416 x 300 cm
Persien, Ende 19. Jhdt.
Zustand: sehr gut, Flor stellenweise niedrig aber nicht abgetreten, unteres Ende minimal unvollständig, minimale kleine Reparaturen
Inschriften: Verse eines philosophischen Gedichts von Hafis
Kette: Baumwolle, Schuss: Baumwolle, Flor: Wolle
Serapi-Teppiche gehören zu den begehrtesten persischen Knüpfarbeiten überhaupt, doch nur noch selten findet man ein Exemplar dieser Qualität. Farben, Musterung und Zustand sind erstklassig, und als besonderes i-Tüpfelchen kommen die Inschriften am oberen und unteren Ende hinzu.
Bei diesen Inschriften handelt es sich um einen Auszug eines Gedichts des berühmten persischen Dichters Hafis, nämlich um Ghazal Nr. 45. Die Verse sind im "Divan-e Hafez" überliefert. Hafis lebte ungefähr von 1315 bis 1390 in Schiraz.
Man kann daher seriös sagen, dass das Gedicht aus dem 14. Jahrhundert stammt, wahrscheinlich aus Hafis' dichterischer Schaffenszeit zwischen der Mitte und dem Ende des 14. Jahrhunderts. Ein genaues Entstehungsjahr ist leider nicht überliefert.
Von nordwestpersischen Teppichen dieser Zeit erwartet man im Vergleich zu früheren Arbeiten eine zunehmend abstrahierte Formensprache. Bei unserem Teppich ist dies auf wunderbare Weise gelungen: Die Zeichnung wirkt keineswegs ungelenk, sondern ausgesprochen durchdacht und elegant. Besonders schön lässt sich dies auf dem fein abraschierten grünen Grund beobachten.
Im dunkelblauen, achtpassigen Medaillon haben die Knüpfer eine etwas floralere Ausdrucksweise gewählt, um im darüberliegenden lichtblauen Sternmedaillon wieder zu einer geradlinigeren, geometrischen Zeichnung zurückzukehren. Dieses Wechselspiel zwischen floralen und geometrischen Formen verleiht der Komposition einen besonderen Reiz.
Wer in Cecil Edwards' grundlegendem Werk "The Persian Carpet" etwas über Serapi nachlesen möchte, wird zunächst enttäuscht sein. Edwards schreibt, dass für Georavan, ein Dorf nahe Heriz, in Amerika zeitweise die Bezeichnung "Serape" (Sar?b) verwendet wurde, diese jedoch bereits zu seiner Zeit nicht mehr gebräuchlich gewesen sei. Die Stadt Sar?b selbst bildet er allerdings auf seiner Karte des Heriz-Distrikts ab. Heute wird der Begriff Serapi im internationalen Teppichhandel vor allem für besonders hochwertige ältere Teppiche aus der weiteren Heriz-Region verwendet.
Mit großer Sorgfalt wurde bei unserem Stück nahezu jedes Motiv von Konturlinien eingefasst. Besonders bemerkenswert ist die detaillierte Gestaltung der Schriftbänder am oberen und unteren Ende, deren Einfassungen durch dazwischengesetzte Blüten zusätzlich belebt werden.
Die klassische Bordüre aus Palmetten und Rosetten ist wesentlich dichter gezeichnet und bildet dadurch einen hervorragenden Kontrast zum großzügiger und leichter gestalteten Feld. Gerade dieses ausgewogene Verhältnis zwischen kraftvoller Geometrie, feiner Binnenzeichnung und ungewöhnlich harmonischer Farbgebung macht die besondere Qualität dieses Teppichs aus.
Schätzpreis: € 20000 - 30000