Masterpieces V Es gibt 55 Lots.

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  • Startpreis / Startingbid

    8 000 €

    Lot: 41

    238 x 145 cm
    Persien, Mitte 20. Jhdt.
    Zustand: sehr gut, voller Flor, leichte Gebrauchsspuren an den Fransen
    Signatur: "Baft Iran Isfahan Seirafian"
    Kette: Seide, Schuss: Seide, Flor: Wolle

    Die berühmte Seirafian-Werkstatt wurde 1940 gegründet und produzierte persische Teppiche von überragender Qualität. Der Gründer, Haj Agha Reza Seirafian (1881-1974), war eigentlich Bankier, hatte jedoch bereits zuvor Erfahrung mit der Herstellung und dem Handel von Teppichen gesammelt. Seine sieben Söhne stellten alle unter ihren eigenen Namen Teppiche her.
    Auch zwei seiner Töchter widmeten sich dem Geschäft.

    Ein überaus komplexes Strahlenmedaillon beherrscht das Feld, begleitet von zwei kleineren Medaillons mit vergleichbarem Aufbau. Von diesen ausgehend überzieht ein weißes Spiralrankensystem den roten Grund. In bester safawidischer Tradition liegt darunter ein weiteres, blaues Rankensystem, das dem Teppich eine bemerkenswerte Tiefe verleiht. Rechts und links des Medaillons werden die beiden Systeme durch eine Palmette miteinander verbunden.

    Besonderes Augenmerk verdienen die weißen Lanzettblätter an den Gabelungen der weißen Ranken. Sie sind von hinreißender, komplexer Eleganz gezeichnet. Der weiße Grund, auf dem das mächtige Medaillon liegt, findet seinen Abschluss in zurückhaltenden Eckzwickeln, die sich subtil vom weißen Feld abgrenzen, ihrerseits jedoch durch voluminöse Vasenmotive mit dem Medaillon verbunden werden.

    Die Bordüre übernimmt die Motive des Feldes in überbordender Üppigkeit, wobei hier den blauen Wellenranken der Vorzug gegeben wird. Ein Meisterwerk persischer Knüpfkunst auf Seidengrund, für dessen Beschreibung man eigentlich nur ein
    Wort braucht: Perfektion.

    Schätzpreis: € 15000 - 20000
    8 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    8 000 €

    Lot: 42

    188 x 133 cm
    Persien, um 1900
    Zustand: sehr gut, voller Flor, minimale kleine Reparaturen
    Kette: Seide, Schuss: Seide, Flor: Seide mit Metallbroschierung

    Im safawidischen Persien des frühen 17. Jahrhunderts begannen Knüpfer, ihre ohnehin schon äußerst luxuriösen Seidenteppiche durch Metallbroschierungen noch kostbarer zu gestalten. Diese Technik wurde im 19. Jahrhundert von den besten Werkstätten Persiens wiederbelebt und ist unter dem Begriff Souf bekannt. Der Grund ist mit Metallfäden gewebt, während das Design in Seide geknüpft ist. Dadurch hebt sich das Muster durch seinen Flor nicht nur visuell, sondern auch plastisch von dem kostbaren Silbergrund ab.

    Großformatige Teppiche dieser Art zeigen häufig Medaillons oder Spiralranken, wohingegen die kleineren Exemplare oft eine Gebetsnische andeuten. Von Letzteren zeigen die meisten Baum- oder Vasenmotive. Die Kombination von Nische und Rankenwerk ist dagegen eher selten.

    Palmetten und Boteh-Formen werden durch ein mächtiges Rankenwerk miteinander verbunden, hinter dem die Nische beinahe ein wenig zurücktritt. Dem wirkt die architektonische Zeichnung mit angedeuteten Säulen und darauf thronenden Vasen entgegen. Beachten Sie auch die ungewöhnlichen quadratischen Knotenformen in der unteren Mitte des Feldes.

    Gut versteckt entdecken wir zwei weiße Fische mit roten Augen in den unteren Ecken. Auch in den Bordüren finden sich Tiere. Recht offensichtlich sind die Vögel in den roten Nebenbordüren. Schwieriger zu entdecken sind die Häschen und Ringeltauben in der Hauptbordüre, deren Oktogon- und Kassettenzeichnung ebenfalls auf safawidische Vorbilder zurückgreift.
    Ein Teppich mit dieser selteneren Bordüre ist bei Christie's, "Oriental Rugs and Carpets", 10. Oktober 2008, Los 173, veröffentlicht.

    Schätzpreis: € 12000 - 16000
    8 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    5 000 €

    Lot: 43

    208 x 148 cm
    Persien, um 1900
    Zustand: gut, großteils guter Flor, vereinzelt kleine Reparaturen, Gebrauchsspuren an den Kelimenden
    Inschrift: "Farmaesh Djenab Djalalatmahab Aghae Sultan Mohammad Khan Humayoun Dam Eqbala Al Ali Amal Bachtiari"
    Kette: Baumwolle, Schuss: Baumwolle, Flor: Wolle

    In der kleinen Gruppe der inskribierten Khan-Teppiche ist häufig ein Baum im Zentrum dargestellt, der von Vasen begleitet wird. Seltener ist die Anordnung unseres Stückes, bei dem der Blumenvase der Vorzug gegeben wird, während daneben Bäume in einer charmant angedeuteten Gartenlandschaft erscheinen.

    Ein Vogelpaar zwitschert von den Spitzen der Zypressen, die aus einem Blumenbeet emporwachsen. Direkt neben der Vase finden wir schlanke Paradiesbäumchen, die alle Früchte dieser Erde zu tragen scheinen. Ihr Wachstum wird allerdings durch den mächtigen Blumenstrauß gehemmt, der sich wunderbar von dem seltenen weißen Grund abhebt.

    Oben in den Schultern des Mihrabs entdecken wir bei genauerer Betrachtung kleine rote Dreiecksamulette. Diese belegen auf schöne Weise die nomadische Tradition der Bachtiaren, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts einflussreich und wohlhabend geworden waren.'

    In Ian Bennetts zweiteiligem Artikel "Carpets of the Khans" in HALI 43, Seiten 40-51, und HALI 44, Seiten 18-29, wird die Geschichte der Khan-Teppiche anschaulich erzählt. Fast ein Zwilling unseres Stückes, allerdings etwas voller und nicht ganz so luftig gezeichnet, ist im ersten Teil auf Seite 47 in Schwarz-Weiß abgebildet. Dieser Teppich - oder ein identisches Gegenstück - wurde vor 20 Jahren, am 5. April 2006, bei Sotheby's London als Los 70 verkauft.

    Zwei Jahre zuvor erzielte ein Lebensbaum-Exemplar bei Rippon Boswell am 15. Mai 2004, Los 100, € 26.400. In der Zaleski-Auktion wurde im selben Haus am 30. September 2019 ein weiteres Exemplar als Los 83 für € 20.910 verkauft.

    Schätzpreis: € 8000 - 12000
    5 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    4 000 €

    Lot: 44

    198 x 138 cm
    Persien, Anfang 20. Jhdt.
    Zustand: sehr gut, voller Flor, minimale kleine Reparaturen, leichte Gebrauchsspuren am oberen Ende
    Kette: Baumwolle, Schuss: Baumwolle, Flor: Wolle

    Ein kleiner, feiner Teppich mit dominantem Medaillon und großen Anhängern. Die Ecklösungen treten demgegenüber deutlich zurück und lassen dem schönen Blütenschmuck im Feld umso mehr Raum. Eine gerade weiße Linie führt von den Palmetten des Medaillons zu den üppigen Blumensträußen am oberen und unteren Ende und bildet dadurch eine markante Mittelachse.

    Um die kleine zentrale Blüte des Medaillons sind vier Irisrosetten angeordnet, deren rotbraune Ästchen die Grundlage für die darüberliegende Vierpassform bilden.

    Im Orient ist es eher ungewöhnlich, die Bordüre in derselben Grundfarbe wie das Feld zu gestalten. Möglicherweise geschah dies auf besonderen Wunsch des Auftraggebers. In der Bordüre wechseln sich frontal und schräg dargestellte Blüten ab, eingebettet in ein dichtes Rankenwerk. Das Muster ist elegant um die Ecken geführt und lässt dadurch Raum für eine ungewöhnliche zusätzliche Ecklösung.

    Mit welcher Sorgfalt dieser Teppich gearbeitet wurde, zeigt sich auch an der kaum wahrnehmbaren, nur einen Knoten breiten Konturlinie um das Medaillon. Eine feine weiße, in das Feld gesetzte Linie erzielt denselben Effekt bei den weißen, geviertelten Eckmedaillons.

    Man kann sich gut vorstellen, dass dieses edle Stück in früheren Zeiten das Boudoir einer Dame schmückte.

    Schätzpreis: € 6000 - 8000
    4 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    8 000 €

    Lot: 45

    200 x 138 cm
    Persien, Ende 19. Jhdt.
    Zustand: sehr gut, großteils guter Flor, minimale Gebrauchsspuren
    Kette: Baumwolle, Schuss: Baumwolle, Flor: Wolle

    Auf den ersten Blick überzeugt sofort die warme Farbigkeit dieses eleganten Teppichs. Die gedämpften Apricot- und rotorangen Töne harmonieren aufs Schönste mit den lichtblauen Ranken auf dem weißen Innenfeld.

    Das zentrale Medaillon besitzt nicht nur einen, sondern gleich zwei Anhänger, aus denen sich Gabelblätter erheben. Die tiefblauen, angeschnittenen Eckmedaillons sind ebenso groß dimensioniert wie das zentrale Medaillon und stoßen dadurch beinahe mit diesem zusammen.

    Vertieft man sich in den weißen Grund mit seinem feinen Rankenwerk, entdeckt man eine bezaubernde Leichtigkeit im Zusammenspiel von Farben und Motiven. Gerade dieser helle, offene Grund verleiht der ansonsten kraftvollen Komposition ihre besondere Eleganz.

    Die ungewöhnliche Hauptbordüre führt uns zu einem Teppich, der im Buch der Galerie Pakzad aus Hannover, "Persische Knüpfkunst", 1978, Abb. 173, publiziert ist. Dieses Exemplar ist farblich zwar etwas zurückhaltender, zeigt jedoch einen Mohtashem mit einer vergleichbaren Bordüre aus Sternblüten und Schalen, aus denen sich Lanzettblätter erheben.

    Auch die zierlichen reziproken Zinnen der Begleitstreifen finden sich dort wieder. Mit ihrer filigranen Zeichnung unterstützen sie die locker gestalteten Nebenbordüren dabei, die mächtige Hauptbordüre optisch einzufassen und mit dem Feld zu verbinden.
    Ein souveränes Knüpfwerk von großer Eleganz und gestalterischer Sicherheit, wie man es in dieser Qualität nur noch selten findet.

    Schätzpreis: € 12000 - 16000
    8 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    8 000 €

    Lot: 46

    237 x 152 cm
    Persien, Anfang 20. Jhdt.
    Zustand: sehr gut, voller Flor, minimale kleine Reparaturen am oberen Ende, leicht fleckig auf der Rückseite
    Kette: Baumwolle, Schuss: Baumwolle, Flor: Wolle

    Für manchen mag die figürliche Darstellung von Personen auf persischen Teppichen zunächst befremdlich wirken, denkt man doch häufig pauschal an ein Bilderverbot im Islam. Die tatsächliche Situation ist jedoch wesentlich differenzierter. Seit dem 16. Jahrhundert war der schiitische Islam Staatsreligion Persiens, und figürliche Darstellungen spielten in der persischen Kunst weiterhin eine bedeutende Rolle. Bereits aus safawidischer Zeit sind Samte, Stickereien und andere Textilien überliefert, auf denen Figuren aus mythischen Erzählungen und der persischen Dichtung dargestellt sind. Unter europäischem Einfluss gewann schließlich auch die Ölmalerei im 18. und insbesondere im 19. Jahrhundert unter den Kadscharen große Bedeutung.

    Auf unserem Teppich sitzt eine elegante Dame, offenbar Wein trinkend, auf einem Herrschaftsthron, der von minarettartigen Türmchen bekrönt wird. Sie trägt ein Kleid aus Kani-Gewebe, der persischen Variante der Kaschmirweberei, sowie einen kostbaren, mit Tiermotiven geschmückten Umhang, der von ihrem Kopf herabfällt. Darüber trägt sie einen Pfauenfederschmuck in Boteh-Form, der auf ihren hohen, möglicherweise königlichen Rang verweist. Über ihr erscheint - auf amüsante Weise kopfüber dargestellt - ein Pfau in einem Baum. Angeschnittene Zypressen erheben sich aus einem paradiesischen Garten, in dem sich Fische, Gazellen, Böcke und ein geflügelter Löwe friedlich miteinander tummeln.

    Ein Teppich mit nahezu gleicher Zeichnung wurde vom Auktionshaus Kaminski in HALI 165, S. 13, inseriert. Dort sitzt die dargestellte Person allerdings nicht auf einem Thron, sondern vor einem kleinen Tisch, auf dem sich eine weitere Flasche sowie eine Schale mit Früchten befinden. In der damaligen Beschreibung wird die Figur als Noor Ali bezeichnet. Diese Identifizierung erscheint jedoch fraglich, da Noor Ali als Derwisch dargestellt wird und in entsprechenden Bildnissen üblicherweise mit einer Pfeife erscheint. Wer auf unserem Teppich tatsächlich dargestellt ist, lässt sich daher nicht mit Sicherheit bestimmen. Die höfische Inszenierung, der Thron und der aufwendige Pfauenfederschmuck sprechen jedoch deutlich für eine hochrangige Persönlichkeit. Unabhängig von ihrer Identität zeugen die anspruchsvolle Zeichnung und die meisterhafte Knüpfung dieses wunderbaren Teppichs eindrucksvoll von der Kunstfertigkeit der persischen Knüpfer.

    Schätzpreis: € 12000 - 16000
    8 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    4 000 €

    Lot: 47

    208 x 140 cm
    Persien, zweite Hälfte 19. Jhdt.
    Zustand: sehr gut, voller Flor, Dunkelbraun korrodiert, oberes Kelimende teilweise restauriert, minimale kleine Reparaturen
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Ein beeindruckender Teppich, der uns einerseits vertraut erscheint, andererseits aber durchaus rätselhaft ist. Schildformen sind in versetzten Reihen fliesenartig zu einem unendlichen Rapport angeordnet. Nichts in der Farb- oder Formensprache wirkt unmittelbar ungewöhnlich. Sucht man jedoch gezielt nach einem vergleichbaren Stück, wird man nur schwer fündig.
    Beim Hauptmotiv könnte man zunächst an einen speziellen Typ der Sevan-Kazaks denken; siehe Eder, "Kaukasische Teppiche", Nr. 13 und 15. Eine vergleichbare fliesenartige Anordnung finden wir bei Schürmann, "Teppiche aus dem Kaukasus", an einem Bordjalou, Nr. 10. Bei den Surahani-Shirvans wirkt das Hauptmotiv zwar auf den ersten Blick deutlich anders, ist in seinem Aufbau jedoch durchaus vergleichbar; siehe Eder, Nr. 272-275.
    Kehren wir zu den Sevan-Teppichen zurück, bemerken wir, dass deren zentrale Quadrate einem Typ von Shahsavan-Taschen ähneln. Das wiederum lässt an den beliebten Pfeilkreuz-Typus denken, beispielsweise Wertime, "Sumak Bags", Nr. 74 und 125. Lässt man dort gedanklich die seitlichen Arme weg und beschneidet die Seiten, kommen wir unserem Motiv bereits etwas näher.
    Das ist zugegebenermaßen recht vage. Es gibt jedoch einen Teppich, der das Motiv tatsächlich fast genauso zeigt wie unser Stück: In "Oriental Rugs from Atlantic Collections", Nr. 97, erscheint es in vertikaler Reihung; der Teppich wird dort den Shahsavan zugeschrieben.
    Die Farben unseres Teppichs sind wunderbar, und das Feld wird von einer schönen klassischen "Weinglas"-Bordüre eingefasst. Besonders charmant ist die Nebenbordüre mit reziproken Zinnen und ihrem wechselnden Rhythmus; am oberen Ende findet sich zudem ein kleiner Farbwechsel.
    Darüber hinaus ist der Teppich sehr sorgfältig geknüpft. Besonders schön ist der Einsatz mehrfacher Konturlinien, durch die die einzelnen Motive zusätzliche Tiefe und Klarheit gewinnen. Trotz der insgesamt so akkuraten Anlage des Designs hat sich die Knüpferin unten rechts eine kleine persönliche Freiheit erlaubt und - fast wie eine Signatur - ein kleines Kammmotiv eingefügt.

    Schätzpreis: € 6000 - 9000
    4 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    4 000 €

    Lot: 48

    381 x 196 cm
    Persien, erste Hälfte 19. Jhdt.
    Zustand: gebraucht, guter Flor, mehrere Löcher und Fehlstellen, mehrere kleine Reparaturen, mehrere kleine Mottenschäden, auf Stoff aufgenäht
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Dieser sehr ungewöhnliche Bidjar fällt nicht nur durch sein Design, sondern auch durch seine herausragenden Farben auf. Das Feld zeigt einen unendlichen Rapport aus zwei verschiedenen Blütenformen, der von den Bordüren äußerst präzise eingefasst wird. Nur ganz unten hat die Knüpferin einen kleinen Fehler gemacht, indem sie das blaue Nebenmotiv quer gestellt hat. Darüber hinaus hat sie einige Anhängsel desselben Motivs in das Feld gesetzt.
    Das Ganze geht aus dem bekannten Mina-Khani-Muster hervor, nur dass die verbindenden Ranken mit den weißen, fünfblättrigen Narzissenblüten weggelassen wurden. Das Muster kennen wir von Veramin- und Beludj-Teppichen. Die kreisrunden Blüten sind variantenreich in unterschiedlichen Farben gestaltet, wohingegen das Sekundärmotiv Ruhe in das Feld bringt, indem es einheitlich blau gehalten ist. Im Vergleich zum Mina-Khani-Muster hat sich hier jedoch eine entscheidende Veränderung ergeben: Das Motiv hat eine Richtung bekommen. In seinem Inneren steht eine aufrechte Blume, und es hat "Beine" erhalten, die uns an die "Füße" der sogenannten Adler-Kasaks erinnern. Vergleichbare Formen lassen sich auch in anderen Teppichen Nordwestpersiens entdecken.
    Die tiefblaue Bordüre zeigt von Blättern umgebene gelbe und blaue Blüten, wie wir sie in vielen Variationen kennen. Besonders charmant sind die winzigen weißen, fünfblättrigen Blümchen, welche die größeren Blüten umkreisen. Die dunkelgrüne Ranke, welche die großen Blätter miteinander verbindet, trägt einen Hauch einer kufischen Bordüre in sich.
    Dass der Teppich rundum eine geknüpfte beige oder, wenn man so will, hell kamelhaarfarbene Umrandung besitzt, erinnert an Sarab- und Hamadan-Läufer.
    Es war eine gute Tat, dass sich jemand die Mühe gemacht hat, diesen Teppich zu retten und auf einen Träger aufzunähen - etwas, das bei persischen Teppichen des 19. Jahrhunderts, im Gegensatz zu türkischen, so gut wie nie vorkommt.
    Ein echtes Sammlerstück.

    Schätzpreis: € 6000 - 9000
    4 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    15 000 €

    Lot: 49

    343 x 250 cm
    Persien, um 1930
    Zustand: sehr gut, voller Flor, ein kleiner reparierter Riss in der rechten unteren Ecke (ca. 6 cm)
    Inschrift der Kelimeinfassung: "Ghanunhaye Falasafe (Gesetze der Philosophie)"
    Kette: Seide, Schuss: Seide, Flor: Wolle, Seide und Metallbroschierung

    Einen so großen und komplexen Teppich voller feinster Details auf einer Abbildung zu erfassen, fällt naturgemäß schwer.
    Man muss hineinzoomen, um die Feinheit der Knüpfung und der Motive zu erkennen. Dabei bemerkt man auch die ungeheure Anzahl an Farben.

    Wenn wir uns auf das Medaillon konzentrieren, fällt zunächst die silberne Metallbroschierung auf, die wir auch in den Eckzwickeln wiederfinden. Dort befinden sich rechts und links neben der größeren broschierten Fläche zwei Palmetten, die eindrucksvoll zeigen, mit welchem Aufwand dieser Ausnahmeteppich geknüpft wurde. Mehr als ein halbes Dutzend Farben vereinen sich allein in diesem einen Motiv.

    Auf dem metallbroschierten zentralen Medaillon liegt ein kleineres gelbes und darunter ein dunkelblaues Medaillon.
    Bei genauerer Betrachtung erkennt man allerdings, dass durch die weiß-gelben, rot und blau abgesetzten Lanzettblätter geschickt ein weiteres Medaillon eingeschrieben ist.

    Die Kartuschen-und-Rosetten-Bordüre ist ein Kunstwerk für sich, und die gelben, sie verbindenden Gabelblätter sind von hinreißender Eleganz. Das Grundprinzip wird auch in den Nebenbordüren beibehalten, dort allerdings um eine weitere Palmette ergänzt. Dass ein solcher Teppich aus einer Meisterwerkstatt stammen muss, bestätigt sich mittig ganz oben in der Nebenbordüre durch die Signatur von Khalil Khodyavi. Er war zeitweise Vorarbeiter in der legendären Amoghli-Werkstatt, baute daneben jedoch seine eigene Produktion auf. Äußerst ungewöhnlich ist, dass der Teppich nicht nur am unteren und oberen Ende flachgewebte Streifen, sogenannte Elems, aufweist, sondern auch an den Seiten. Darüber hinaus sind in diese Streifen sich wiederholende blaue Schriftkartuschen eingewebt.

    Ein makelloser Meisterteppich von großer Eleganz, vollendeter Knüpfung und außergewöhnlicher Farbigkeit.

    Schätzpreis: € 25000 - 35000
    15 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    6 000 €

    Lot: 50

    492 x 200 cm
    Persien, Anfang 19. Jhdt.
    Zustand: gut, Flor stellenweise niedrig, obere und untere Bordüre restauriert, mehrere kleine Reparaturen, Seitenränder neu umwickelt
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Ein sehr beeindruckender Galerieteppich mit Harshang-Muster und Medaillon. Auf dunkelblauem Grund entfaltet sich das Harshang-Muster, von kaum einem Füllmotiv gestört, in elegant beruhigter Bewegung. Die Bezeichnung Harshang - persisch für "Krabbe" - wurde von Cecil Edwards in seinem Standardwerk "The Persian Carpet" auf S. 49 verwendet. Sie bezeichnet die charakteristischen Blattgabelmotive, die häufig in Weiß dargestellt sind. Auch bei kaukasischen Teppichen wurden diese Formen oftmals als Tiermotive interpretiert, doch handelt es sich eindeutig um pflanzliche Darstellungen. Auf unserem Teppich erscheinen die Blattgabeln in Blau und wachsen aus roten Palmetten heraus. Der Rhythmus der Feldkomposition lässt sich besonders schön an den dominanten gelben Rosetten nachvollziehen. Am unteren Ende erscheint zunächst eine einzelne Rosette, darüber folgen zwei. Die nächste einzelne Rosette verschwindet bereits teilweise unter dem Medaillon mit seinen Anhängern. Gerade hier wird besonders deutlich, dass das Medaillon gleichsam über die fortlaufende Grundkomposition gelegt wurde. Die darauffolgende Zweierkonstellation sowie die nächste einzelne Rosette werden vom Medaillon vollständig verdeckt, bevor sich der ursprüngliche Rhythmus oberhalb davon folgerichtig fortsetzt. Bei Teppichen dieser Art liegt das Medaillon häufig etwas unterhalb der exakten Feldmitte. Dies ist keineswegs als Fehler zu verstehen. Bei diesen sorgfältig konzipierten Werkstattteppichen dürfte eine solche leichte Verschiebung vielmehr bewusst eingesetzt worden sein, um die Komposition optisch zu beleben. Ein nahezu identisch gezeichnetes Medaillon findet sich bei Jim Burns, "The Caucasus: Traditions in Weaving", Nr. 9. Der dort publizierte Teppich wird als Karabagh beschrieben und weist eine andere Farbpalette auf. Er besitzt ein ähnlich langgestrecktes Format; sein Feld zeigt jedoch anstelle des Harshang-Musters ein damit verwandtes Herati-Muster. Die Bordüren unseres Teppichs hingegen stehen deutlich in kaukasischer Tradition. Die Hauptbordüre ist in warmen Farben gehalten und zeigt abwechselnd Sterne, Rosetten und Palmetten, umgeben von Gabelblättern - Motive aus dem klassischen persischen Formenkanon.

    Schätzpreis: € 8000 - 12000
    6 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    6 000 €

    Lot: 51

    543 x 244 cm
    Persien, 17. Jhdt.
    Zustand: gebraucht, Flor niedrig, mehrere alte Reparaturen und Aufknüpfungen, einige Löcher, Seiten und Enden geringfügig unvollständig
    Kette: Baumwolle, Schuss: Baumwolle, Flor: Wolle

    Palastteppiche dieser Art wurden früher häufig als "Indo-Isfahan" bezeichnet. Zum einen bestanden bei manchen Kennern Zweifel an ihrer genauen Herkunft, zum anderen gelangten zahlreiche dieser Stücke über den portugiesischen Seehandel nach Europa. Im 17. Jahrhundert begegnen sie uns recht häufig auf Gemälden des holländischen Goldenen Zeitalters.
    Unter Shah Abbas I. (1587-1629) entstanden in den Hofmanufakturen der damaligen persischen Hauptstadt Isfahan wunderbare Teppiche von höchster Qualität. Sie dienten nicht nur der Ausstattung der Paläste der safawidischen Dynastie, sondern waren auch im Westen außerordentlich begehrt. Das typischerweise rote Feld ist von einem weitläufigen System aus Spiralranken überzogen. Große, von Sichelblättern begleitete Palmetten wechseln sich darin mit prachtvollen Wolkenbändern ab und erzeugen jene gleichermaßen kraftvolle wie elegante Bewegung, die für diese Teppiche so charakteristisch ist.
    Viele dieser Stücke wurden über Jahrhunderte in europäischen Burgen und Schlössern aufbewahrt. Mit dem wirtschaftlichen Niedergang zahlreicher europäischer Adelsfamilien gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelangten bedeutende Exemplare auf den Kunstmarkt und wurden insbesondere von wohlhabenden amerikanischen Sammlern erworben. Wie großartig solche Teppiche auch heute noch in einem Interieur wirken können, zeigte der berühmte englische Innenarchitekt Robert Kime, der unter anderem für den damaligen Prince of Wales, den späteren König Charles III., arbeitete. Für seine von ihm als "Refugien" verstandenen Räume verwendete er mit Vorliebe alte Teppiche, durchaus auch in etwas rustikalem Erhaltungszustand. Für Kime konnte ein Teppich einen ganzen Raum bestimmen. Seine Interieurs lebten gerade von jener Wärme, Patina und Geborgenheit, die nur über Generationen gewachsene Dinge vermitteln können.
    Kaum eine Teppichgruppe verkörpert diese Verbindung von großer Kunst, Geschichte und gelebtem Interieur eindrucksvoller als die safawidischen Palastteppiche.

    Schätzpreis: € 10000 - 15000
    6 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    12 000 €

    Lot: 52

    416 x 300 cm
    Persien, Ende 19. Jhdt.
    Zustand: sehr gut, Flor stellenweise niedrig aber nicht abgetreten, unteres Ende minimal unvollständig, minimale kleine Reparaturen
    Inschriften: Verse eines philosophischen Gedichts von Hafis
    Kette: Baumwolle, Schuss: Baumwolle, Flor: Wolle

    Serapi-Teppiche gehören zu den begehrtesten persischen Knüpfarbeiten überhaupt, doch nur noch selten findet man ein Exemplar dieser Qualität. Farben, Musterung und Zustand sind erstklassig, und als besonderes i-Tüpfelchen kommen die Inschriften am oberen und unteren Ende hinzu.

    Bei diesen Inschriften handelt es sich um einen Auszug eines Gedichts des berühmten persischen Dichters Hafis, nämlich um Ghazal Nr. 45. Die Verse sind im "Divan-e Hafez" überliefert. Hafis lebte ungefähr von 1315 bis 1390 in Schiraz.
    Man kann daher seriös sagen, dass das Gedicht aus dem 14. Jahrhundert stammt, wahrscheinlich aus Hafis' dichterischer Schaffenszeit zwischen der Mitte und dem Ende des 14. Jahrhunderts. Ein genaues Entstehungsjahr ist leider nicht überliefert.

    Von nordwestpersischen Teppichen dieser Zeit erwartet man im Vergleich zu früheren Arbeiten eine zunehmend abstrahierte Formensprache. Bei unserem Teppich ist dies auf wunderbare Weise gelungen: Die Zeichnung wirkt keineswegs ungelenk, sondern ausgesprochen durchdacht und elegant. Besonders schön lässt sich dies auf dem fein abraschierten grünen Grund beobachten.

    Im dunkelblauen, achtpassigen Medaillon haben die Knüpfer eine etwas floralere Ausdrucksweise gewählt, um im darüberliegenden lichtblauen Sternmedaillon wieder zu einer geradlinigeren, geometrischen Zeichnung zurückzukehren. Dieses Wechselspiel zwischen floralen und geometrischen Formen verleiht der Komposition einen besonderen Reiz.

    Wer in Cecil Edwards' grundlegendem Werk "The Persian Carpet" etwas über Serapi nachlesen möchte, wird zunächst enttäuscht sein. Edwards schreibt, dass für Georavan, ein Dorf nahe Heriz, in Amerika zeitweise die Bezeichnung "Serape" (Sar?b) verwendet wurde, diese jedoch bereits zu seiner Zeit nicht mehr gebräuchlich gewesen sei. Die Stadt Sar?b selbst bildet er allerdings auf seiner Karte des Heriz-Distrikts ab. Heute wird der Begriff Serapi im internationalen Teppichhandel vor allem für besonders hochwertige ältere Teppiche aus der weiteren Heriz-Region verwendet.

    Mit großer Sorgfalt wurde bei unserem Stück nahezu jedes Motiv von Konturlinien eingefasst. Besonders bemerkenswert ist die detaillierte Gestaltung der Schriftbänder am oberen und unteren Ende, deren Einfassungen durch dazwischengesetzte Blüten zusätzlich belebt werden.

    Die klassische Bordüre aus Palmetten und Rosetten ist wesentlich dichter gezeichnet und bildet dadurch einen hervorragenden Kontrast zum großzügiger und leichter gestalteten Feld. Gerade dieses ausgewogene Verhältnis zwischen kraftvoller Geometrie, feiner Binnenzeichnung und ungewöhnlich harmonischer Farbgebung macht die besondere Qualität dieses Teppichs aus.

    Schätzpreis: € 20000 - 30000
    12 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    8 000 €

    Lot: 53

    415 x 318 cm
    Persien, um 1880
    Zustand: gut, Flor niedrig aber nicht abgetreten, beide Enden geringfügig restauriert, vereinzelt professionelle Reparaturen
    Kette: Baumwolle, Schuss: Baumwolle, Flor: Wolle

    Ein wunderbarer, heller und aufmunternder Einrichtungsteppich erster Qualität. Bei den Teppichen der Heriz-Region steht der Name Serapi in erster Linie für eine großartige Zeichnung und eine sanfte, harmonische Farbpalette. Ob diese Teppiche tatsächlich aus dem Städtchen Sarab stammen, ist nach wie vor ungeklärt. Lesen Sie dazu auch unsere Anmerkungen zu Cecil Edwards bei dem anderen Serapi in dieser Auktion.
    Das für diese Teppiche so charakteristische offene Feld ist bei unserem Exemplar besonders deutlich ausgeprägt. Faszinierend ist zu beobachten, wie sich die Dichte der Motive von den Ecken zur Mitte hin ganz organisch reduziert und immer mehr Raum für den hellen Grund freigibt. Dem Entwerfer muss man dafür ein Kompliment machen - die Komposition ist großartig.
    Die angulare Umsetzung altbekannter Motive ist ein Markenzeichen der Teppiche dieser Region. In den Ecken sind diese Formen fast wie einzelne Zitate in den Raum gestellt; auf die sie ursprünglich verbindenden Linien wurde weitgehend verzichtet. Auch das wirkt auf erstaunliche Weise modern.
    Im Feld sind mehr dieser Verbindungslinien erhalten geblieben, doch wurden sie teilweise überlang gestreckt und auf wenige Striche reduziert. Dadurch entsteht ein beinahe abstrakter Effekt, der sich weit vom traditionellen Bild des üppig blühenden Perserteppichs entfernt.
    Die Bordüre ist dagegen klassisch gehalten und ebenso wie das Medaillon in einem etwas dunkleren Rotton ausgeführt. Sie bildet damit gleichsam einen Rahmen, der die moderne, offene Komposition des Inneren zusammenhält. Auch im Medaillon zeigt sich der ausgeprägte Gestaltungswille des Entwerfers in den unterschiedlichen Ausformungen ein und desselben Motivs.
    Eine großartige Arbeit, die eindrucksvoll zeigt, wie modern die abstrakte Formensprache eines Serapi des 19. Jahrhunderts wirken kann.

    Schätzpreis: € 14000 - 20000
    8 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    10 000 €

    Lot: 54

    344 x 253 cm
    Persien, Anfang 20. Jhdt.
    Zustand: gut, Flor stellenweise niedrig in der unteren Bordüre, oberes Ende geringfügig unvollständig, Seitenränder teilweise restauriert und teilweise beschädigt
    Kette: Baumwolle, Schuss: Baumwolle, Flor: Wolle

    Cecil Edwards beschrieb die Stadt Kaschan in seinem grundlegenden Werk "The Persian Carpet" auf Seite 333 als eine der weniger attraktiven Städte Persiens, ungepflegt und baufällig. Im 16. und 17. Jahrhundert war die Stadt dreimal so groß wie im 19. Jahrhundert und berühmt für ihre Seiden-, Woll- und Baumwollprodukte. Ende des 19. Jahrhunderts bescherte die Renaissance des Orientteppichs den lokalen Knüpfern die Chance, an frühere Erfolge "anzuknüpfen". Heute zählen die eleganten Teppiche zu den begehrtesten Antiquitäten der Stadt.

    Auf Seite 341 ist ein Teppich abgebildet, der, wie der unsere, im Zentrum ein spitzovales Kreuz zeigt. Mit seinen gezackten Umrandungen entfaltet dieses eine starke Dynamik über dem dunkelblauen Feld und bildet einen spannungsvollen Gegensatz zur streng gezeichneten Raute. Zwei kleine Anhängsel vervollständigen die klassische Anordnung. Sie liegt auf einem farblich zurückhaltenden Feld, das mit einer Vielzahl von Blüten, Ranken und Palmetten geschmückt ist.

    Am unteren und oberen Rand des Feldes, neben den kleinen blauen Medaillons, ist auf sanften Hügeln eine Wiesenlandschaft dargestellt. Darüber befinden sich zwei große männliche Pfauen, deren Schnäbel sich in eine Blüte versenken. Ihre prächtigen Schwanzfedern spreizen sich weit in das Feld. Die Pfauen scheinen geradezu um die Blüte zu buhlen.

    Die dunkelblaue Bordüre ist wunderbar schwungvoll gezeichnet. Durch ihre farbliche Verbindung mit dem Medaillon erzeugt sie ein reizvolles Spannungsfeld zum farblich subtilen Innenfeld.
    Ein Klassiker voller Eleganz und Spannung.

    Schätzpreis: € 20000 - 30000
    10 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    15 000 €

    Lot: 55

    505 x 342 cm
    Persien, zweite Hälfte 19. Jhdt.
    Zustand: gut, Flor stellenweise niedrig, mehrere kleine Reparaturen an den Seiten, vereinzelt kleine Reparaturen im Feld
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Mit seinen monumentalen Abmessungen von über fünf Metern und seiner außergewöhnlich großzügigen Zeichnung gehört dieser Teppich zu den eindrucksvollen großformatigen Knüpfarbeiten aus der Gegend von Bidjar und Gerus in Persien.
    Das sogenannte Gerus-Muster besitzt eine lange Geschichte. Seine Vorläufer lassen sich bis zu den großen persischen Manufakturteppichen des 17. Jahrhunderts zurückverfolgen. Im 18. Jahrhundert wurden entsprechende Musterkonzepte in Nordwestpersien aufgenommen und weiterentwickelt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden sie schließlich so eng mit der Gegend von Gerus, südlich von Bidjar, verbunden, dass sich in der Teppichliteratur die Bezeichnung "Gerus" für diese Mustergruppe etablierte. Dabei handelt es sich keineswegs um ein einziges, unveränderliches Muster, sondern vielmehr um eine ganze Familie von Entwürfen, die von den Knüpfern immer wieder neu interpretiert wurden.
    Unser Teppich ist dafür ein besonders schönes Beispiel. Auf tiefblauem Grund entwickelt sich eine ungewöhnlich groß angelegte, streng organisierte Komposition. Mächtige weiß konturierte Ranken und Palmetten gliedern das Feld in übereinanderliegende Abschnitte. Dazwischen stehen stilisierte Bäume und Sträucher, Blüten, Palmetten und zahlreiche kleine florale Motive. Trotz der außerordentlichen Fülle der Zeichnung verliert das Muster nie seine Klarheit.
    Nicht weniger bemerkenswert ist die breite Hauptbordüre. Auf wechselnd grünem und blauem Grund entwickeln sich große rote Palmetten, die von kraftvollen, gelblich-beigen Ranken umspielt werden. Die Formen erinnern noch deutlich an die großen floralen und arabesken Muster der klassischen persischen Teppichkunst, sind hier jedoch in die kräftige, geometrisch abstrahierende Formensprache Nordwestpersiens übersetzt. Schmale weißgrundige Blütenranken rahmen diese monumentale Bordüre und bilden zugleich einen wirkungsvollen Kontrast zum tiefblauen Feld.
    Unser Teppich zeigt eindrucksvoll, warum diese Gruppe zu den bedeutendsten Leistungen der nordwestpersischen Knüpfkunst des 19. Jahrhunderts gehört: monumentales Format, leuchtende Farbigkeit und eine Zeichnung, die ihre Wurzeln in der klassischen persischen Teppichkunst nicht verleugnet, sie aber in eine vollkommen eigenständige Formensprache übersetzt.

    Schätzpreis: € 25000 - 35000
    15 000 €
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