Masterpieces V Es gibt 55 Lots.

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  • Startpreis / Startingbid

    6 000 €

    Lot: 1

    47 x 45 cm
    Turkmenistan, Anfang 19. Jhdt. oder früher
    Zustand: dem Alter entsprechend gut, Flor stellenweise niedrig, Seiten und Enden leicht beschädigt, ein kleiner Riss rechts oben
    Kette: Wolle, Schuss: Baumwolle, Flor: Wolle

    Selbst sehr erfahrene Auktionatoren sehen hin und wieder Dinge, die einen sprachlos lassen. Format, Zeichnung und Technik geben einem hier Rätsel auf. Wo hat man schon einmal derart schön geschwungene Bäumchen auf edlem weißem Grund gesehen?
    Wie ist es gearbeitet? Flachgewebt? Nein. Geknüpft? Ja, mit symmetrischem Knoten. Zeltband? Wohl kaum, denn das Muster ist oben und unten abgeschlossen. Okbash? Vielleicht.
    Die linke Seite ist beschädigt und zeigt keinen ursprünglichen Abschluss mehr. Hier könnten sich jene Dreiecke befunden haben, die durch Zusammennähen und das Zusammenfügen der oberen und unteren Kante die charakteristische Köcherform bilden.
    Die in der älteren Reiseliteratur mehrfach belegte Funktion solcher Okbash bestand allerdings darin, die Enden der Jurtenstangen beim Transport auf Kamelen zu schützen. Wenn man sich jedoch vor Augen führt, wie viel leichter und flexibler dieses Stück im Vergleich zu den üblichen Okbash ist, möchte man diese Theorie beinahe wieder aufleben lassen.
    Es gibt eine kleine Gruppe weißgrundiger Okbash, die im Prinzip eine ähnliche, allerdings wesentlich angularere Zeichnung zeigen. Das bekannteste Beispiel befindet sich wohl im Textile Museum in Washington; siehe Mackie/Thompson, "Turkmen", 1980, Nr. 82. Zwei weitere Stücke sind in HALI 163, S. 97, und HALI 115, S. 150, publiziert. Keines davon ist jedoch so weich und großzügig gezeichnet wie unser Exemplar.
    Dann denkt man an zwei gestickte, als kirgisisch bezeichnete Asmalyk bei Felkersam sowie an eine geknüpfte Version, die am 3. Mai 1986 bei Rippon Boswell versteigert wurde, und an das Exemplar im Musée des Arts Décoratifs in Paris.
    Vielleicht sollten wir es am Ende einfach so sagen: Es ist eine enigmatische Augenweide.

    Schätzpreis: € 10000 - 15000
    6 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    4 000 €

    Lot: 2

    166 x 84 cm
    Turkmenistan, Mitte 19. Jhdt.
    Zustand: gut, Flor stellenweise niedrig, beide Enden restauriert, vereinzelt kleine Reparaturen
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Weißgrundige Teppiche haben immer etwas Besonderes. Von der Mittelachse und den seitlichen vertikalen Stäben gehen Ästchen aus, an denen herzförmige Blüten oder Blätter wie Lampions hängen. Dies verleiht der gesamten Komposition einen ausgeprägten Baumcharakter.
    Lediglich am unteren Ende scheint die Knüpferin zu Beginn noch etwas anderes im Sinn gehabt zu haben. Gleich danach legt sie ihr Design fest und gestaltet den Baum zunächst dichter, nach oben hin jedoch zunehmend offener.
    Unser Teppich ist in HALI 32, S. 51, anlässlich einer Ausstellung in Oakville, Ontario, Kanada, publiziert - allerdings seitenverkehrt abgebildet. Die Ausstellung fand in einem 1980 gegründeten Privatmuseum statt.
    Im Artikel wurde die Hoffnung geäußert, dass die Sammlung eines Tages ein offizielles Haus erhalten würde. Dieser Wunsch scheint sich nicht erfüllt zu haben.
    Ein Ersari-Gebetsteppich mit ähnlichen Ästchen und Blättern wurde bei Sotheby's angeboten; siehe HALI 151, S. 75. Weitere verwandte Beispiele finden sich in HALI 2/2, S. 133, und HALI 2/4, S. 282 sowie ein Beshir in HALI 181, S. 114. Letzterer ist in einem Artikel von Ralph Kaffel abgebildet, in dem er die Preisentwicklung von Gebetsteppichen aus dem Gebiet des Mittleren Amu Darya analysiert.
    Die genannten Vergleichsstücke sind allerdings sämtlich Gebetsteppiche. Selbst ein Exemplar bei Bausback, 1987/88, S. 191, dessen Komposition bereits fast vollständig baumartig aufgebaut ist, trägt ganz oben noch sogenannte "Widderhörner", die seine Funktion als Gebetsteppich und zugleich die Gebetsrichtung markieren.
    Ralph Kaffel hatte fast hundert dieser Gebetsteppiche in seinem Archiv erfasst. Für unseren Teppich, dem gerade die eindeutige Gebetsnische fehlt und bei dem sich das Motiv zu einer freien Baumkomposition entwickelt, wird man hingegen wohl kaum zehn Vergleichsstücke finden.

    Schätzpreis: € 6000 - 8000
    4 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    8 000 €

    Lot: 3

    166 x 122 cm
    Turkmenistan, Mitte 19. Jhdt.
    Zustand: sehr gut, großteils guter Flor, beide unteren Ecken geringfügig restauriert, oberes Ende geringfügig unvollständig, Gebrauchsspuren an den Seitenrändern
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle mit Baumwoll-Highlights

    Saryk-Ensi gehören gleich nach jenen der Saloren zu den begehrtesten Türteppichen der Turkmenen. Sie besitzen einen hohen Wiedererkennungswert, insbesondere durch die charakteristischen Streifen mit einer vertikalen Wellenlinie, von der hakenbesetzte Stangen ausgehen. Diese erscheinen links und rechts neben dem Hauptfeld; eine abgewandelte Form findet sich auch innerhalb des Feldes.
    Ein vergleichbares Stück wurde bereits 1922 von Grote-Hasenbalg in Band 3 auf Tafel 87 publiziert. Dieses Exemplar sowie ein Ensi in Peter Hoffmeisters "Tent Band - Tent Bag" auf Tafel 34 unterscheiden sich von unserem Stück vor allem durch die am äußeren Rand des Feldes aufsteigenden Blüten, während sie bei unserem Ensi hängend dargestellt sind. Der Hoffmeister-Teppich wurde am 3. Juni 2023 bei Rippon Boswell für € 18.750 verkauft, wies allerdings leider eine halbierte Hauptbordüre auf.
    Das zentrale Paneel unseres Teppichs unterscheidet sich in seiner Binnenzeichnung jedoch von allen anderen uns bekannten Saryk-Ensi. Anstelle der nahezu universell verwendeten Blütenkreuze erscheinen hier gereihte vierfache Haken. Darüber hinaus ist die Farbgebung mit Aprikot und Steingrün besonders schön, und die Zeichnung des gesamten Teppichs kann als exemplarisch für die Gruppe gelten.
    Unter Sammlern besonders geschätzt wird auch, dass sich die Blüten der seitlichen Blütenbäume oberhalb des Feldes fortsetzen. Ungewöhnlich hingegen ist die geradezu spielerische Art, in der die Hauptbordüre zusätzlich mit Zickzacklinien ausgeschmückt wurde.
    Besonders reizvoll ist schließlich eine kleine Unregelmäßigkeit unten links: Offenbar bemerkte die Knüpferin plötzlich, dass ihr für die Fortführung des Musters nicht genügend Platz bleiben würde, und schuf kurzerhand etwas mehr Raum. Solche Details verleihen einem Teppich Individualität und lassen den Entstehungsprozess unmittelbar nachvollziehbar werden.
    Unserer Meinung nach handelt es sich um einen der schönsten bekannten Saryk-Ensi

    Schätzpreis: € 14000 - 18000
    8 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    1 000 €

    Lot: 4

    61 x 73 cm
    Tibet, um 1900
    Zustand: gut, großteils guter Flor, Kelimeinfassung teilweise beschädigt, mit Stoff unterlegt
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Tigerteppiche gehören zu den begehrtesten Teppichen aus Tibet und China. Ihre Darstellungen reichen von ausgesprochen naturalistischen Wiedergaben des Tieres bis hin zu völliger Abstraktion, bei der vom ursprünglichen Tigermuster kaum mehr als einzelne Streifen übrig bleiben. Das älteste bekannte Tigertextil stammt bereits aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. und wurde in Noin Ula gefunden.
    Auch auf kleinen Sitzteppichen finden sich Tigerdarstellungen. Das wohl älteste bekannte Beispiel ist eine ausgesprochen naturalistische Darstellung aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, publiziert bei Eberhart Herrmann, "Asiatische Teppich- und Textilkunst 2", Nr. 82. Ein weiterer chinesischer Sitzteppich mit bereits stark abstrahierter Tigerzeichnung ist in HALI 49, S. 23, abgebildet und befand sich ebenfalls bei Herrmann.
    Ein unserem Teppich sehr ähnliches tibetisches Stück ist in HALI 75, S. 122, in einem Inserat von Spink zu sehen. Ihm fehlen allerdings die Shou-Zeichen für langes Leben, die bei unserem Exemplar in den vier Himmelsrichtungen angeordnet sind.
    Zwei weitere tibetische Sitzmatten, die möglicherweise ursprünglich ein Paar bildeten, sind bei Franz Xaver Erhard und Thomas Wild, "Drumze", Taf. 16, sowie in "Woven Jewels: Tibetan Rugs from the Rutherford Collection", Nr. 102, publiziert. Ein weiteres Paar mit der tantrisch inspirierten Rückensäule findet sich bei Rupert Smith, "Antique Tibetan Carpets", Nr. 26. Diese Sitzteppiche unterscheiden sich von unserem Stück unter anderem durch ihre T-Mäander-Bordüre.
    Auch wir konnten bereits einen Sitzteppich aus dieser kleinen Gruppe anbieten. Er wurde in unserer Auktion 26 als Los 69 für € 4.000 verkauft.
    Bei dem vorliegenden schönen Exemplar hat sich darüber hinaus die originale tibetische Einfassung in Thigma-Technik erhalten - ein besonders reizvolles Detail bei einem Stück dieser seltenen Gruppe.

    Schätzpreis: € 2000 - 3000
    1 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    2 000 €

    Lot: 5

    147 x 54 cm
    Tibet, um 1900
    Zustand: sehr gut, guter Flor, minimale Gebrauchsspuren an Seiten und Enden
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Diese außergewöhnliche Knüpfarbeit, zu der uns kein Vergleichsstück bekannt ist, zeigt eine stark abstrahierte Tigerzeichnung. Ohne den Zusammenhang mit den großen tibetischen Tigerteppichen zu kennen, wäre das dargestellte Motiv wohl nicht ohne Weiteres als Tigerfell zu erkennen. In Tibet waren Tigerfelle und ihre textilen Repräsentationen hochrangigen Persönlichkeiten vorbehalten, insbesondere Fürsten und bedeutenden Äbten. Siehe Mimi Lipton, "Tiger Rugs from Tibet", Abb. 5 und 6. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine Fotografie in HALI 181, S. 66, auf der ein Tigermuster zu sehen ist, das jenem der Sitzmatte in unserer Auktion ähnelt. Die flach gewebten weißen Streifen unseres Stückes ergeben möglicherweise einen Sinn, wenn man den Teppich als eine Art Rohling betrachtet. Nimmt man eines der vier Felder für sich, könnte sich daraus ein Hinweis auf seine ursprünglich vorgesehene Funktion ergeben.
    An den Eingängen tibetischer Tempel und Klöster finden sich häufig hängende, ausgestopfte Teppiche oder textile Rollen. Ein eindrucksvolles Beispiel ist am Eingang zum Weißen Palast des Potala in Lhasa zu sehen, wo mit Tigermustern versehene textile Rollen hängen; siehe Mimi Lipton, Abb. 9. Ein Paar vergleichbarer Stücke ist in "Woven Jewels: Tibetan Rugs from the Rutherford Collection", Nr. 38, publiziert. Ein weiteres Paar findet sich in HALI 194, S. 75, in einem Artikel von Sandra Whitman, die diese Objekte als Duftsäcke bezeichnet.
    Bei unserem Teppich ergibt sich bei einer solchen Interpretation allerdings ein Problem: Würde man die einzelnen Felder entsprechend verwenden, stünden die Tigermuster hochkant. Es erscheint daher ebenso denkbar, dass die vier Felder ursprünglich zur Herstellung von Nackenrollen vorgesehen waren. Solche tibetischen Nackenrollen sind zwar selten, ihre Verwendung ist jedoch durchaus belegt. Die endgültige Bestimmung dieses ungewöhnlichen Stückes muss offenbleiben. Gerade die Verbindung aus stark abstrahiertem Tigermuster, ungewöhnlicher technischer Anlage und einer offenbar bereits bei der Herstellung vorgesehenen Unterteilung in vier Felder macht den Teppich jedoch zu einer außergewöhnlichen und möglicherweise einzigartigen Knüpfarbeit.

    Schätzpreis: € 4000 - 6000
    2 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    4 000 €

    Lot: 6

    160 x 88 cm
    Tibet, Anfang 20. Jhdt.
    Zustand: sehr gut, guter Flor, minimale kleine Reparaturen
    Kette: Baumwolle, Schuss: Baumwolle, Flor: Wolle

    Tibetische Teppiche mit Drachen gehören zu den begehrtesten Stücken für Sammler von Teppichen vom "Dach der Welt". Ungewöhnlicherweise sind hier vier Drachen dargestellt. Fast immer, wenn man vier Fabelwesen in dieser Anordnung findet, handelt es sich um zwei Drachen und zwei Phönixe. Diese symbolisieren den Kaiser und die Kaiserin.

    Es gibt allerdings zwei Teppiche in der Literatur, die aus verschiedenen Gründen ungewöhnlich sind, aber ebenfalls vier Drachen zeigen. Da ist zum einen ein besonders großer Teppich mit vier Drachen, die ein Lotusblütenmedaillon umkreisen. Eine T-Meander-Bordüre umfasst dieses Stück, das in Tom Coles "Dream Weavers" auf Seite 59 abgebildet ist.

    Zum anderen gibt es einen Teppich mit Drachen zwischen Wolken im Ming-Stil in "Woven Jewels, Tibetan Rugs from the Rutherford Collection", Nr. 5. Die Drachen verfolgen dort eine große Flammenperle. Die Flammenperle symbolisiert Weisheit und Erleuchtung, und bei den meisten Teppichen dieser Art verfolgen die Drachen eben diese. Bei unserem und beim Cole-Teppich waren sie dabei wohl besonders erfolgreich, denn jeder Drache hält gleich vier davon in seinen Klauen.

    Im vorliegenden Stück sitzen an beiden Enden prächtige Lotusblüten. Grüne Ranken gehen von ihnen aus, und man könnte meinen, sie seien leicht verunglückt. Am oberen Ende sind sie allerdings ebenso dargestellt. War dies also beabsichtigt oder wurde hier versucht, einen "Fehler" zu vertuschen?
    Man könnte sich auch vorstellen, einen gleichen Teppich unmittelbar danebenzulegen. Dann würden die Ranken und die angeschnittenen Wolken beide Stücke miteinander verbinden. Vielleicht war genau dies ursprünglich beabsichtigt.

    Schätzpreis: € 6000 - 8000
    4 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    4 000 €

    Lot: 7

    158 x 88 cm und 164 x 86 cm
    Tibet, Anfang 20. Jhdt.
    Zustand: sehr gut, voller Flor, minimale Gebrauchsspuren
    Kette: Baumwolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Diese wohl einzigartigen Stücke zeigen ein überaus komplexes chinesisches Brokatmuster. Dass chinesische Stoffe auf bestimmte tibetische Teppiche Einfluss genommen haben, ist bekannt. Man denke beispielsweise an chinesische Medaillons auf einem mit Swastikas gemusterten Grund. Eine derart komplexe knüpferische "Tour de Force" ist jedoch bislang kaum bekannt.
    Chinesische Stoffe haben sich in tibetischen Klöstern erhalten, und auch das hier verwendete Muster aus Oktogonen und Quadraten ist mehrfach belegt. Einen guten Vergleich bietet ein von Linda Wrigglesworth publizierter Stoff in HALI 127, S. 133. In unserem Teppich sind jedoch zahlreiche Elemente verändert beziehungsweise neu interpretiert.
    In die Quadrate sind verschiedene buddhistische und chinesische Glückssymbole eingefügt. Von unten nach oben erkennen wir zunächst die Schatzvase, darüber den Endlosen Knoten und ein Shou-Zeichen, gefolgt von der Perle. In der oberen Hälfte erscheinen ein Flammenzeichen, ein Schmetterling und Fledermäuse.
    Durch die Mitte zieht sich ein Streifen aus mit Swastikas geschmückten Rechtecken, in denen jeweils ein Wolkensymbol erscheint. Dazwischen liegen dreidimensional wiedergegebene Bälle, die an jene Spielbälle erinnern, um die sich auf manchen chinesischen Teppichen die Fo-Hunde balgen. Oberhalb einer weiteren Swastika-Reihe erscheinen naturalistisch dargestellte Vögel.
    Ganz oben folgt schließlich der Clou: Auf jedem Teppich erscheint ein Tiger, der eine nach rechts, der andere nach links gewandt. Die Tiere sind ausgesprochen naturalistisch dargestellt und dürften auf jene Tigerteppiche anspielen, auf denen die Tiere durch Bambus streifend wiedergegeben werden. Unter einer Tatze des linken Tigers ist sogar ein Stück Bambus zu erkennen. Dies erklärt zugleich das zunächst asymmetrisch wirkende Muster in den benachbarten Feldern, das ebenfalls Bambus darstellt.
    Eine außergewöhnliche knüpferische Leistung - und dass diese Teppiche darüber hinaus als Paar erhalten geblieben sind, setzt dem Ganzen die Krone auf.

    Schätzpreis: € 6000 - 9000
    4 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    14 000 €

    Lot: 8

    130 x 109 cm
    China, 19. Jhdt.
    Zustand: dem Alter entsprechend gut, Beige teilweise korrodiert, sonst guter Flor, vereinzelt kleine Reparaturen
    Publiziert: "Asiatische Teppich- und Textilkunst, Band 5", Eberhart Herrmann, 1995, Tafel 108
    Kette: Baumwolle, Schuss: Baumwolle, Flor: Wolle

    Dieser einzigartige kleine Teppich zeigt die zwölf Tiere des chinesischen Tierkreises. Sie folgen einander im Uhrzeigersinn und stehen jeweils für eines der zwölf Jahre des Tierkreiszyklus. Ein neuer Kreislauf beginnt mit dem Jahr der Ratte, das nach zwölf Jahren wiederkehrt. Gleichzeitig wird jedes Jahr einem der fünf Elemente - Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser - sowie Yin oder Yang zugeordnet. Aus dieser Kombination ergibt sich der große chinesische Kalenderzyklus von 60 Jahren. Er beginnt mit der Yang-Holz-Ratte und endet mit dem Yin-Wasser-Schwein.

    Besonders ungewöhnlich sind die beiden Fische im Zentrum des Teppichs. Fische erscheinen auf chinesischen Teppichen vergleichsweise selten und besitzen in der chinesischen Symbolwelt eine vielschichtige Bedeutung. Ob ihre Darstellung hier unmittelbar mit dem Tierkreis beziehungsweise dem 60-Jahres-Zyklus zusammenhängt oder eine zusätzliche glückverheißende Bedeutung besitzt, lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen. Leider gibt es keine Inschrift oder andere erkennbare Angabe, die eine Zuordnung zu einem bestimmten Jahr ermöglichen würde.

    Soweit bekannt, existiert lediglich ein weiterer Teppich dieser außergewöhnlichen Art. Er befand sich in der berühmten Sammlung des amerikanischen Kunstsammlers Thomas B. Clarke und wurde im Januar 1915 bei den American Art Galleries in New York versteigert. Als Verkaufspreis werden 1.625 Dollar angegeben - für die damalige Zeit eine außerordentlich hohe Summe. Die Clarke-Auktion umfasste insgesamt 585 alte chinesische Teppiche und verwandte Textilien und zählt zu den bedeutendsten frühen Auktionen chinesischer Teppiche in den Vereinigten Staaten.

    Schätzpreis: € 20000 - 30000
    14 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    20 000 €

    Lot: 9

    398 x 171 cm
    Ostturkestan, datiert 1210 (1795)
    Zustand: dem Alter entsprechend gut, Flor stellenweise niedrig, Kelimenden leicht beschädigt, minimale kleine Reparaturen
    Kette: Seide, Schuss: Seide, Flor: Seide

    Wir lehnen uns hier vielleicht etwas aus dem Fenster, aber ohne die Interpretation des Datums als aus dem christlichen Kalender stammend wäre wohl niemand auf die Idee gekommen, den Teppich in das frühe 20. Jahrhundert zu datieren. Die Qualität der Farben und der Knüpfung stimmt nicht mit dem überein, was wir über die späten, degenerierten und stark chinesisch beeinflussten ostturkestanischen Teppiche zu wissen glauben.

    In HALI 40, Seite 14, stellte Parviz Tanavoli einen solchen Teppich mit den Worten "einer der seltsamsten Teppiche, die er jemals gesehen hat" vor. Er konnte herausfinden, dass der Teppich mit armenischen Emigranten kurz nach dem Ersten Weltkrieg nach Persien gekommen war. Er schrieb, dass der dargestellte Mann einem russischen oder armenischen Offizier des späten 19. Jahrhunderts ähnele. Neben Drachen und Tiger beschreibt er ein weiteres Tier als möglicherweise schwangeres Schaf, das den Reichtum des Mannes symbolisieren könnte.

    Einige Jahre später tauchte bei Nagel am 15. November 1996 ein weiteres Exemplar auf, das wohl um DM 100.000 liegenden Schätzpreis unverkauft blieb. Dieser Teppich war später in HALI 184, Seiten 66/67, im Besitz des bekannten Händlers Oliver Hoare zu sehen. Am 27. Oktober 2022 wurde er, verwirrenderweise unter der Bezeichnung "Samarkand", bei Christie's als Los 208 für £25.200 verkauft (HALI 214, Seite 165).

    Ein dritter Teppich aus einer Madrider Sammlung war zuvor im selben Haus für £43.750 verkauft worden (Christie's, 24. Oktober 2019, Los 262; HALI 204, Seite 124). Unser Exemplar ist somit das vierte bekannte Stück.
    Parviz Tanavoli hatte bereits vor knapp 40 Jahren auf einen möglichen astrologischen Zusammenhang hingewiesen, und tatsächlich gehören alle dargestellten Tiere zu den chinesischen Tierkreiszeichen. Letztlich wissen wir heute jedoch kaum mehr als damals.

    Eine armenische Bevölkerung in den Oasenstädten Ostturkestans ist über Jahrhunderte belegt. Der Auftraggeber könnte 1795 einen oder mehrere Teppiche in Auftrag gegeben und, da er unter Muslimen lebte, das islamische Datum zusätzlich in einer für ihn lesbaren Form erhalten haben.

    Sollte ein Kostümkundler allerdings nachweisen können, dass die Kleidung des dargestellten Mannes für die Zeit um 1800 unwahrscheinlich ist, müssten wir unsere Datierungen ostturkestanischer Teppiche grundsätzlich neu überdenken.
    Ein enigmatischer, beeindruckender Teppich von großer Qualität und großem Charme, der wohl noch Generationen Kopfzerbrechen bereiten wird.

    Schätzpreis: € 30000 - 40000
    20 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    4 000 €

    Lot: 10

    233 x 110 cm
    Kaukasus, datiert 1178 (1764)
    Zustand: Fragment, auf Stoff aufgenäht
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Dieser sehr alte kaukasische Teppich mit Talish-Musterung ist mit seinem einfarbigen Feld eine Seltenheit unter den Orientteppichen. Eigentlich ist Leere im islamischen Kunstbereich ein Anathema und allenfalls bei Nomadenteppichen wie den Gabbehs häufiger anzutreffen. Trotzdem gibt es im Kaukasus eine kleine Gruppe, in aller Regel länglicher Teppiche, die meist ein blaues Feld und eine Bordüre mit Rosetten zeigen. Der bekannte amerikanische Sammler Jim Burns hat in seinem Buch "The Caucasus - Traditions in Weaving" einen rotgrundigen Talish als Nr. 35 abgebildet. Er schrieb dazu: "Der Widerstand der Knüpfer aus der Region Talish, ihr Hauptfeld mit Ornamenten zu füllen, war für Sammler kaukasischer Webkunst schon immer eine wahre Freude." Bei den blaugrundigen Stücken ragt meist eine gelbe reziproke Pfeilspitzborte in das Innenfeld, während diese bei den roten Exemplaren überwiegend grün ausgeführt ist. Bei unserem Fragment handelt es sich dagegen um eine reziproke Zinnenbordüre, die bei anderen Stücken dieser Gruppe den Teppich nach außen abschließt. Ob dies ursprünglich auch bei unserem Teppich der Fall war, lässt sich aufgrund seines fragmentarischen Zustandes nicht mehr nachvollziehen.
    Im Teppich der Burns-Sammlung findet sich ein einzelner, einsamer Punkt im ansonsten leeren Feld. Auch unser Stück weist solche bewusst gesetzten Einzelmotive auf: Über der Datierung befindet sich ein Amulettbehang, weiter oben ein zweiter.
    Auch die Hauptbordüre zeigt eine interessante Abweichung. Bei fast allen anderen Talish-Teppichen finden sich zwischen den Rosetten jeweils vier würfelförmige Motive auf der meist weißen Bordüre. Unser Teppich unterscheidet sich auch hier: Zwischen den Rosetten erscheinen jeweils zwei Blüten, während eine Rautenlinie die Rosetten miteinander verbindet.
    Ein weiterer rotgrundiger Talish ist in einer Anzeige der Galerie Kailash in HALI 42, S. 45, abgebildet; ein weiteres Exemplar findet sich bei Eberhart Herrmann in HALI 58, S. 68. Der mit 574 cm wohl längste bekannte Talish-Teppich besitzt ebenfalls einen roten Grund und wird im Glencairn Museum in Bryn Athyn, Pennsylvania, aufbewahrt. Interessanterweise findet sich bei Böhmer/Brüggemann, "Teppiche der Bauern und Nomaden in Anatolien", als Nr. 25 ein nach Zentralanatolien lokalisierter Teppich mit einer sehr ähnlichen Zeichnung.

    Schätzpreis: € 6000 - 8000
    4 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    5 000 €

    Lot: 11

    310 x 121 cm
    Türkei, 18. Jhdt.
    Zustand: Fragment, auf Stoff aufgenäht
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Wow, so eine Farbigkeit - das muss man sich erst einmal trauen! Doch die Farben harmonieren aufs Perfekteste. Zu den drei satten Hauptfarben kommen auch noch Aubergine und sechs kleine Tüpfelchen Pink hinzu. Das tiefe Grün ist zum Niederknien. Anatolische Färbekunst auf höchstem Niveau.
    Das Muster ist von anderen Karapinar-Teppichen bekannt, doch auch hier hat sich die Knüpferin einige Freiheiten genommen. Zeichnerisch am nächsten kommt wohl ein Stück aus der Ayan-Gülgönen-Sammlung, publiziert in 17.-19. "Yüzyil Konya Kapadokya Halilari", Istanbul 1997, S. 81. Es besitzt nur zwei Medaillons und trägt dieselbe Bordüre. Formal ist es unserem Teppich recht ähnlich, in seiner Farbgestaltung jedoch völlig anders.
    Ein vergleichbares, wenngleich farblich weniger verwegenes Exemplar wurde auf der ACOR in Boston 2006 von Thomas Murray ausgestellt; siehe HALI 146, S. 118.
    Die Evolution des Musters lässt sich sehr schön an einem Teppich des 17. Jahrhunderts im Vakiflar Museum nachvollziehen; siehe Ertug, "Turkish Carpets", 1996, Tafel 100; ebenfalls publiziert bei Balpinar/Hirsch, "Teppiche", 1988, Tafel 29, sowie in "Turkish Handwoven Carpets", 5/0554. Dort liegt das vierpassige Medaillon ebenfalls auf blauem Grund, und auch die charakteristischen Anhängsel sind bereits vorhanden. Der Teppich besitzt zwar nur ein zentrales Medaillon, doch in den Ecklösungen lässt sich die Inspiration für die grünen Seitenmotive unseres Stückes erkennen. Allerdings erscheinen die grünen Haken dort in invertierter Form.
    Eine wohlgeordnete Variante des Musters findet sich bei Kirchheim, "Orient Stars", 1993, S. 254.
    Und vergleichen Sie auch den anderen Karapinar in unserer Auktion.

    Schätzpreis: € 7000 - 10000

    5 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    6 000 €

    Lot: 12

    232 x 136 cm
    Türkei, Mitte 19. Jhdt.
    Zustand: sehr gut, vereinzelt niedriger Flor, minimale kleine Reparaturen
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Teppiche mit einem zentralen Vierpassmedaillon aus Zentralanatolien, wie unser Exemplar, kommen sowohl mit einem einzelnen Zentralmotiv als auch im Läuferformat vor. Für Letztere siehe Brüggemann/Böhmer, "Teppiche der Bauern und Nomaden in Anatolien", Nr. 20. Dieses Stück wie auch ein Teppich bei Eberhart Herrmann, "Seltene Orientteppiche VIII", Nr. 12, zeigt mehr Rot und ein dunkleres Blau; siehe auch Christie's, 17. Mai 2005, Los 50, sowie einen Teppich aus der Sammlung Bogner, Rippon Boswell, 4. Dezember 2010, Los 23. Stücke in dieser Farbstellung besitzen durchgehend weiße Bordüren mit derselben Musterung wie bei unserem Exemplar.

    Eine attraktive Untergruppe, zu der der vorliegende Teppich gehört, zeigt wärmere Farben mit einem Braunrot, das mit dem Aprikot der Bordüre schön harmoniert, sowie einem Lichtblau in den Zwickeln. Die von osmanischen Seidensamt-Yastiks übernommenen Zipfel sind hier besonders detailreich gestaltet.

    Das Vierpassmedaillon lässt sich auf türkische Teppiche des 17. Jahrhunderts zurückführen. Eine schöne Zusammenstellung seiner verschiedenen Formen findet sich bei Michael Franses, "Orient Stars II", HALI Publications, 2021. Siehe hierzu auch den Dazkiri in unserer Auktion. In Michael Franses' Buch sind unter Fig. 147 und 148 zwei Stücke abgebildet, die eine Erklärung für die Gestaltung der Zwickel unseres Exemplars liefern; Fig. 150 zeigt das Medaillon auf einem weiteren Teppich mit Anhängern.
    Unser Teppich gehört zu den attraktivsten Exemplaren dieser Gruppe und ist zudem in sehr gutem Zustand erhalten.

    Schätzpreis: € 10000 - 15000
    6 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    12 000 €

    Lot: 13

    180 x 131 cm
    Türkei, 18. Jhdt.
    Zustand: dem Alter entsprechend gut, großteils guter Flor, einige professionelle Restaurierungen
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Es ist immer wieder spannend zu beobachten, wie osmanische Werkstattteppiche von Knüpferinnen auf dem Land in ihrer eigenen künstlerischen Ausdrucksweise interpretiert wurden. Ein Stern-Ushak bei McMullan, Nr. 68, zeigt einen städtischen Teppich, während nur eine Seite weiter, unter Nr. 69, die dörfliche Variante abgebildet ist. Letztere wird gemeinhin in das 18. bis frühe 19. Jahrhundert datiert. Ein Exemplar, das sich enger an den klassischen Ushak-Teppichen orientiert und eine besondere Bordüre aufweist, wird von Michael Franses in "Orient Stars II" auf 1500-1550 datiert. In diesem Zusammenhang sollte man auch Nr. 39 und 40 in Walter Dennys "Anatolian Carpets" betrachten.

    Bereits 1922 wurde bei Grote-Hasenbalg, Band II, Tafel 19, ein solcher Teppich veröffentlicht. Bei unserem Teppich hat die Knüpferin die Bordüre von den sogenannten transsilvanischen Teppichen entlehnt.
    Diese ist deutlich breiter als jene, die wir sonst bei dieser Gruppe finden. Dadurch wird das Feld schmaler und die gesamte Komposition stärker auf das Hauptmotiv konzentriert.

    Im Vergleich mit den anderen Beispielen verzichtet unser Teppich auf die von oben und unten in das Feld hineinragenden Dreiecksformen und beschränkt sich auf die Blütenform, die auch auf dem McMullan-Teppich Nr. 68 zu finden ist. Ein Teppich, der im Juni letzten Jahres bei Bukowskis versteigert wurde, zeigt dieselbe Konfiguration (11.-13. Juni 2025, Los 349, SEK 105.000). Ein weiteres Vergleichsstück wurde bei Rippon Boswell am 29. November 2025 als Los 194 angeboten.

    Unser Teppich wurde in HALI 4/4, Seite 400, als "very attractive" bezeichnet, als er am 26. Februar 1982 bei Lefevre für £3.100 verkauft wurde - dort allerdings verkehrt herum abgebildet.

    Schätzpreis: € 20000 - 30000
    12 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    4 000 €

    Lot: 14

    261 x 121 cm
    Türkei, Mitte 19. Jhdt.
    Zustand: gut, vereinzelt niedriger Flor, Seiten und Enden unvollständig, mehrere alte Reparaturen
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Der wohl am frühesten publizierte Teppich, der mit unserem Stück verwandt ist, wurde von Grote-Hasenbalg 1922 in Band 2, Tafel 23, veröffentlicht. Dieser unterscheidet sich jedoch insofern von unserem Exemplar, als sein Feld nicht in einzelne Kassetten unterteilt ist.
    In "Teppiche der Bauern und Nomaden in Anatolien" von Brüggemann/Böhmer, 1980, ist auf Tafel 90 ein Stück mit einer vergleichbaren Feldeinteilung abgebildet. Es unterscheidet sich jedoch dadurch, dass die einzelnen Felder unterschiedliche Grundfarben aufweisen, während unser Teppich einen durchgehend beigen Grund besitzt. Zu einem durchgemusterten Exemplar auf Tafel 89 schreibt Brüggemann, dass diese Farbe bei Teppichen dieser Gruppe äußerst selten vorkommt. Auf Tafel 91 zeigt er eine andere Version des Musters in versetzter Anordnung, von der mehrere Exemplare bekannt sind.
    Unsere Version, mit oder ohne Kassettenteilung, zeigt darüber hinaus Verbindungen zu Kelims aus Ostanatolien und Südpersien. Die Bordüre unseres Teppichs greift auf geschickte Weise das Hakenmedaillon des Feldes in halbierter Form auf und erzielt dadurch einen völlig anderen ornamentalen Effekt.
    Überraschenderweise finden sich gleich zwei der recht seltenen Stücke mit Kassettenteilung in dem kleinen Katalog der Rachel B. Stevens Memorial Collection, "Turkish Rugs", Textile Museum, Washington 1972, Tafeln 5 und 6. Die Nr. 6 verwendet zudem dieselbe Bordüre, unterscheidet sich jedoch wiederum dadurch, dass die einzelnen Felder verschiedenfarbig koloriert sind.
    Die wunderbare Farbigkeit, die für ostanatolische Teppiche so charakteristisch ist, hebt diese Gruppe deutlich von den Erzeugnissen anderer Knüpfgebiete ab. Ein interessanter Beitrag von Brian Morehouse über Sarkisla und die dort vorkommenden Muster findet sich in HALI 223, S. 108 ff.

    Schätzpreis: € 6000 - 9000

    4 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    5 000 €

    Lot: 15

    156 x 123 cm
    Türkei, 17. Jhdt.
    Zustand: gebraucht, Flor niedrig, mehrere alte Reparaturen, Seiten und Enden teilweise beschädigt
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    In Stefano Ionescus grundlegender Untersuchung "The Transylvanian Heritage", Rom 2024, ist auf Seite 204 unten rechts ein ähnliches Stück mit kleinteilig getrepptem Mihrab publiziert. Auch die ungewöhnliche innere Nebenbordüre ist dort zu sehen. Allerdings ist nur einer der beiden Zwickel über der Nische blau. Bei der Mehrzahl dieser Gebetsteppiche sind die Zwickel weiß, beige oder rot.

    Eine mächtige osmanische Bordüre mit Palmetten, Blüten und Lanzettblättern umfasst das Feld. Die Ecklösungen sind gut gelungen, was man nicht von allen transylvanischen Teppichen sagen kann.

    In Siebenbürgen selbst, wo sich in den Kirchen die weltweit größte Sammlung dieser Teppiche erhalten hat, befinden sich zehn Gebetsteppiche mit kleinteilig getrepptem Mihrab und dieser Art osmanischer Bordüre; siehe Ionescu, S. 322.

    Auf der Rückseite lässt sich der Einsatz sogenannter "Lazy Lines" beobachten. Diese entstehen, wenn beim Knüpfen nicht eine Reihe von Knoten nach der anderen über die gesamte Breite des Teppichs ausgeführt wird, sondern die Knüpferin abschnittsweise arbeitet und dabei kleine "Berge" von Knoten vor sich aufbaut. Im vorliegenden Stück lässt sich ein solcher "Berg" im roten Mihrab deutlich erkennen. Für das Mittelfeld wurden zudem rote Schüsse verwendet, wohl um den Farbeindruck des roten Grundes zu verstärken.
    In der legendären Bernheimer-Auktion bei Christie's London am 14. Februar 1996 wurde als Los 176 ein bis in die Nebenbordüren hinein vergleichbarer Teppich für £10.000 zugeschlagen.

    Schätzpreis: € 8000 - 12000
    5 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    10 000 €

    Lot: 16

    162 x 117 cm
    Türkei, um 1700
    Zustand: dem Alter entsprechend gut, Flor stellenweise niedrig, einige kleine alte Reparaturen, beide Enden leicht beschädigt
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Türkische Gebetsteppiche mit Säulendarstellungen dokumentieren die ungebrochene Tradition künstlerischen Schaffens über Jahrhunderte hinweg. Von der osmanischen Hofkunst bis hin zu nomadischen und dörflichen Arbeiten kommen sie vom 16. bis ins 20. Jahrhundert vor.
    Einer der "Urgroßväter" dieses Typus befindet sich im Museum für Islamische Kunst in Berlin, Inv.-Nr. KGM 1889,156 (Ionescu, "The Transylvanian Heritage", S. 209). Der erste augenfällige Unterschied besteht darin, dass das hufeisenförmige Mihrab einer Giebeldarstellung gewichen ist. Ein darüberliegendes Panel ist bei einem weiteren Teppich, der ebenfalls aus dem 16. Jahrhundert stammt, auf derselben Seite zu sehen.
    Die Weiterentwicklung des Designs führt dann zu den sogenannten transylvanischen Säulengebetsteppichen und schließlich zu den begehrten Ghiordes-Stücken. Die dicht gezeichnete Bordüre mit Palmetten, Sichelblättern und Rosetten sowie die durchgehende Verwendung roter Schüsse kennzeichnen unseren Teppich als Basra Ghiordes. Das hat nichts mit der irakischen Hafenstadt zu tun, sondern ist lediglich ein im Handel üblicher Name zur Kennzeichnung dieser Untergruppe.
    Im Gegensatz zu den höfischen Stücken finden sich bei den transylvanischen Teppichen und den Ghiordes-Arbeiten neben Ampeln vermehrt Nebenmotive wie Vasen und Blumensträuße. Die schönen großen Blumen am unteren Feldrand unseres Teppichs sind recht ungewöhnlich.
    Einige Vergleichsstücke finden sich bei Grote-Hasenbalg, Band 2, Tafel 9; Zipper, "Anatolische Teppiche", Nr. 39; sowie Aslanapa, "One Thousand Years of Turkish Carpets", Tafel 134. Bei Christie's wurde am 9. Oktober 2006 ein vergleichbarer Teppich, allerdings mit hellgrundiger Bordüre, für £ 22.800 verkauft. Ein dem unseren sehr ähnliches Exemplar wurde bei Sotheby's am 27. November 2019 als Los 81 angeboten und zeigt ebenfalls die schönen Rosen im oberen Panel.

    Schätzpreis: € 15000 - 20000
    10 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    7 000 €

    Lot: 17

    268 x 134 cm
    Türkei, erste Hälfte 19. Jhdt. oder früher
    Zustand: gut, großteils guter Flor, Dunkelbraun teilweise korrodiert, vereinzelt kleine professionelle Restaurierungen, leichte Gebrauchsspuren
    Publiziert: "Seltene Orientteppiche IV", Eberhart Herrmann, 1982, Tafel 12 und "Teppiche aus dem Orient", Ulrich Schürmann, 1979, Seite 81
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Die Musterung dieses äußerst seltenen Teppichs gibt uns zunächst einige Rätsel auf. Auf der Suche nach Vergleichsstücken stoßen wir zunächst auf ein Exemplar, das Alan Marcuson in HALI 2/2, S. 72, publizierte. Dort finden sich dieselbe Farbigkeit, eine vergleichbare Bordüre und die charakteristischen Palmetten mit den horizontalen Stäben. Allerdings ist dieses Stück weniger akkurat ausgeführt, und im Zentrum erscheinen in versetzter Reihung etwas verballhornte, abwechselnd nach rechts und links gerichtete, quergestellte Palmetten.
    Vor einigen Jahren kam bei Sotheby's ein weiteres Stück aus der Naim Attallah Collection zum Vorschein, versteigert am 27. Oktober 2021 als Los 271. Ein Teppich der Keir Collection, publiziert in "Islamic Carpets and Textiles", Nr. 70, zeigt die quer- und längsgestellten Palmetten bereits miteinander verbunden; auch die Bordüre ähnelt der unteren Bordüre unseres Stückes.
    "Dieser Teppich ist eine Karikatur der Herat- und Indo-Isfahan-Teppiche mit ihren in-and-out, up-and-down angeordneten Palmetten, die sich seit dem 17. Jahrhundert durch Kurdistan und den Kaukasus ziehen", schrieb Charles Grant Ellis zu einem Stück in "Early Caucasian Rugs", Tafel 37. Als weiteren Vergleich führt er ein Exemplar bei Kurt Erdmann, "Der orientalische Knüpfteppich", Nr. 114, an.
    Nun, seine Meinung in allen Ehren - heute werden gerade solche eigenständigen, dörflichen Interpretationen besonders geschätzt. Einige dieser Teppiche werden unter der sogenannten "Golden Triangle"-Gruppe zusammengefasst, die Alberto Levi in HALI 214, S. 100 ff., ausführlich behandelt. Insbesondere die dort abgebildeten Stücke Nr. 23, 24 und 25 - letzteres das von Marcuson publizierte Exemplar - gehören in diesen Zusammenhang, ebenso Nr. 26 aus der Weise Collection; siehe auch Austria Auction Company, Masterpieces IV, Los 25.

    Schätzpreis: € 10000 - 15000
    7 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    18 000 €

    Lot: 18

    345 x 173 cm
    Türkei, 17. Jhdt.
    Zustand: gebraucht, Flor niedrig, Seiten und Enden unvollständig, vereinzelt kleine Löcher, mehrere alte Reparaturen und Aufknüpfungen
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Ushak-Teppiche wurden vom 15. Jahrhundert an im Osmanischen Reich gefertigt und tauchen auf europäischen Gemälden bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts auf. Das bekannteste Beispiel ist sicherlich das Gemälde von Paris Bordone in Venedig, das 1534 in Auftrag gegeben und 1545 vollendet wurde.

    Am häufigsten sind die Medaillon-Ushaks, die vom 15. bis in das 18. Jahrhundert gefertigt wurden. Stern-Ushaks wurden hingegen nur bis in das 17. Jahrhundert produziert. Sie zeigen einen unendlichen Rapport aus achtpassigen Sternen und Rhomben; der meist rote Grund ist mit Blütenranken bedeckt. Das Design wurde von osmanischen Hofkünstlern entwickelt, denen persische Teppiche der Zeit wohlbekannt waren.'

    Der sicherlich schönste Teppich dieses Typs ist bei McMullan, "Islamic Carpets", 1965, Nr. 67, abgebildet. Ein Unterschied zwischen diesem und dem vorliegenden Exemplar sowie fast allen anderen Stern-Ushaks besteht darin, dass der McMullan-Teppich mehr von den angeschnittenen Medaillons zeigt, wodurch der Eindruck des unendlichen Rapports noch verstärkt wird.

    Die häufigste Bordüre bei Stern-Ushaks zeigt Wolkenbänder. Die sogenannte gotische Bordüre, wie sie auch unser Exemplar besitzt, findet sich ebenfalls auf einem Stern-Ushak, den wir am 16. September 2014 erfolgreich für € 122.000 verkaufen konnten und der sich heute in der Arkas-Sammlung in Izmir befindet; siehe HALI 216, S. 104, rechts.

    Schätzpreis: € 30000 - 40000
    18 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    8 000 €

    Lot: 19

    181 x 144 cm
    Türkei, erste Hälfte 19. Jhdt.
    Zustand: dem Alter entsprechend gut, großteils guter Flor, Seiten und Enden leicht beschädigt, ein kleines Loch unten im Feld, einige alte Reparaturen
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Dieser wunderbare Teppich zeigt die synergetische Kunst ländlich-dörflichen Teppichschaffens auf das Vortrefflichste. Das mächtige Hauptmotiv weist zum einen in Richtung des östlichen Nachbarn im Kaukasus, zu den Sewan-Kasaks, zum anderen nach Westen zu Gebetsteppichen, beispielsweise jenen der Yörük, die ein kopfförmiges Mihrab zeigen. Diese wiederum haben ihre Vorbilder in den sogenannten Re-entrant- oder Bellini-Teppichen.
    Allerdings besitzen die bisher genannten Beispiele nur einen "Kopf" auf jeder Seite und sind nicht dreigliedrig. Diese Gliederung führt uns nach Westanatolien, wo wir sie, häufig Rot auf weißem Grund, ebenfalls finden. Der schönste ist vielleicht jener, der bei McMullan auf Tafel 92 abgebildet ist.
    Für unser ostanatolisches Exemplar hatte die Knüpferin offensichtlich eine sehr klare Vorstellung von dem, was sie darstellen wollte. Selten sieht man Füllmotive derart streng, fast wie Zeilen einer Schrift, angeordnet. Sehr viel weniger abwechslungsreiche, allerdings ebenfalls streng geordnete Motivzeilen finden sich auch auf dem McMullan-Stück.
    Diese Teppiche mit gespiegelten Giebelnischen lassen sich weiter auf die transsilvanischen Nischenteppiche und deren Vorfahren zurückführen. Zum Vergleich bieten sich auch zwei Teppiche bei Walter Denny, "Anatolian Carpets", Nr. 51 und 52, sowie ein Ladik zugeschriebener Nischenteppich bei Schürmann, "Teppiche aus dem Orient", Seite 75, an.
    Richtig spannend wird es nun, wenn wir uns von Ostanatolien südwärts in den Libanon wenden. In der "Exhibition of Oriental Carpets", die im Mai 1963 im Nicolas Sursock Museum in Beirut stattfand, ist auf Tafel 86 ein Exemplar abgebildet, das dem unseren erstaunlich ähnlich ist. Die Hauptbordüre, die getreppten, kopfförmigen Mihrabs und die vergleichbaren Füllmotive zeigen eine deutliche Verwandtschaft; allerdings sind dort die Mihrabs nicht nach unten gespiegelt.
    Dieser Teppich sowie ein verwandtes Exemplar in "Prayer Rugs" von 1974, Tafel XLIII, stammen aus dem Ort al-Fakiha im Bekaa-Tal im Libanon. Leider sind beide nur in Schwarz-Weiß abgebildet.

    Schätzpreis: € 14000 - 18000
    8 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    8 000 €

    Lot: 20

    196 x 130 cm
    Türkei, Mitte 19. Jhdt.
    Zustand: dem Alter entsprechend sehr gut, großteils guter Flor, Gebrauchsspuren an den Kelimenden, minimale kleine Reparaturen
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    In diesem wunderbaren Teppich aus Südwestanatolien finden wir nicht nur faszinierende Spuren früherer Jahrhunderte, sondern er weist auch eine technische Besonderheit auf. Der Klang dieser Farben ist ganz typisch für das Städtchen Dazkiri und seine Umgebung.
    Das generelle Layout des Teppichs erinnert uns sofort an transylvanische Stücke mit Doppelnischen. Am nächsten kommt ihm vielleicht Kat. 247 auf Seite 173 in Stefano Ionescu, "The Transylvanian Heritage". Die transylvanischen Teppiche haben meistens ein rotes Medaillon, manchmal auch ein weißes oder beiges, ein blaues oder grünes hingegen fast nie. Ansonsten findet man den gesamten Musterkanon in den acht Teppichen wieder, die auf den Seiten 172 und 173 abgebildet sind.
    Mit dem Vierpassmedaillon im Zentrum haben wir uns bereits beim Karapinar in diesem Katalog beschäftigt, und es ist faszinierend zu sehen, wie unterschiedlich die künstlerischen Interpretationen in den verschiedenen Gegenden Anatoliens ausfallen. Ohne die Kenntnis der transylvanischen Teppiche würde man vielleicht gar nicht auf die Idee kommen, dass die blau-gelben Anhängsel an den Spitzen des Medaillons jeweils ein Sichelblatt und eine Blüte darstellen. Andererseits sind die in das grüne Feld hineinragenden Nelken und die weißen Rosettenblüten ganz ähnlich wie auf den Vorbildern dargestellt.
    Wenn man im Orient einen ganz besonderen Teppich mit traditioneller Musterung anfertigen wollte, steckte man seinen Ehrgeiz mitunter in den Grundaufbau. Für die Kettfäden unseres Teppichs wurden vier verschiedene Farben verwendet - ein Aufwand, den man nur an den Enden bewundern kann. Gott sei Dank haben sich diese bei unserem exemplarischen Stück erhalten.
    Ein in der Musterung fast identischer Teppich wurde bei Rippon Boswell am 18. November 2006 als Los 123 für € 24.000 versteigert. Er war 1262 AH, entsprechend 1846/47 AD, datiert und besaß zusätzlich eine innere Nebenbordüre.

    Schätzpreis: € 12000 - 16000
    8 000 €
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