77 x 76 cm
Griechenland (Patmos), 17. Jhdt.
Zustand: Fragment, leichte Gebrauchsspuren an den Seiten, guter Gesamtzustand
Seide auf Leinen
Antike griechische Stickereien haben sich auf dem europäischen Festland deutlich seltener erhalten als in englischen Sammlungen. Dies mag unter anderem mit dem seit Lord Byron besonders ausgeprägten britischen Interesse an Griechenland zusammenhängen. Englische Forscher, Reisende und Sammler waren bereits früh vor Ort und begannen, historische Stickereien zusammenzutragen.
Einer der bekanntesten unter ihnen war Alan John Bayard Wace, der von 1914 bis 1923 Direktor der British School at Athens war und später am Victoria & Albert Museum tätig wurde. 1935 publizierte er die Sammlung von Mrs. F. H. Cook in dem zweibändigen Werk "Mediterranean & Near Eastern Embroideries".
Auf Tafel LXVII ist ein Bettvorhang aus Patmos abgebildet, der im unteren Teil zweimal einen aus drei Bahnen bestehenden bestickten Streifen aufweist und ebenfalls in das 17. Jahrhundert datiert wird. Ein kleiner, aber auffälliger Unterschied zu unserem Stück besteht darin, dass die dort dargestellten Tiere zwei Hörner und kein Hirschgeweih tragen.
Diese feinen, mit Seide bestickten Textilien sind selten und entsprechend begehrt. Zwei unterschiedlich gestaltete und verschiedenfarbige Blütenbäumchen wechseln einander ab, und erst bei genauer Betrachtung erschließt sich die erstaunliche Vielfalt der zwischen ihnen dargestellten Tiere.
Besonders reizvoll ist die mittelalterlich anmutende rote Bordüre. Innerhalb der Rauten erscheint ein heraldisch wirkendes Tier, das sich auch im Kelch der grünen Blüte wiederfindet. In den kugelrunden Formen unterhalb der Hirsche sind zudem kreuzförmige Motive verborgen, die an Kreuzfahrerkreuze erinnern.
Zwei weitere vergleichbare Exemplare sind in "Greek Embroideries", Benaki Museum, 1980, Nr. 53, sowie bei Margaret Gentles, "Turkish and Greek Island Embroideries", Art Institute of Chicago, 1964, Nr. 53, publiziert.
Schätzpreis: € 6000 - 8000