543 x 244 cm
Persien, 17. Jhdt.
Zustand: gebraucht, Flor niedrig, mehrere alte Reparaturen und Aufknüpfungen, einige Löcher, Seiten und Enden geringfügig unvollständig
Kette: Baumwolle, Schuss: Baumwolle, Flor: Wolle
Palastteppiche dieser Art wurden früher häufig als "Indo-Isfahan" bezeichnet. Zum einen bestanden bei manchen Kennern Zweifel an ihrer genauen Herkunft, zum anderen gelangten zahlreiche dieser Stücke über den portugiesischen Seehandel nach Europa. Im 17. Jahrhundert begegnen sie uns recht häufig auf Gemälden des holländischen Goldenen Zeitalters.
Unter Shah Abbas I. (1587-1629) entstanden in den Hofmanufakturen der damaligen persischen Hauptstadt Isfahan wunderbare Teppiche von höchster Qualität. Sie dienten nicht nur der Ausstattung der Paläste der safawidischen Dynastie, sondern waren auch im Westen außerordentlich begehrt. Das typischerweise rote Feld ist von einem weitläufigen System aus Spiralranken überzogen. Große, von Sichelblättern begleitete Palmetten wechseln sich darin mit prachtvollen Wolkenbändern ab und erzeugen jene gleichermaßen kraftvolle wie elegante Bewegung, die für diese Teppiche so charakteristisch ist.
Viele dieser Stücke wurden über Jahrhunderte in europäischen Burgen und Schlössern aufbewahrt. Mit dem wirtschaftlichen Niedergang zahlreicher europäischer Adelsfamilien gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelangten bedeutende Exemplare auf den Kunstmarkt und wurden insbesondere von wohlhabenden amerikanischen Sammlern erworben. Wie großartig solche Teppiche auch heute noch in einem Interieur wirken können, zeigte der berühmte englische Innenarchitekt Robert Kime, der unter anderem für den damaligen Prince of Wales, den späteren König Charles III., arbeitete. Für seine von ihm als "Refugien" verstandenen Räume verwendete er mit Vorliebe alte Teppiche, durchaus auch in etwas rustikalem Erhaltungszustand. Für Kime konnte ein Teppich einen ganzen Raum bestimmen. Seine Interieurs lebten gerade von jener Wärme, Patina und Geborgenheit, die nur über Generationen gewachsene Dinge vermitteln können.
Kaum eine Teppichgruppe verkörpert diese Verbindung von großer Kunst, Geschichte und gelebtem Interieur eindrucksvoller als die safawidischen Palastteppiche.
Schätzpreis: € 10000 - 15000