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Früher Südkaukasischer Teppich

Neu

288 x 137 cm
Kaukasus, erste Hälfte 19. Jhdt.
Zustand: dem Alter entsprechend gut, großteils guter Flor, Dunkelbraun teilweise korrodiert, vereinzelt kleine Reparaturen
Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

Auf den ersten Blick erscheint an diesem attraktiven Teppich zunächst nichts ungewöhnlich. Betrachtet man jedoch die Oktogone auf dem schön abraschierten Feld genauer, fällt auf, dass diese hier eigentlich nicht zum gewohnten Musterrepertoire gehören, sondern offenbar von Kelims abgeleitet sind. In Yanni Petsopoulos' Standardwerk über Kelims von 1979 sind mehrere Flachgewebe aus dem Kaukasus mit vergleichbaren Hexagonen publiziert. Unter den Nummern 301, 302 und 342 sowie in den bandartig gemusterten Kelims Nr. 310 und 318 finden sich gute Vergleichsbeispiele. Doch auch am Rand des Kaukasus, im östlichen Anatolien, insbesondere im Gebiet von Erzurum und Kars, lässt sich dieses Motiv nachweisen; siehe ebd. Nr. 269 und 270. Selbst ein persisches Beispiel findet sich unter Nr. 354. Ganz unten und oben im farblich wunderschönen Feld unserer Knüpfarbeit erscheinen hingegen jeweils zwei Motive, die eindeutig der Formensprache des Knüpfteppichs entstammen. Dadurch entsteht ein reizvolles Nebeneinander unterschiedlicher textiler Traditionen.
Die raumgreifende weiße Hauptbordüre verlangt besondere Aufmerksamkeit. Ihr Muster besteht aus Vierblättern und Rauten, die durch feine Stäbchen miteinander verbunden sind. Ganz unten findet sich zunächst eine Art "Bildstörung": Offenbar wusste die Knüpferin zu Beginn noch nicht recht, wie sie das Muster entwickeln sollte. Doch schon bald gewinnt die Zeichnung an Sicherheit. Die Blätter werden zunehmend raumgreifender gestaltet, wobei die beiden unteren Elemente der jeweiligen Viererkonstellation leicht nach unten hängen. Dadurch erhält die Bordüre - und letztlich der gesamte Teppich - eine klare Richtung. Die lebhafte, beinahe spielerische Zeichnung der Bordüre steht dabei in einem reizvollen Kontrast zur strengen Geometrie des Feldes. Bislang wurde nur wenig darüber geschrieben, in welchem Ausmaß ein und dieselbe Weberin sowohl Kelims als auch Knüpfteppiche hergestellt haben könnte. Bei unserem Stück liegt der Gedanke jedenfalls nahe: Seine Knüpferin verstand es hervorragend, die aus der Flachweberei vertraute Formensprache in die vollkommen andere Technik des geknüpften Flors zu übertragen. Gerade diese selbstverständliche Übersetzung von Kelim-Motiven in Knoten macht den Teppich so bemerkenswert.

Schätzpreis: € 12000 - 16000


Startpreis / Startingbid

7 000 €

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