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Frühes kaukasisches Teppichfragment

Neu

233 x 110 cm
Kaukasus, datiert 1178 (1764)
Zustand: Fragment, auf Stoff aufgenäht
Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

Dieser sehr alte kaukasische Teppich mit Talish-Musterung ist mit seinem einfarbigen Feld eine Seltenheit unter den Orientteppichen. Eigentlich ist Leere im islamischen Kunstbereich ein Anathema und allenfalls bei Nomadenteppichen wie den Gabbehs häufiger anzutreffen. Trotzdem gibt es im Kaukasus eine kleine Gruppe, in aller Regel länglicher Teppiche, die meist ein blaues Feld und eine Bordüre mit Rosetten zeigen. Der bekannte amerikanische Sammler Jim Burns hat in seinem Buch "The Caucasus - Traditions in Weaving" einen rotgrundigen Talish als Nr. 35 abgebildet. Er schrieb dazu: "Der Widerstand der Knüpfer aus der Region Talish, ihr Hauptfeld mit Ornamenten zu füllen, war für Sammler kaukasischer Webkunst schon immer eine wahre Freude." Bei den blaugrundigen Stücken ragt meist eine gelbe reziproke Pfeilspitzborte in das Innenfeld, während diese bei den roten Exemplaren überwiegend grün ausgeführt ist. Bei unserem Fragment handelt es sich dagegen um eine reziproke Zinnenbordüre, die bei anderen Stücken dieser Gruppe den Teppich nach außen abschließt. Ob dies ursprünglich auch bei unserem Teppich der Fall war, lässt sich aufgrund seines fragmentarischen Zustandes nicht mehr nachvollziehen.
Im Teppich der Burns-Sammlung findet sich ein einzelner, einsamer Punkt im ansonsten leeren Feld. Auch unser Stück weist solche bewusst gesetzten Einzelmotive auf: Über der Datierung befindet sich ein Amulettbehang, weiter oben ein zweiter.
Auch die Hauptbordüre zeigt eine interessante Abweichung. Bei fast allen anderen Talish-Teppichen finden sich zwischen den Rosetten jeweils vier würfelförmige Motive auf der meist weißen Bordüre. Unser Teppich unterscheidet sich auch hier: Zwischen den Rosetten erscheinen jeweils zwei Blüten, während eine Rautenlinie die Rosetten miteinander verbindet.
Ein weiterer rotgrundiger Talish ist in einer Anzeige der Galerie Kailash in HALI 42, S. 45, abgebildet; ein weiteres Exemplar findet sich bei Eberhart Herrmann in HALI 58, S. 68. Der mit 574 cm wohl längste bekannte Talish-Teppich besitzt ebenfalls einen roten Grund und wird im Glencairn Museum in Bryn Athyn, Pennsylvania, aufbewahrt. Interessanterweise findet sich bei Böhmer/Brüggemann, "Teppiche der Bauern und Nomaden in Anatolien", als Nr. 25 ein nach Zentralanatolien lokalisierter Teppich mit einer sehr ähnlichen Zeichnung.

Schätzpreis: € 6000 - 8000


Startpreis / Startingbid

4 000 €