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Yarkand Saph Seide

Neu

398 x 171 cm
Ostturkestan, datiert 1210 (1795)
Zustand: dem Alter entsprechend gut, Flor stellenweise niedrig, Kelimenden leicht beschädigt, minimale kleine Reparaturen
Kette: Seide, Schuss: Seide, Flor: Seide

Wir lehnen uns hier vielleicht etwas aus dem Fenster, aber ohne die Interpretation des Datums als aus dem christlichen Kalender stammend wäre wohl niemand auf die Idee gekommen, den Teppich in das frühe 20. Jahrhundert zu datieren. Die Qualität der Farben und der Knüpfung stimmt nicht mit dem überein, was wir über die späten, degenerierten und stark chinesisch beeinflussten ostturkestanischen Teppiche zu wissen glauben.

In HALI 40, Seite 14, stellte Parviz Tanavoli einen solchen Teppich mit den Worten "einer der seltsamsten Teppiche, die er jemals gesehen hat" vor. Er konnte herausfinden, dass der Teppich mit armenischen Emigranten kurz nach dem Ersten Weltkrieg nach Persien gekommen war. Er schrieb, dass der dargestellte Mann einem russischen oder armenischen Offizier des späten 19. Jahrhunderts ähnele. Neben Drachen und Tiger beschreibt er ein weiteres Tier als möglicherweise schwangeres Schaf, das den Reichtum des Mannes symbolisieren könnte.

Einige Jahre später tauchte bei Nagel am 15. November 1996 ein weiteres Exemplar auf, das wohl um DM 100.000 liegenden Schätzpreis unverkauft blieb. Dieser Teppich war später in HALI 184, Seiten 66/67, im Besitz des bekannten Händlers Oliver Hoare zu sehen. Am 27. Oktober 2022 wurde er, verwirrenderweise unter der Bezeichnung "Samarkand", bei Christie's als Los 208 für £25.200 verkauft (HALI 214, Seite 165).

Ein dritter Teppich aus einer Madrider Sammlung war zuvor im selben Haus für £43.750 verkauft worden (Christie's, 24. Oktober 2019, Los 262; HALI 204, Seite 124). Unser Exemplar ist somit das vierte bekannte Stück.
Parviz Tanavoli hatte bereits vor knapp 40 Jahren auf einen möglichen astrologischen Zusammenhang hingewiesen, und tatsächlich gehören alle dargestellten Tiere zu den chinesischen Tierkreiszeichen. Letztlich wissen wir heute jedoch kaum mehr als damals.

Eine armenische Bevölkerung in den Oasenstädten Ostturkestans ist über Jahrhunderte belegt. Der Auftraggeber könnte 1795 einen oder mehrere Teppiche in Auftrag gegeben und, da er unter Muslimen lebte, das islamische Datum zusätzlich in einer für ihn lesbaren Form erhalten haben.

Sollte ein Kostümkundler allerdings nachweisen können, dass die Kleidung des dargestellten Mannes für die Zeit um 1800 unwahrscheinlich ist, müssten wir unsere Datierungen ostturkestanischer Teppiche grundsätzlich neu überdenken.
Ein enigmatischer, beeindruckender Teppich von großer Qualität und großem Charme, der wohl noch Generationen Kopfzerbrechen bereiten wird.

Schätzpreis: € 30000 - 40000


Startpreis / Startingbid

20 000 €