160 x 118 cm
Kaukasus, zweite Hälfte 19. Jhdt.
Zustand: sehr gut, Dunkelbraun korrodiert, vereinzelt niedriger Flor aber nicht abgetreten, minimale kleine Reparaturen
Kette: Wolle, Schuss: Baumwolle, Flor: Wolle
Weißgrundige Teppiche kommen im Orient eher selten vor, sind aber bei Gebetsteppichen des nordöstlichen Kaukasus häufiger zu finden. In Ralph Kaffels grundlegendem Werk "Caucasian Prayer Rugs" ist als Nr. 47 ein dem unseren nahe verwandtes Stück aus der Sammlung Raoul Tschebull abgebildet. Eine hübsche kleine gelbe Nebenbordüre mit S-Formen gibt unserem Teppich einen zusätzlichen Rahmen; beim Kaffel-Exemplar kommt diese allerdings nicht vor.
Im Text schreibt Kaffel, dass es zwei Erklärungsmodelle für das Muster gibt. Zum einen wird von Widderhörnern und Drachen gesprochen, zum anderen von Christine Kloses Theorie, die auf aserbaidschanischen Stickereien beruht; siehe
"The Perepedil Enigma", HALI 55, S. 110-117. Kaffel stellt allerdings fest, dass Kloses Ansatz weit mehr überprüfbare Indizien aufweist als jeder andere.
Die kleine Gruppe dieser Teppiche ist recht einheitlich gezeichnet und weist in aller Regel diese ungewöhnliche Bordüre auf. Kaffel sieht in ihr eine Variante der bekannten "Weinglas-und-Blatt"-Bordüre. Sein Stück ist "reliably dated to 1864", und auch unser sehr gut erhaltener Teppich sollte zeitlich nicht weit davon entfernt liegen.
Unser Teppich ist 20 cm länger, was sich auch in seinem Ausdruck widerspiegelt: Er wirkt leichter und großzügiger, da den Hauptmotiven mehr Raum zur Verfügung steht. Ein gleich gemusterter weißgrundiger Perepedil-Gebetsteppich wurde am 15. Januar dieses Jahres bei Grogan & Company als Los 3 für $ 9.375 verkauft.
Schätzpreis: € 6000 - 8000