156 x 123 cm
Türkei, 17. Jhdt.
Zustand: gebraucht, Flor niedrig, mehrere alte Reparaturen, Seiten und Enden teilweise beschädigt
Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle
In Stefano Ionescus grundlegender Untersuchung "The Transylvanian Heritage", Rom 2024, ist auf Seite 204 unten rechts ein ähnliches Stück mit kleinteilig getrepptem Mihrab publiziert. Auch die ungewöhnliche innere Nebenbordüre ist dort zu sehen. Allerdings ist nur einer der beiden Zwickel über der Nische blau. Bei der Mehrzahl dieser Gebetsteppiche sind die Zwickel weiß, beige oder rot.
Eine mächtige osmanische Bordüre mit Palmetten, Blüten und Lanzettblättern umfasst das Feld. Die Ecklösungen sind gut gelungen, was man nicht von allen transylvanischen Teppichen sagen kann.
In Siebenbürgen selbst, wo sich in den Kirchen die weltweit größte Sammlung dieser Teppiche erhalten hat, befinden sich zehn Gebetsteppiche mit kleinteilig getrepptem Mihrab und dieser Art osmanischer Bordüre; siehe Ionescu, S. 322.
Auf der Rückseite lässt sich der Einsatz sogenannter "Lazy Lines" beobachten. Diese entstehen, wenn beim Knüpfen nicht eine Reihe von Knoten nach der anderen über die gesamte Breite des Teppichs ausgeführt wird, sondern die Knüpferin abschnittsweise arbeitet und dabei kleine "Berge" von Knoten vor sich aufbaut. Im vorliegenden Stück lässt sich ein solcher "Berg" im roten Mihrab deutlich erkennen. Für das Mittelfeld wurden zudem rote Schüsse verwendet, wohl um den Farbeindruck des roten Grundes zu verstärken.
In der legendären Bernheimer-Auktion bei Christie's London am 14. Februar 1996 wurde als Los 176 ein bis in die Nebenbordüren hinein vergleichbarer Teppich für £10.000 zugeschlagen.
Schätzpreis: € 8000 - 12000