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Große frühe südamerikanische Tunika

Neu

212 x 133 cm
Südamerika, 2. - 6. Jhdt. n.Chr.
Zustand: dem Alter entsprechend sehr gut, vereinzelt kleine Reparaturen, auf Rahmen montiert
Provenienz: Sammlung Hilmar Kopper, Rothenbach
Alpaka- oder Lamawolle und Baumwolle

Ein graphisch unglaublich eindrucksvolles Textil. Wie bei den meisten Stücken dieser Gruppe beschränkt sich die Farbgebung des Feldes auf Orangerot und Gelb. Eine Besonderheit unseres Exemplars ist jedoch der farblich abgesetzte Streifen innerhalb der gelben Fläche. In der Mitte des Umhangs wurden die Fäden ausgespart, um einen Schlitz zu schaffen, durch den der Kopf gesteckt werden konnte. Zur Sicherung dieses Ausschnitts wurde sowohl am oberen als auch am unteren Ende jeweils ein zusätzlicher blauer Faden eingezogen. Die mächtige Bordüre wird von großen G-Haken dominiert, die sich rhythmisch mit würfelförmigen Motiven abwechseln. Dieses kostbare Gewebe entstand zu einer Zeit, als in Österreich noch die Römer herrschten. Den extrem trockenen Wüstenregionen an der Westküste Südamerikas verdanken wir es, dass sich Textilien von solch außergewöhnlichem Alter überhaupt erhalten konnten. Doch nicht nur graphisch, sondern auch technisch hat unser Textil Erstaunliches zu bieten. Wenn wir oben von "Schussfäden" gesprochen haben, ist dies streng genommen nicht ganz korrekt. Normalerweise definiert sich der Schuss als das quer verlaufende Fadensystem, das eine durchgehende Kette kreuzt. Eine solche durchgehende Kette gibt es hier jedoch nicht. Vielmehr sind sowohl Kette als auch Schuss unterbrochen und durch einfache beziehungsweise doppelte Verhängungen miteinander verbunden. Diese aufwendige Technik macht die Herstellung ausgesprochen arbeitsintensiv, ermöglicht zugleich aber ein erstaunlich leichtes und luftiges Gewebe - für einen Umhang, der in einem heißen und trockenen Klima getragen wurde, geradezu ideal. Hilmar Kopper war unter anderem Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank und wurde einer breiten Öffentlichkeit durch seine Äußerung bekannt, offene Handwerkerrechnungen in Höhe von rund 50 Millionen D-Mark seien "Peanuts". Geschickter als im Umgang mit der Öffentlichkeit war er zweifellos beim Sammeln von Kunst. Der erste Teil seiner Sammlung wurde 2022 bei Van Ham für insgesamt rund 8,3 Millionen Euro versteigert. Dass einen Sammler moderner und abstrakter Kunst ein solches textiles Bild faszinierte, ist leicht nachzuvollziehen. In seiner radikalen Reduktion der Farben, der monumentalen Graphik und dem beinahe abstrakten Wechsel geometrischer Formen wirkt dieses mehr als tausend Jahre alte Gewebe erstaunlich modern.

Schätzpreis: € 40000 - 60000


Startpreis / Startingbid

24 000 €

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