196 x 130 cm
Türkei, Mitte 19. Jhdt.
Zustand: dem Alter entsprechend sehr gut, großteils guter Flor, Gebrauchsspuren an den Kelimenden, minimale kleine Reparaturen
Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle
In diesem wunderbaren Teppich aus Südwestanatolien finden wir nicht nur faszinierende Spuren früherer Jahrhunderte, sondern er weist auch eine technische Besonderheit auf. Der Klang dieser Farben ist ganz typisch für das Städtchen Dazkiri und seine Umgebung.
Das generelle Layout des Teppichs erinnert uns sofort an transylvanische Stücke mit Doppelnischen. Am nächsten kommt ihm vielleicht Kat. 247 auf Seite 173 in Stefano Ionescu, "The Transylvanian Heritage". Die transylvanischen Teppiche haben meistens ein rotes Medaillon, manchmal auch ein weißes oder beiges, ein blaues oder grünes hingegen fast nie. Ansonsten findet man den gesamten Musterkanon in den acht Teppichen wieder, die auf den Seiten 172 und 173 abgebildet sind.
Mit dem Vierpassmedaillon im Zentrum haben wir uns bereits beim Karapinar in diesem Katalog beschäftigt, und es ist faszinierend zu sehen, wie unterschiedlich die künstlerischen Interpretationen in den verschiedenen Gegenden Anatoliens ausfallen. Ohne die Kenntnis der transylvanischen Teppiche würde man vielleicht gar nicht auf die Idee kommen, dass die blau-gelben Anhängsel an den Spitzen des Medaillons jeweils ein Sichelblatt und eine Blüte darstellen. Andererseits sind die in das grüne Feld hineinragenden Nelken und die weißen Rosettenblüten ganz ähnlich wie auf den Vorbildern dargestellt.
Wenn man im Orient einen ganz besonderen Teppich mit traditioneller Musterung anfertigen wollte, steckte man seinen Ehrgeiz mitunter in den Grundaufbau. Für die Kettfäden unseres Teppichs wurden vier verschiedene Farben verwendet - ein Aufwand, den man nur an den Enden bewundern kann. Gott sei Dank haben sich diese bei unserem exemplarischen Stück erhalten.
Ein in der Musterung fast identischer Teppich wurde bei Rippon Boswell am 18. November 2006 als Los 123 für 24.000 versteigert. Er war 1262 AH, entsprechend 1846/47 AD, datiert und besaß zusätzlich eine innere Nebenbordüre.
Schätzpreis: € 12000 - 16000