen Halbkreise in die Komposition hinein, doch neben dem fehlenden Strahlenkranz und den andersartigen Nebenmotiven unterscheidet sich die gesamte Anmutung deutlich von unserem Stück.
    Allerdings hatten wir das Glück, am 27. Januar 2024 ein geradezu als Geschwisterstück zu bezeichnendes Exemplar auf dunkelblauem Grund für vergleichsweise günstige € 9.500 verkaufen zu dürfen. Abgesehen von der dunkleren Grundfarbe besteht der wesentliche Unterschied darin, dass dort anstelle des "Oktopoden" ein Kreuz im Zentrum dargestellt ist.
    Die vorliegende Stickerei besitzt insgesamt hellere Farben, wirkt dadurch etwas leichter, und auch ihre Zeichnung erscheint verspielter. Gerade im unmittelbaren Vergleich der beiden Stücke wird deutlich, wie frei die Stickerinnen innerhalb eines offenbar gemeinsamen Mustervokabulars ihre Kompositionen gestalten konnten.

    Schätzpreis: € 10000 - 15000
    6 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    4 000 €

    Lot: 27

    77 x 76 cm
    Griechenland (Patmos), 17. Jhdt.
    Zustand: Fragment, leichte Gebrauchsspuren an den Seiten, guter Gesamtzustand
    Seide auf Leinen

    Antike griechische Stickereien haben sich auf dem europäischen Festland deutlich seltener erhalten als in englischen Sammlungen. Dies mag unter anderem mit dem seit Lord Byron besonders ausgeprägten britischen Interesse an Griechenland zusammenhängen. Englische Forscher, Reisende und Sammler waren bereits früh vor Ort und begannen, historische Stickereien zusammenzutragen.
    Einer der bekanntesten unter ihnen war Alan John Bayard Wace, der von 1914 bis 1923 Direktor der British School at Athens war und später am Victoria & Albert Museum tätig wurde. 1935 publizierte er die Sammlung von Mrs. F. H. Cook in dem zweibändigen Werk "Mediterranean & Near Eastern Embroideries".
    Auf Tafel LXVII ist ein Bettvorhang aus Patmos abgebildet, der im unteren Teil zweimal einen aus drei Bahnen bestehenden bestickten Streifen aufweist und ebenfalls in das 17. Jahrhundert datiert wird. Ein kleiner, aber auffälliger Unterschied zu unserem Stück besteht darin, dass die dort dargestellten Tiere zwei Hörner und kein Hirschgeweih tragen.
    Diese feinen, mit Seide bestickten Textilien sind selten und entsprechend begehrt. Zwei unterschiedlich gestaltete und verschiedenfarbige Blütenbäumchen wechseln einander ab, und erst bei genauer Betrachtung erschließt sich die erstaunliche Vielfalt der zwischen ihnen dargestellten Tiere.
    Besonders reizvoll ist die mittelalterlich anmutende rote Bordüre. Innerhalb der Rauten erscheint ein heraldisch wirkendes Tier, das sich auch im Kelch der grünen Blüte wiederfindet. In den kugelrunden Formen unterhalb der Hirsche sind zudem kreuzförmige Motive verborgen, die an Kreuzfahrerkreuze erinnern.
    Zwei weitere vergleichbare Exemplare sind in "Greek Embroideries", Benaki Museum, 1980, Nr. 53, sowie bei Margaret Gentles, "Turkish and Greek Island Embroideries", Art Institute of Chicago, 1964, Nr. 53, publiziert.

    Schätzpreis: € 6000 - 8000
    4 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    3 000 €

    Lot: 28

    112 x 57 cm
    Marokko, Mitte 19. Jhdt.
    Zustand: sehr gut, leichte Abriebe, leichte Gebrauchsspuren
    Metallfäden auf Seidensamt, in goldfarbenem Holzrahmen

    Haiti sind marokkanische Wandbehänge, die zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten oder beim Empfang von Würdenträgern verwendet wurden. Häufig bestehen sie aus roten und grünen Stoffen, die in Applikationstechnik verarbeitet sind; siehe beispielsweise Christie's, 14. Juni 2017, Los 343. Mehrere Nischen wurden dabei zu einem langen Wandbehang zusammengenäht. Besonders kostbare Exemplare wurden auf Samt mit Gold- und Silberfäden bestickt und konnten sich nur die wohlhabendsten Familien leisten. Bei Hochzeiten saß die Braut auf einer Art Thron, während hinter ihr, gegenüber dem Eingang, ein solcher schwerer und prächtiger Behang angebracht war. Ein außergewöhnliches Beispiel eines solchen Festbehangs befindet sich im Indianapolis Museum of Art und ist prominent auf dem Umschlag von "Fabrics in Celebration from the Collection", 1983, abgebildet; siehe auch HALI 66, S. 90. Eine Abbildung findet sich darüber hinaus auch auf Wikimedia Commons. In der Mitte dieses Behanges befinden sich zwei Nischen, bei denen im unteren Bereich größere Partien des seidenen Samtgrundes sichtbar bleiben. Die rechte dieser beiden Nischen ist mit unserem Exemplar eng verwandt. Insbesondere die dezent in die Komposition eingeschriebene Form eines Davidsterns verbindet die beiden Stickereien.
    In der Regel wurden Leder- oder auch Kartonstücke in der gewünschten Musterform auf den Samt aufgebracht und anschließend vollständig mit Metallfäden überstickt. Im 19. Jahrhundert wurde diese Arbeit von der Gilde der Ledersticker überwacht. Besonders schön lässt sich rund um das goldene Spitzoval beobachten, mit welcher Raffinesse die Sticker die Linien abwechselnd über und unter den Blättern verlaufen ließen. Dadurch entsteht ein überraschend plastischer, beinahe dreidimensionaler Eindruck. Diese seltene und kostbare Stickerei vereint damit genau jene Eigenschaften, die man sich von einem solchen Stück wünscht. Ein vollständiger Festbehang von mehr als vier Metern Länge, wie das Exemplar in Indianapolis, lässt sich in einem heutigen Interieur nur schwer präsentieren. Unser Stück hingegen bewahrt die ganze Pracht und handwerkliche Raffinesse dieser monumentalen Behänge in einem wesentlich leichter zu präsentierenden Format.

    Schätzpreis: € 6000 - 8000

    3 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    24 000 €

    Lot: 29

    212 x 133 cm
    Südamerika, 2. - 6. Jhdt. n.Chr.
    Zustand: dem Alter entsprechend sehr gut, vereinzelt kleine Reparaturen, auf Rahmen montiert
    Provenienz: Sammlung Hilmar Kopper, Rothenbach
    Alpaka- oder Lamawolle und Baumwolle

    Ein graphisch unglaublich eindrucksvolles Textil. Wie bei den meisten Stücken dieser Gruppe beschränkt sich die Farbgebung des Feldes auf Orangerot und Gelb. Eine Besonderheit unseres Exemplars ist jedoch der farblich abgesetzte Streifen innerhalb der gelben Fläche. In der Mitte des Umhangs wurden die Fäden ausgespart, um einen Schlitz zu schaffen, durch den der Kopf gesteckt werden konnte. Zur Sicherung dieses Ausschnitts wurde sowohl am oberen als auch am unteren Ende jeweils ein zusätzlicher blauer Faden eingezogen. Die mächtige Bordüre wird von großen G-Haken dominiert, die sich rhythmisch mit würfelförmigen Motiven abwechseln. Dieses kostbare Gewebe entstand zu einer Zeit, als in Österreich noch die Römer herrschten. Den extrem trockenen Wüstenregionen an der Westküste Südamerikas verdanken wir es, dass sich Textilien von solch außergewöhnlichem Alter überhaupt erhalten konnten. Doch nicht nur graphisch, sondern auch technisch hat unser Textil Erstaunliches zu bieten. Wenn wir oben von "Schussfäden" gesprochen haben, ist dies streng genommen nicht ganz korrekt. Normalerweise definiert sich der Schuss als das quer verlaufende Fadensystem, das eine durchgehende Kette kreuzt. Eine solche durchgehende Kette gibt es hier jedoch nicht. Vielmehr sind sowohl Kette als auch Schuss unterbrochen und durch einfache beziehungsweise doppelte Verhängungen miteinander verbunden. Diese aufwendige Technik macht die Herstellung ausgesprochen arbeitsintensiv, ermöglicht zugleich aber ein erstaunlich leichtes und luftiges Gewebe - für einen Umhang, der in einem heißen und trockenen Klima getragen wurde, geradezu ideal. Hilmar Kopper war unter anderem Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank und wurde einer breiten Öffentlichkeit durch seine Äußerung bekannt, offene Handwerkerrechnungen in Höhe von rund 50 Millionen D-Mark seien "Peanuts". Geschickter als im Umgang mit der Öffentlichkeit war er zweifellos beim Sammeln von Kunst. Der erste Teil seiner Sammlung wurde 2022 bei Van Ham für insgesamt rund 8,3 Millionen Euro versteigert. Dass einen Sammler moderner und abstrakter Kunst ein solches textiles Bild faszinierte, ist leicht nachzuvollziehen. In seiner radikalen Reduktion der Farben, der monumentalen Graphik und dem beinahe abstrakten Wechsel geometrischer Formen wirkt dieses mehr als tausend Jahre alte Gewebe erstaunlich modern.

    Schätzpreis: € 40000 - 60000
    24 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    5 000 €

    Lot: 30

    178 x 102 cm
    Portugal, 18. Jhdt.
    Zustand: sehr gut, minimale kleine Schäden im Grundgewebe, leicht fleckig
    Seide auf Seide

    Charmant und fröhlich beeindruckt uns diese farbenfrohe Stickerei aus der Stadt Castelo Branco im westlichen Portugal. Ein strahlendes, aufblühendes Medaillon ist umgeben von üppigen Blumensträußen, die dem Zentrum zustreben. Die gelben Ranken innerhalb der Blumensträuße sind elegant so angeordnet, dass sie Blumenvasen andeuten.

    Bei genauerem Hinsehen entdecken wir ein fröhlich zwitscherndes Vogelpaar. Der Kamm dieser Vögel erinnert an einen Wiedehopf, allerdings besitzen sie unter dem Schnabel eine Art Kropf. Dieser Vogel findet sich auch auf anderen portugiesischen Stickereien.

    Im Medaillon binden die gelben Ranken die überbordenden Blumen an das Kreisrund. Zentral ist dort ein weiterer Wiedehopf dargestellt. Auf einigen Stickereien dieser Art finden sich an derselben Stelle Doppeladler oder auch einzelne Adler in vergleichbarer Ansicht. Unser deutlich harmloserer Vogel zeigt sich ebenfalls in heraldischer Pose, scheint uns dabei jedoch schelmisch zuzuzwinkern.

    In zwei Punkten unterscheidet sich unser Exemplar von typischen Castelo-Branco-Stickereien. Zum einen ist die Komposition am besten horizontal zu lesen. Weit wichtiger ist jedoch der Umstand, dass sie ausgesprochen klar und wohlgeordnet erscheint und große Partien des grünen seidenen Untergrundes sichtbar lässt. Typischer ist ein weißer Leinengrund, der weitgehend flächendeckend bestickt ist.

    Eine süditalienische Herkunft ist daher nicht völlig auszuschließen. So oder so ist diese wunderbare doppelseitige Arbeit mit ihren exzellent erhaltenen Farben ein Schmuckstück für jede Sammlung.

    Schätzpreis: € 8000 - 12000
    5 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    8 000 €

    Lot: 31

    157 x 118 cm
    Usbekistan, Mitte 19. Jhdt. oder früher
    Zustand: dem Alter entsprechend gut, Grundgewebe teilweise beschädigt, Dunkelbraun teilweise korrodiert, minimale Abriebe, vereinzelt kleine Reparaturen
    Seide auf Baumwolle

    Das Wunderbare an richtig guten Susani ist, dass man sie ewig anschauen kann und immer wieder etwas Neues entdeckt: mal irgendwo eine überraschende Blüte, eine plötzlich andere Farbstellung, einen Schlenker einer Ranke oder auch zoomorphe Wesen. Wir laden Sie zu einer kleinen Augenwanderung ein, um diese Wesen zu finden, bevor Sie weiterlesen. Unten steht die Lösung.
    Zentralasiatische Susani - der Name leitet sich vom persischen Susandozi, "Nadelarbeit", ab - gehören zu den schönsten Textilien des Orients. Einer der bedeutendsten Susani-Sammler, Ignazio Vok, schrieb in der Einleitung zu seinen Sammlungskatalogen: "Susani sind die fröhlichsten aller Textilien." Wer wollte beim Betrachten unserer Stickerei da widersprechen?
    Für die Stadt Samarkand sind unter anderem die üppigen Ranken und das zentrale Blütenmedaillon typisch. Hinreißende Farben begleiten das bewegte Bild. Die Anordnung einer quergeschnittenen Blüte im Zentrum mit vier längsgeschnittenen Blüten darum herum nennt man eine Vier-plus-eins-Formation. Diese kommt bei Susani sowohl im Feld als auch in Bordüren vor, allerdings selten in einer derart monumentalen Ausführung.
    Die Komposition ist in einen windbewegten Garten eingebettet, in dem wir zahlreiche unterschiedliche Blütenformen entdecken. Besonders interessant sind die beiden Blumen rechts und links des Medaillons mit ihren Boteh-Blättern.
    Falls Sie zuvor kurz innegehalten haben, werden Sie wohl eine Wasserkanne, zwei Menschlein und drei Vögel, die sicherlich Pfauen darstellen, gefunden haben.
    Weitere Samarkand-Susani finden sich bei Christian Erber, "Suzani", Nr. 22 und 54, sowie bei Bausback, "Suzani", S. 39, und bei Rippon Boswell, Auktion A105, Lose 8 und 93.
    Einige dieser wunderbaren Stickereien lassen sich auch sehr gut horizontal betrachten. Das gilt auch für dieses ausgesprochen schöne Exemplar - probieren Sie es einmal.

    Schätzpreis: € 12000 - 18000
    8 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    30 000 €

    Lot: 32

    137 x 86 cm
    Turkmenistan, um 1800
    Zustand: sehr gut, guter Flor, vereinzelt kleine Reparaturen, minimale kleine Mottenschäden
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle
    Publiziert:
    - "Asiatische Teppich- und Textilkunst 2", Eberhart Herrmann, 1990, Tafel 57
    - Sotheby's New York, 20. Jänner 1990, Lot 65
    - HALI 50, 1990, S. 169
    - HALI 51, 1990, S. 99
    - Grogan & Company Boston, "The Kaffel Collection", 21. Jänner 2024, Lot 168

    Asmalyks wurden paarweise für die Flanken des Brautkamels angefertigt und besitzen die für sie charakteristische fünfeckige Form. Die kleine Gruppe von nur etwa zwanzig weltweit bekannten Exemplaren mit Vogeldarstellungen gehört zu den gesuchtesten turkmenischen Knüpfarbeiten überhaupt und erzielt dementsprechend hohe Preise.

    Unser Exemplar wurde am 20. Januar 1990 bei Sotheby's New York als Lot 65 für $115.500 verkauft; siehe HALI 50, S. 169, wo es allerdings spiegelverkehrt abgebildet ist. HALI berichtete damals von "rampant excitement in the Turkophile ranks", wobei besonders hervorgehoben wurde, dass die Vögel in unterschiedliche Richtungen orientiert sind. Visuell ist dies sicherlich die befriedigendste Lösung. Unser Asmalyk war damals das vierzehnte bekannt gewordene Exemplar dieser Gruppe, deren Stücke sich heute auf Museen und Privatsammlungen verteilen.

    Die ersten bekannt gewordenen Asmalyks dieser Art wurden von dem russischen Ethnographen Samuil Dudin während zweier Expeditionen in den Jahren 1900 und 1901 erworben und befinden sich heute im Ethnografischen Museum in St. Petersburg. Eine erste ausführliche Abhandlung über die damals zwölf bekannten Vogel-Asmalyks findet sich in Franses/Pinner, "Turkoman Studies I", 1980, S. 114-121.

    Die Vögelchen sitzen auf mehr oder weniger deutlich gezeichneten Blüten. Daneben gibt es eine Untergruppe, zu der auch die Dudin-Stücke gehören, bei der sie auf Rauten stehen. Über den weißen und blau- beziehungsweise steingrünen Formen liegt ein orangerotes Rautengitter, das die Vögel zusammen mit den "falschen" Blättern einschließt. Bei anderen Exemplaren verbinden sich diese Linien nicht zu einem geschlossenen Gitter, wodurch die Blume mit dem darauf sitzenden Vogel wesentlich deutlicher erkennbar wird.

    Eine seltene Gelegenheit, eine dieser außergewöhnlich seltenen und kostbaren turkmenischen Knüpfarbeiten zu erwerben.

    Schätzpreis: € 50000 - 70000
    30 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    8 000 €

    Lot: 33

    198 x 120 cm
    Kaukasus, Anfang 19. Jhdt.
    Zustand: dem Alter entsprechend gut, großteils guter Flor, beide Enden unvollständig, vereinzelt kleine Reparaturen, Seitenränder neu umwickelt
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Dieser ungeheuer spannende und zugleich von wunderbarer Farbenfreude geprägte Tierteppich gehört zu einer kleinen Gruppe, die Michael Franses und Ian Bennett "Animal Tree Carpets" tauften. Siehe "Orient Stars", 1993, Seiten 115-119, und HALI 73, Seiten 90-99. Die Gruppe umfasste damals 19 Exemplare. Sie wurden in einem weiten Gebiet von Ostanatolien bis Aserbaidschan hergestellt, das wir heute als "Golden Triangle" bezeichnen. Einige sind strukturell miteinander verwandt, andere hingegen weisen deutlich unterschiedliche Knüpfbilder auf; alle sind jedoch symmetrisch geknüpft.
    Was sie verbindet, ist eine gemeinsame Formensprache, die safawidische Vorbilder in einer ganz eigenen künstlerischen Ausdrucksweise interpretiert.
    In unserem Teppich dominiert ein Baum oder Strauch, begleitet von kleineren grünen Bäumen oben und unten. Daneben und dazwischen erscheinen Tierkampfpaare. Unten sehen wir jeweils eine gelbe Raubkatze, die einen roten Vierbeiner angreift. Darüber folgt ein Untier, das eine braune Antilope verfolgt, gefolgt von einem weißen, vielleicht als Leopard zu deutenden Tier auf einem weiteren Vierfüßler.
    Danach sehen wir wohl Löwen, die Antilopen verfolgen, und schließlich nur noch fliehende Vierbeiner. Auf diesen sitzen allerdings C-förmige Motive, wie wir sie von Drachenteppichen kennen.
    Um einigermaßen sicher zu sein, dass diese Beobachtungen zutreffen, sollte man einige safawidische Teppiche zum Vergleich heranziehen. Dazu gehören zwei kleine Kaschan-Seidenteppiche, einer im Metropolitan Museum of Art in New York
    (Inv. 14.40.721) und ein weiterer im Musée des Arts Décoratifs, sowie der Rockefeller-Teppich bei Pope/Ackerman, Nr. 1182.
    Der ebenfalls zu dieser Gruppe gehörende Teppich, der bei Schürmann, "Kaukasische Teppiche", als Nr. 2 abgebildet ist, bezieht seine Inspiration offenbar von einem Stück im Metropolitan Museum of Art (Inv. 14.40.710). Für uns besonders wichtig ist jedoch, dass die etwas schwer lesbare Bordüre unseres Teppichs im Schürmann-Stück ihre Erklärung findet.

    Schätzpreis: € 14000 - 18000
    8 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    6 000 €

    Lot: 34

    150 x 91 cm
    Kaukasus, datiert 1277 (1860)
    Zustand: dem Alter entsprechend sehr gut, vereinzelt niedriger Flor, minimale kleine Reparaturen
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Es gibt eine sehr kleine Gruppe eng verwandter Teppiche, die zum Teil Seide im Grund aufweisen und sehr früh datiert sind. Ein Stück, abgebildet in Ralph Kaffel, "Caucasian Prayer Rugs", Nr. 31, ist beispielsweise mit 1807 datiert. Diese Teppiche können als Vorläufer einer weiteren kleinen Gruppe angesehen werden, die in die Mitte des 19. Jahrhunderts zu datieren ist. Sie weisen einen roten Grund mit einem fast immer weißen Feld und einem schwebenden Mihrab auf. Ein Exemplar aus dem Shirvan-Gebiet ist ebenfalls bei Kaffel als Nr. 70 abgebildet.

    Auf fast allen Teppichen beider Gruppen finden sich in der Mitte vier miteinander verbundene Rauten, manchmal mit dazwischenliegenden Blättern. Nur bei unserem Stück befindet sich im Zentrum ein anderes Motiv. Woher die beiden Quadrate in den oberen Ecken des weißen Feldes stammen, lässt sich sehr schön an einem breitschultrigen Exemplar erkennen, das bei Christie's am 5. April 2011 als Los 11 versteigert wurde. Ein weiteres Stück mit vergleichbarer Nischenzeichnung findet sich bei Christie's, 17. Mai 2005, Los 50. Ein weiterer Gebetsteppich, ebenfalls mit den charakteristischen Rauten, wurde 1979 bei Lefevre als Los 43 versteigert. Ein Teppich mit Rauten im Feld, jedoch mit seltenem blauem Grund, findet sich bei Rippon Boswell, Auktion A98, Los 72.

    Bei unserem Stück scheint die Knüpferin ein weißes Medaillon anzudeuten, das besonders im unteren Bereich deutlich hervortritt. Auch nach oben hin bricht sie die quadratische Grundform auf. Für das Zentrum wählt sie ein Motiv, das den Ornamenten einiger Shahsavan-Taschen nicht unähnlich ist. Bemerkenswert ist darüber hinaus die hervorragende Farbigkeit des Teppichs, zu deren Palette auch ein tiefes Aubergine gehört.

    Schätzpreis: € 10000 - 15000
    6 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    5 000 €

    Lot: 35

    196 x 160 cm
    Kaukasus, Mitte 19. Jhdt. oder früher
    Zustand: gebraucht, großteils guter Flor, Dunkelbraun korrodiert, Seiten und Enden unvollständig, mehrere alte Reparaturen
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Manche Teppiche lassen einen einfach nur schmunzeln. Man versucht sich die Knüpferin vorzustellen, wie sie zu sich sagt: Schluss jetzt mit den ewigen dominanten Oktogonen! Danach zerlegt sie das klassische Karachoph-Muster in seine Einzelteile und zeigt sie als gleichberechtigte, ähnlich große Motive.
    Sie beginnt unten mit der getreuen Wiedergabe von mit Doppelhaken gefüllten Quadraten, wie sie auf den meisten Karachophs zu sehen sind. Es folgt eine Reihe von Rosetten, die üblicherweise als Füllmotive verwendet werden.
    Die weißen und blauen Quadrate könnte man dahingehend interpretieren, dass sie für das typische Oktogon stehen, da ihre gepünkelte Umrandung dem gepünkelten Feld entspricht, auf dem bei klassischen Karachophs das Oktogon liegt; siehe Eder, "Kaukasische Teppiche", Nr. 28-33.
    Die beiden oben und unten gezwickten grünen Medaillons sind hingegen ein Zitat aus dem Fachralo-Gebiet. Die im oberen Bereich und ganz oben links gezeigten schachbrettartigen Motive führen uns dann wieder zu den Karachophs zurück.
    Es gibt durchaus klassische Stücke mit deutlich mehr als vier Quadraten, auf das zentrale Medaillon wird jedoch nie verzichtet. So gab es beispielsweise bei Rippon Boswell am 25. Mai 2019, Los 119, einen schönen Kazak, der ebenfalls zahlreiche Quadrate zeigt, aber auch er besitzt ein, wenn auch kleineres, Medaillon im Zentrum.
    Der Großteil der Karachophs mit Medaillon zeigt eine meist gelbgrundige, seltener rotgrundige Weinblatt-und-Kelch-Bordüre. Unsere Bordüre mit vier Blüten, die wie Pfeilspitzen anmuten, kommt hingegen nur selten vor.
    Ein wirklich einzigartiger Teppich dörflicher Knüpfkunst.

    Schätzpreis: € 7000 - 10000
    5 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    4 000 €

    Lot: 36

    160 x 118 cm
    Kaukasus, zweite Hälfte 19. Jhdt.
    Zustand: sehr gut, Dunkelbraun korrodiert, vereinzelt niedriger Flor aber nicht abgetreten, minimale kleine Reparaturen
    Kette: Wolle, Schuss: Baumwolle, Flor: Wolle

    Weißgrundige Teppiche kommen im Orient eher selten vor, sind aber bei Gebetsteppichen des nordöstlichen Kaukasus häufiger zu finden. In Ralph Kaffels grundlegendem Werk "Caucasian Prayer Rugs" ist als Nr. 47 ein dem unseren nahe verwandtes Stück aus der Sammlung Raoul Tschebull abgebildet. Eine hübsche kleine gelbe Nebenbordüre mit S-Formen gibt unserem Teppich einen zusätzlichen Rahmen; beim Kaffel-Exemplar kommt diese allerdings nicht vor.

    Im Text schreibt Kaffel, dass es zwei Erklärungsmodelle für das Muster gibt. Zum einen wird von Widderhörnern und Drachen gesprochen, zum anderen von Christine Kloses Theorie, die auf aserbaidschanischen Stickereien beruht; siehe
    "The Perepedil Enigma", HALI 55, S. 110-117. Kaffel stellt allerdings fest, dass Kloses Ansatz weit mehr überprüfbare Indizien aufweist als jeder andere.

    Die kleine Gruppe dieser Teppiche ist recht einheitlich gezeichnet und weist in aller Regel diese ungewöhnliche Bordüre auf. Kaffel sieht in ihr eine Variante der bekannten "Weinglas-und-Blatt"-Bordüre. Sein Stück ist "reliably dated to 1864", und auch unser sehr gut erhaltener Teppich sollte zeitlich nicht weit davon entfernt liegen.

    Unser Teppich ist 20 cm länger, was sich auch in seinem Ausdruck widerspiegelt: Er wirkt leichter und großzügiger, da den Hauptmotiven mehr Raum zur Verfügung steht. Ein gleich gemusterter weißgrundiger Perepedil-Gebetsteppich wurde am 15. Januar dieses Jahres bei Grogan & Company als Los 3 für $ 9.375 verkauft.

    Schätzpreis: € 6000 - 8000
    4 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    7 000 €

    Lot: 37

    365 x 160 cm
    Kaukasus, Anfang 19. Jhdt.
    Zustand: dem Alter entsprechend gut, Flor niedrig, beide oberen und linke untere Ecke restauriert, Dunkelbraun korrodiert, Seiten und Enden teilweise beschädigt, vereinzelt kleine Reparaturen
    Kette: Wolle, Schuss: Baumwolle, Flor: Wolle

    Dieser Teppich mit Afshan-Muster gehört zu den Klassikern im Repertoire der kaukasischen Teppichknüpfkunst. Auf dem meist dunkelblauen Grund liegt ein komplexes System aus Rosetten, Blattgabelmotiven, Palmetten und Sternblüten, die durch Ranken miteinander verbunden sind. Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts greifen die Knüpfer einzelne Motive aus diesem Design heraus und verwenden sie, beispielsweise im Blattgabel-Kuba oder im Sternblüten-Shirvan, für neue Kreationen.
    Ebenso klassisch ist die meist rotgrundige kufische Bordüre, die von hellen, blütengemusterten Nebenbordüren begleitet wird. Nur wenige Sterne sind als zusätzliche Füllmotive in das ohnehin bereits dichte Muster eingefügt. Bei dem Blattgabelmotiv leicht oberhalb der Mitte hat sich die Knüpferin allerdings eine persönliche Freiheit erlaubt: Auf den beiden oberen Gabeln stehen Vierbeiner, während wir in den beiden unteren Kämme entdecken. Teppiche mit Afshan- und dem eng verwandten Harshang-Muster kommen in einem weiten Gebiet vor, das sich vom Kaukasus über Kurdistan bis nach Nordpersien erstreckt. Die wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden Mustern bestehen darin, dass beim Afshan die sogenannten "Krabbenformen" - eigentlich Blattgabeln - senkrecht stehen und nicht diagonal angeordnet sind. Darüber hinaus werden die runden Rosetten stärker betont. Ein nahezu identisches Stück ist bei Grote-Hasenbalg, 1922, Band 2, Tafel 33, abgebildet. Ein weiteres Vergleichsstück findet sich bei Schürmann, "Kaukasische Teppiche", Nr. 96. Eine frühere Form des Musters zeigt Jim Burns in "The Caucasus - Traditions in Weaving", Nr. 3. In Serare Yetkins "Early Caucasian Carpets in Turkey" ist eine ganze Reihe von Vorläuferstücken, die sich in Anatolien erhalten haben, auf den Tafeln 66-79 abgebildet; bis auf ein Exemplar leider sämtlich in Schwarz-Weiß. Ein ungewöhnlich kleiner Afshan wurde bei Grogan & Company in Boston am 29. Januar 2023 als Los 203 für 13.750 US-Dollar verkauft. Siehe hierzu auch HALI 215, S. 168, mit weiteren Vergleichsstücken.

    Schätzpreis: € 12000 - 16000
    7 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    7 000 €

    Lot: 38

    294 x 107 cm
    Kaukasus, zweite Hälfte 19. Jhdt.
    Zustand: sehr gut, großteils guter Flor, minimale kleine Reparaturen
    Kette: Wolle, Schuss: Baumwolle, Flor: Wolle

    Diese auch Stangenrauten-Schirwan genannten Teppiche tragen in aller Regel fünf der namensgebenden Rauten. Hier sind sie im Zentrum alternierend gelb und blau und zeigen einen endlosen Knoten neben feingliedrigen Motiven, die wie Ähren anmuten. Nach außen sind sie durch eine weiße gezackte Linie miteinander verbunden, und an beiden Enden findet die Stange ihren Abschluss in einer feuerroten Palmette. Bei manchen dieser Stücke erscheint diese recht flachgedrückt, weshalb es besonders schön zu sehen ist, dass sie sich hier voll entfalten kann.

    Die großzügige S-Bordüre ist von Drachenteppichen des 17. und 18. Jahrhunderts entlehnt und recht selten. In sie sind Oktogone und unzählige kleine liegende S-Formen als Füllmotive eingefügt. In Eder, "Kaukasische Teppiche", sind sechs Stangenrauten-Schirwan unterschiedlicher Qualität abgebildet, Nr. 256-261. Der erste besitzt ebenfalls eine solche große S-Bordüre auf gelbem Grund. Ein weiteres Beispiel ist in Schürmanns Teppichbibel, "Teppiche aus dem Kaukasus", Nr. 66, abgebildet. Das Gesamtdesign ist auch bei einigen Kelims aus dem Kaukasus belegt.

    Im tiefblauen Feld befindet sich eine große Anzahl verschiedenster Füllmotive. Endlose Knoten stehen neben Rhomben, S-Formen, abstrahierten Knoten, weißen Oktogonen und amulettartig gereihten Dreiecken. Sechs weiße und dunkelblaue Pfauen springen besonders ins Auge. Ganz außergewöhnlich und selten ist allerdings die Darstellung von Kamelen. Diese werden jeweils von kleinen Vierbeinern begleitet.

    Schätzpreis: € 10000 - 15000
    7 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    7 000 €

    Lot: 39

    288 x 137 cm
    Kaukasus, erste Hälfte 19. Jhdt.
    Zustand: dem Alter entsprechend gut, großteils guter Flor, Dunkelbraun teilweise korrodiert, vereinzelt kleine Reparaturen
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Auf den ersten Blick erscheint an diesem attraktiven Teppich zunächst nichts ungewöhnlich. Betrachtet man jedoch die Oktogone auf dem schön abraschierten Feld genauer, fällt auf, dass diese hier eigentlich nicht zum gewohnten Musterrepertoire gehören, sondern offenbar von Kelims abgeleitet sind. In Yanni Petsopoulos' Standardwerk über Kelims von 1979 sind mehrere Flachgewebe aus dem Kaukasus mit vergleichbaren Hexagonen publiziert. Unter den Nummern 301, 302 und 342 sowie in den bandartig gemusterten Kelims Nr. 310 und 318 finden sich gute Vergleichsbeispiele. Doch auch am Rand des Kaukasus, im östlichen Anatolien, insbesondere im Gebiet von Erzurum und Kars, lässt sich dieses Motiv nachweisen; siehe ebd. Nr. 269 und 270. Selbst ein persisches Beispiel findet sich unter Nr. 354. Ganz unten und oben im farblich wunderschönen Feld unserer Knüpfarbeit erscheinen hingegen jeweils zwei Motive, die eindeutig der Formensprache des Knüpfteppichs entstammen. Dadurch entsteht ein reizvolles Nebeneinander unterschiedlicher textiler Traditionen.
    Die raumgreifende weiße Hauptbordüre verlangt besondere Aufmerksamkeit. Ihr Muster besteht aus Vierblättern und Rauten, die durch feine Stäbchen miteinander verbunden sind. Ganz unten findet sich zunächst eine Art "Bildstörung": Offenbar wusste die Knüpferin zu Beginn noch nicht recht, wie sie das Muster entwickeln sollte. Doch schon bald gewinnt die Zeichnung an Sicherheit. Die Blätter werden zunehmend raumgreifender gestaltet, wobei die beiden unteren Elemente der jeweiligen Viererkonstellation leicht nach unten hängen. Dadurch erhält die Bordüre - und letztlich der gesamte Teppich - eine klare Richtung. Die lebhafte, beinahe spielerische Zeichnung der Bordüre steht dabei in einem reizvollen Kontrast zur strengen Geometrie des Feldes. Bislang wurde nur wenig darüber geschrieben, in welchem Ausmaß ein und dieselbe Weberin sowohl Kelims als auch Knüpfteppiche hergestellt haben könnte. Bei unserem Stück liegt der Gedanke jedenfalls nahe: Seine Knüpferin verstand es hervorragend, die aus der Flachweberei vertraute Formensprache in die vollkommen andere Technik des geknüpften Flors zu übertragen. Gerade diese selbstverständliche Übersetzung von Kelim-Motiven in Knoten macht den Teppich so bemerkenswert.

    Schätzpreis: € 12000 - 16000
    7 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    3 000 €

    Lot: 40

    214 x 158 cm
    Persien, Ende 19. Jhdt.
    Zustand: gut, Flor stellenweise niedrig, Braun teilweise korrodiert, vereinzelt kleine Reparaturen, beide Kelimenden leicht beschädigt
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Frühe Gabbehs sind ausgesprochen selten, und wir freuen uns besonders, Ihnen sogar ein doppelseitig geknüpftes Exemplar vorstellen zu können. Das Muster ist auf beiden Seiten identisch, lediglich die Farbgebung unterscheidet sich. Man könnte die helle Seite als "Sommerteppich" und die braunrote als "Herbstteppich" bezeichnen.

    Das zentrale Medaillon mit seinen angehängten Rauten ist hingegen auf beiden Seiten farblich annähernd gleich gestaltet; lediglich seine Einfassung variiert in der Farbe. Das Muster ist im Prinzip von Kelims übernommen, wie wir sie von den Qashqai und anderen südpersischen Stämmen kennen. Ein exemplarisches Vergleichsstück findet sich in "Vok Collection: Caucasus - Persia", München 1996, Nr. 104; auch die Nummern 83 und 88 sollten zum Vergleich herangezogen werden.

    Die Farben dieses außergewöhnlichen Teppichs sind von großer Schönheit und Harmonie. Die auf beiden Seiten des Webstuhls arbeitenden Knüpferinnen mussten sich naturgemäß an der Musterführung der jeweils anderen orientieren. Besonders reizvoll lässt sich dies an den leicht "tanzenden" Rauten im oberen Bereich beobachten: Die kleinen Abweichungen erscheinen auf beiden Seiten exakt spiegelverkehrt. Gerade dieses Detail macht den Entstehungsprozess des doppelseitig geknüpften Teppichs unmittelbar nachvollziehbar.

    Eine reziproke Zinnenbordüre umschließt das Feld; eine vergleichbare Lösung findet sich ebenfalls bei Vok Nr. 104. Über den defensiven Charakter dieser Zinnenbordüren ist ebenso geschrieben worden wie über die Reziprozität des Musters, die zugleich als Einladung zum Überschreiten der Grenze verstanden werden kann. So entsteht eine Grenzlinie, die auf faszinierende Weise Wehrhaftigkeit und Durchlässigkeit zugleich symbolisiert.

    Da Gabbehs nicht zuletzt auch als Schlafteppiche dienten, nehmen wir die wärmende Einladung dieses Prachtstücks nur allzu gerne an.

    Schätzpreis: € 6000 - 8000
    3 000 €
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