268 x 134 cm
Türkei, erste Hälfte 19. Jhdt. oder früher
Zustand: gut, großteils guter Flor, Dunkelbraun teilweise korrodiert, vereinzelt kleine professionelle Restaurierungen, leichte Gebrauchsspuren
Publiziert: "Seltene Orientteppiche IV", Eberhart Herrmann, 1982, Tafel 12 und "Teppiche aus dem Orient", Ulrich Schürmann, 1979, Seite 81
Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle
Die Musterung dieses äußerst seltenen Teppichs gibt uns zunächst einige Rätsel auf. Auf der Suche nach Vergleichsstücken stoßen wir zunächst auf ein Exemplar, das Alan Marcuson in HALI 2/2, S. 72, publizierte. Dort finden sich dieselbe Farbigkeit, eine vergleichbare Bordüre und die charakteristischen Palmetten mit den horizontalen Stäben. Allerdings ist dieses Stück weniger akkurat ausgeführt, und im Zentrum erscheinen in versetzter Reihung etwas verballhornte, abwechselnd nach rechts und links gerichtete, quergestellte Palmetten.
Vor einigen Jahren kam bei Sotheby's ein weiteres Stück aus der Naim Attallah Collection zum Vorschein, versteigert am 27. Oktober 2021 als Los 271. Ein Teppich der Keir Collection, publiziert in "Islamic Carpets and Textiles", Nr. 70, zeigt die quer- und längsgestellten Palmetten bereits miteinander verbunden; auch die Bordüre ähnelt der unteren Bordüre unseres Stückes.
"Dieser Teppich ist eine Karikatur der Herat- und Indo-Isfahan-Teppiche mit ihren in-and-out, up-and-down angeordneten Palmetten, die sich seit dem 17. Jahrhundert durch Kurdistan und den Kaukasus ziehen", schrieb Charles Grant Ellis zu einem Stück in "Early Caucasian Rugs", Tafel 37. Als weiteren Vergleich führt er ein Exemplar bei Kurt Erdmann, "Der orientalische Knüpfteppich", Nr. 114, an.
Nun, seine Meinung in allen Ehren - heute werden gerade solche eigenständigen, dörflichen Interpretationen besonders geschätzt. Einige dieser Teppiche werden unter der sogenannten "Golden Triangle"-Gruppe zusammengefasst, die Alberto Levi in HALI 214, S. 100 ff., ausführlich behandelt. Insbesondere die dort abgebildeten Stücke Nr. 23, 24 und 25 - letzteres das von Marcuson publizierte Exemplar - gehören in diesen Zusammenhang, ebenso Nr. 26 aus der Weise Collection; siehe auch Austria Auction Company, Masterpieces IV, Los 25.
Schätzpreis: € 10000 - 15000