Masterpieces IV Es gibt 45 Lots.

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  • Startpreis / Startingbid

    7 500 €

    Lot: 1

    523/256/240 x 34 cm
    Turkmenistan, um 1800 oder früher
    Zustand: Fragmente, dem Alter entsprechend sehr gut, guter Flor, leichte Gebrauchsspuren an Seiten und Enden, minimale kleine Reparaturen, sehr guter Gesamtzustand
    Provenienz: ex Hans-Christian Sienknecht Sammlung
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle und Seide mit Baumwoll-Highlights

    Ein Prachtband. Es gibt wohl kaum ein anderes Zeltband, das mit derart juwelenartigen Farben und einer so großzügigen Verwendung von Seide aufwarten kann. Es ist notorisch schwierig, turkmenische Zeltbänder einer bestimmten Stammesgruppe zuzuordnen und dies mit harten Fakten zu belegen. Allerdings hat sich unter Sammlern ein gewisser Konsens herausgebildet.
    Jürg Rageth schrieb in "Turkmenische Teppiche. Ein neuer Ansatz" auf Seite 463 über ein Salor-Band: "Die großzügige und vor allem auch systematische Verwendung von mit Lac gefärbter Wolle ist sehr ungewöhnlich und spricht für eine Zuordnung zu den Salor, der einzigen Gruppe unter den Turkmenen, die diesen Insektenfarbstoff systematisch und in größeren Mengen auf Wolle verwendet hat."
    Auf den Seiten 583 bis 585 identifiziert er spezielle Mustermerkmale, die auch in dem vorliegenden Band zu finden sind und die er eindeutig Saryk-Bändern zuschreibt. Der überaus kenntnisreiche Sammler Hans-Christian Sienknecht bezeichnete das Band als Saryk und sprach von einem "Showpiece" (Hali 200, Seite 187).
    Die drei Fragmente ergeben, zusammengelegt, fast die gesamte Länge des Zeltbands. Die Farben dieses außergewöhnlichen Bandes sind herausragend, und dass relativ viel vom weißen Grund sichtbar ist, unterstreicht die fröhliche Ausstrahlung dieser kostbaren Knüpfarbeit.

    Schätzpreis: € 12000 - 16000
    7 500 €
  • Startpreis / Startingbid

    3 000 €

    Lot: 2

    120 x 46 cm
    Turkmenistan, Mitte 19. Jhdt. oder früher
    Zustand: gut, voller Flor, beide Enden und linke Seite geringfügig unvollständig, minimale kleine Mottenschäden
    Provenienz: ex Hans-Christian Sienknecht Sammlung
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle und Seide, Flor: Wolle

    Das Aksu-Muster, türkisch "ak" für "weiß" oder "sauber" und "su" für "Wasser", ist in turkmenischen Erzeugnissen relativ selten, kommt allerdings bei den Göklan häufiger vor als bei den anderen Gruppen. Die Stücke zeigen in manchen Fällen eine Verbindung zu Salor-Arbeiten. Eine exakte Zuschreibung zu Adler I oder III hält Jürg Rageth in seinem Buch "Turkmenische Teppiche", Seite 238, für schwierig, da die Knüpfung weder zu der einen noch zu der anderen Gruppe genau passt. Auch in der Grundstruktur stellt er fest, dass die Seide für den Schuss, den man ja nicht sieht, hier mit preiswerterem Krapp anstelle der üblichen Insektenfarbstoffe gefärbt ist.
    Eine ganz außergewöhnliche Beobachtung macht Jürg Rageth auf Seite 703, wo er feststellt, dass die mit Lack gefärbten Knoten jeweils aus 18 einzelnen Fäden bestehen. Er vermutet, dass das Garn für einen Wollstoff hergestellt wurde und nicht für einen Teppich. Er schreibt: "Es wurde von der Teppichknüpferin für die kleine Torba zusammengezwirnt, bis das Material vom Volumen her einem normalen, 2-fädigen Teppichknoten entsprach."
    Diese Behänge wurden paarweise hergestellt, sind aber meistens im Verlauf der Zeit getrennt worden. Ein erhaltenes Paar dieser seltenen Stücke aus der Hoffmeister-Sammlung, allerdings in fragmentarischem Zustand, wurde bei Rippon Boswell in Auktion 108, Los 88, verkauft. Ein weiteres sehr vergleichbares Exemplar findet sich in Rautenstengel/Azadi, "Kultur der Turkmenen", Abb. 21a, sowie zwei weitere in Dodds/Eiland, "Oriental Rugs from Atlantic Collections", Abb. 213 und 214.

    Schätzpreis: € 6000 - 8000
    3 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    5 000 €

    Lot: 3

    227 x 173 cm
    Turkmenistan, um 1800 oder früher
    Zustand: dem Alter entsprechend, in der Breite reduziert, großteils guter Flor, mehrere alte Reparaturen, Kelimenden angesetzt und teilweise beschädigt, deutliche Gebrauchsspuren
    Provenienz: ex Robert Pinner Sammlung und ex Hans-Christian Sienknecht Sammlung
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Dieser bildschöne Tekke-Hauptteppich ist eines von nur sechs Stücken, die mit dieser Bordüre bekannt sind. Er wurde erstmals von Robert Pinner und Michael Franses in "Turkoman Studies I" auf Seite 102 sowie auf Farbtafel IV, 1980, publiziert. Zu diesem Zeitpunkt war nur ein weiterer Teppich dieser Art aus der Menzel-Sammlung bekannt.
    Die Meanderbordüre mit eingerolltem Blatt wurde in der Publikation mit kaukasischen Schildteppichen in Verbindung gebracht. Es gibt allerdings durchaus auch einen Bezug zu Zeltbändern. Jürg Rageth unterschied drei verschiedene Rottöne im wunderbaren Feld, die einen unmerklichen Abrasch bilden ("Turkmenische Teppiche. Ein neuer Ansatz", Seite 631).
    Ein dritter Teppich wurde von dem Händler David Reuben bei Bonhams erworben (Hali 117, Seite 113) und in seinem Katalog "Gols and Guls II" als Nummer 1 publiziert. Dieser ist wohl der älteste dieser kleinen Gruppe und kann mit ziemlicher Sicherheit ins 16./17. Jahrhundert datiert werden (Rageth, Seite 631). Eine Radiokarbondatierung des vorliegenden Exemplars legt eine Entstehung zwischen 1650 und 1820 nahe (Rageth, Seiten 631 und 160).
    Das vierte Exemplar wurde von Rippon Boswell am 20. November 2004, Los 181, für 38.400 € versteigert. Dieses hatte eine etwas gedämpfte Grundfarbe, war allerdings vollständig und zeigte ebenfalls das schöne Grün, das auch unser um eine Reihe Güls reduziertes Exemplar aufweist.
    Eine seltene Gelegenheit, eine wunderbare, extrem seltene turkmenische Knüpfarbeit hervorragender Provenienz zu erwerben.

    Schätzpreis: € 10000 - 15000
    5 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    3 000 €

    Lot: 4

    154 x 89 cm
    Tibet, Anfang 20. Jhdt.
    Zustand: gut, Flor stellenweise niedrig, vereinzelt kleine Reparaturen, leichte Gebrauchsspuren
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Darstellungen von Tigern oder Tigerfell-Streifen auf Textilien haben in Asien eine mindestens 2.000 Jahre alte Tradition. Ob geknüpft oder gestickt, wie im Fall des ältesten bekannten Stücks aus Noin-Ula, symbolisieren sie Kraft, Macht und Autorität. Nur jemand, der solche Eigenschaften besitzt, darf in Tibet auf einem solchen Teppich sitzen.
    Tibetische Knüpfer stellten Teppiche mit natürlichen Darstellungen von Tigern in verschiedensten Abstraktionsstufen her, bis hin zu bloßen Strichzeichnungen. Die "Tigerlippen" sind auf unserem Stück schön zu sehen. Für die seitlichen Einbuchtungen mit ihrer schönen Pfeffer-und-Salz-Knüpfung vergleicht man am besten den Umschlag von Mimi Liptons Buch "Tigerteppiche aus Tibet", insbesondere die Rückseite.
    Offensichtlich ist der Kopf des Tigers auf unserem Exemplar nicht gezeigt - oder doch? Nein, aber die Ohren sind unten links und rechts dargestellt.
    In Liptons Buch ist auf Seite 74 ein Teppich abgebildet, der von derselben Knüpferin stammen könnte wie das hier gezeigte Exemplar. Zum besseren Erkennen muss man das Buch allerdings auf den Kopf stellen.
    Ein weiteres Stück findet sich in "La Tigre e il Fiore di Loto", Museo Nazionale Preistorico ed Etnografico, Tavola XC.

    Schätzpreis: € 6000 - 8000
    3 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    4 000 €

    Lot: 5

    460 x 152 cm
    Tibet, Anfang 20. Jhdt.
    Zustand: gut, vereinzelt niedriger Flor, beide oberen Ecken geringfügig restauriert, vereinzelt kleine Reparaturen
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Großformatige tibetische Teppiche sind extrem selten, können aber Größen von über fünf Metern erreichen.
    Diese wurden in aller Regel nicht für Klöster, sondern für Fürstenhäuser gefertigt. Kleinere Teppiche mit chinesisch beeinflussten Brokatmustern kommen vor, sind aber ebenfalls selten.
    In Thomas Wilds Buch Drumze: Metamorphoses of the Tibetan Carpet ist auf Tafel 26 ein solcher Teppich abgebildet, dessen Grundfarbe der unseres Stückes ähnelt. Die dortige Version zeigt das Brokatmedaillon ebenfalls als unendlichen Rapport, mit angeschnittenen Medaillons an den Seiten und an beiden Enden, allerdings ohne Bordüre.
    Bei den Stücken mit Bordüre ist die T-Mäander-Bordüre der Standard. In Hallvard Kåre Kuløys "Tibetan Rugs" ist ein solches Stück mit ähnlicher Grundfarbe gezeigt. Dieses weist ebenfalls ein länglicheres Format auf als das unsere; leider sind die Maße nicht angegeben.
    Auch in Franz Bausbacks kleinem Ausstellungskatalog der Sammlung Grelle, Lamaistische Meditationsteppiche aus Tibet, ist ein brokatgemusterter Teppich mit Mäanderbordüre in gleicher Grundfarbe abgebildet. Bemerkenswert im Vergleich zu den genannten Beispielen ist neben der Größe unseres Stückes die ungemein filigrane Zeichnung der Medaillons.
    Die kleinen Muster im Feld werden oft Froschfuß-Muster genannt, dürften aber wohl eher auf das buddhistische Flammensymbol zurückzuführen sein.

    Schätzpreis: € 6000 - 9000
    4 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    4 000 €

    Lot: 6

    186 x 116 cm
    Persien, um 1930
    Zustand: sehr gut, guter Flor, minimale kleine Reparaturen, leichte Gebrauchsspuren
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Dieser ungeheuer seltene, doppelseitige Gabbeh ist mit hochglänzender Wolle in exzellenten Farben geknüpft. Schon über den ersten jemals publizierten Gabbeh schrieb Laura Belle Holt 1901: "There is a fine sheen on the surface. This rug is quite heavy, and its very oddity makes it interesting to the collector." Sie bezeichnete ihn als "Arabian Rug" und "probably woven in the vicinity of Shiraz".
    Dieser Teppich, in dem Buch zwischen den Seiten 58 und 59 eingefügt, zeigt ein Feld aus Quadraten, die mehrfach in andere Quadrate eingeschrieben sind. In unserem Stück sind die Quadrate von oben nach unten zunehmend wilder gestaltet. Diese Freiheit in der Zeichnung findet sich auch in einigen Gabbeh der Bornet-Sammlung, so etwa bei den Nummern 29 und 30 in "Gabbeh, The George D. Bornet Collection, Part 3".
    Im Holt-Stück ist das Feld von sieben schmalen Bordüren umgeben, die zum Teil kleinste Motive zeigen, wohingegen in unserem Stück eine Pixelierung zu beobachten ist. Auf der Rückseite befindet sich ein Stufenpolygon in beeindruckenden Farben auf auberginebraunem Grund. Diese Anordnung roter Stufenrauten erinnert an Gashgai-Kelims. In dem Buch "Mystik der Gabbeh" zeigt Siawosch Azadi auf Tafel 13 einen Gabbeh mit roten Stangenrauten und mehreren farbigen Umfassungen.
    Dass unser Teppich darüber hinaus doppelseitig geknüpft ist, ist sehr selten. Es ist ein Teppich von hervorragender Qualität und zugleich ein Augenschmaus.

    Schätzpreis: € 6000 - 8000
    4 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    2 000 €

    Lot: 7

    184 x 165 cm
    Kaukasus, um 1900
    Zustand: exzellent
    Publiziert: "Tribal Rugs", Jenny Housego, 1978, Tafel 5 und "Von Uschak bis Yarkand II", Eberhart Herrmann, 1979, S. 69, Nr. 31
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle

    Diese exemplarisch schöne, flachgewebte Pferdedecke wurde 1978 von Jenny Housego in ihrem bahnbrechenden Buch
    "Tribal Rugs" auf Tafel 5 in Farbe veröffentlicht. Schon kurz danach gelangte sie zu Eberhart Herrmann, wurde von ihm für 18.500 DM angeboten und als Nummer 31 in seinem zweiten Katalog "Von Uschak bis Yarkand" publiziert.
    Auch fast ein halbes Jahrhundert später zeigt sich das Stück im selben vorzüglichen Zustand und mit wunderbaren Farben. Auf den ersten Blick springt einem eine gelbe Tiergestalt ins Auge, die in einer Reihe mit fünf weiteren steht. Die steil aufgerichteten Schwanzfedern, die kleinen Haken oben am Kopf sowie der kleine Schnabel kennzeichnen diese Gestalten als ziemlich wohlbeleibte Pfauendarstellungen.
    Auf ihnen stehen zweiköpfige Vierbeiner, deren Köpfe wiederum ebenfalls an Pfauen erinnern. Diese Darstellungsweise findet sich auf mehreren dieser Flachgewebe. Die farblich getrennten roten und blauen Felder sind vollständig mit kleinen Rosetten und anderen Motiven gefüllt: ein klassischer 'Horror vacui'.
    Eine strenge, weißgrundige Kassettenbordüre, wie sie häufig von den Khorassan-Kurden verwendet wird, umschließt die verschiedenen Felder. In Auktion 108 bot Rippon Boswell unter der Nummer 202 ein vergleichbares Stück an.

    Schätzpreis: € 4000 - 6000
    2 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    4 000 €

    Lot: 8

    231 x 138 cm
    Persien, Mitte 19. Jhdt.
    Zustand: gut, Flor niedrig, rechte untere Ecke restauriert, vereinzelt kleine Reparaturen, leichte Gebrauchsspuren
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Musterstücke für Teppiche haben sich aus einem bisher nicht erklärbaren Grund hauptsächlich aus Nordwestpersien und hier besonders aus Bidjar erhalten. Es könnte sein, dass dies mit der von europäischer und amerikanischer Nachfrage ausgelösten zweiten Teppichrevolution zu tun hatte. Im Jahr 1883 gab die Firma Ziegler & Co. kleine Matten, wohl Vagireh, an ihre Knüpfer aus, damit sie die Aufträge ordnungsgemäß ausführen konnten.
    Dieses Stück zeigt ein Gerus-Design und ist so gestaltet, dass es fast wie ein fertiger kleiner Teppich aussieht. Allerdings ist am unteren Ende die Hauptbordüre nur als Stück im Feld gezeigt. Die weißgrundige Blattbordüre wäre in dem zu erstellenden Teppich dann zweifach als Nebenbordüre geknüpft worden.
    Diese Stücke konnten Käufern gezeigt werden, dienten aber auch als Gedankenstütze für die Knüpfer. Auftraggeber konnten dann wählen, welche Muster und Farben sie bevorzugten. Das Feld im klassischen Gerus-Muster konnte anstelle des warmen Rots auch in Blau bestellt werden, oder die Nebenbordüre als Hauptbordüre.
    Insofern stellen diese Vagireh nicht nur wichtige Belege für die Forschung über Teppichtraditionen dar, sondern sind auch beliebte Sammlerstücke.

    Schätzpreis: € 6000 - 9000
    4 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    5 000 €

    Lot: 9

    380 x 145 cm
    Türkei, Mitte 18. Jhdt.
    Zustand: dem Alter entsprechend, Braun teilweise korrodiert, Seiten und Enden teilweise beschädigt, mehrere kleine Löcher, Gebrauchsspuren, auf Stoff aufgenäht
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle

    Wirklich alte anatolische Kelims sind heute nur noch selten zu finden, da sie im Ursprungsland praktisch nicht mehr vorhanden sind. Sammlungsauflösungen wie die von Jack Cassin am 26. Juni 2022 in Philadelphia brachten dann auch Preise von bis zu 187.000 US-Dollar; siehe Hali 213, Seite 158 und folgende.
    Dieser wunderbare Sivas-Kelim zeigt im Zentrum ein großes rotes Feld und an beiden Enden mehrfarbige Streifen. Diese spezielle Aufteilung wird, neben den Kelims mit ausschließlich Streifen oder Doppelnischen, mit der Verwendung als Bedeckung von Kamelen in Zusammenhang gebracht.
    Farbe und Form machen den Reiz der alten anatolischen Kelims aus, und die subtilen Farben dieses frühen Exemplars fördern die formale Gestaltung. Das Innenfeld, unter dem die Tragelasten ruhen, wird durch ein leicht kräftigeres Rot betont. Vier breitere Farbstreifen in leicht variiertem Rhythmus zieren die Flanken des Kamels. Daneben finden sich feine Streifen in delikaten Farben, die ein Kennzeichen sehr alter Kelims der Region Sivas sind.
    In der Sammlung Prammer befindet sich ein verwandter Kelim, publiziert in "Frühe anatolische Kelims, Sammlung Prammer" als Tafel 27. Er zeigt eine ähnliche Musteranlage, verzichtet aber auf die Zusatzmotive in Feld und Streifen. Witzigerweise zeigt auch der Prammer-Kelim ein leicht abweichendes Rot/Rosa im Feld, das bei ihm blau umrandet ist. Er schreibt dazu: "… das aufwändige und kostspielige Rosa … geht mit feinen, getreppten Spitzen in den blauen Grund über."

    Schätzpreis: € 10000 - 15000
    5 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    4 000 €

    Lot: 10

    80 x 58 cm
    Türkei, um 1800 oder früher
    Zustand: dem Alter entsprechend gut, vereinzelt professionelle Restaurierungen, Gebrauchsspuren an Seiten und Enden
    Publiziert: "Sammlung Weise - Botschafter aus dem Orient", Roland Weise, 2019, Seite 10
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Rückenkissen werden in der Türkei als Yastik bezeichnet. Es gibt sie sowohl geknüpft in Wolle als auch aus goldbroschiertem Seidensamt. Beide Varianten zeigen die "Ladik"-artigen Abschlüsse außerhalb des Bordürenrahmens. Es gibt Muster, die bei beiden Varianten sehr ähnlich sind, und andere, bei denen der Zusammenhang nicht so leicht zu erkennen ist.
    Unser Kissen wurde in Hali 3/3, Seite 237, bei der Besprechung der Böhmer/Brüggemann-Ausstellung veröffentlicht. Auf Seite 239 hielt Herwig Bartels eine Beeinflussung des Musters des Yastiks durch anatolische Kelims für möglich. Wenn man allerdings an die Vorliebe der Osmanen für Tulpen und Nelken denkt, kann man sich natürlich vorstellen, dass die waagerechten Blüten Tulpen und die senkrechten Nelken darstellen.
    Brian Morehouse betrachtete die Preisentwicklung von Yastiks in Hali 217, Seiten 106 - 113, und zeigte auch ein dem unseren sehr vergleichbares Stück. Er verglich die senkrechten Blüten mit Schnittblumen in den Bordüren türkischer Teppiche des 16. und 17. Jahrhunderts.
    In diesem Zusammenhang muss ein Fragment eines Teppichs mit diesem Feldmuster auf rotem Grund erwähnt werden; siehe Rippon Boswell, 20. Mai 2000. Die Grundfarbe dieses Teppichs entspricht der Grundfarbe der Mehrzahl anderer Yastiks mit dieser Zeichnung. Weitere weißgrundige Exemplare finden sich in Hali 176, Seite 108, sowie bei Rippon Boswell, 20. November 2004, Los 128, besprochen in Hali 116, Seite 117. Für ein vergleichbares samtenes Yastik mit Nelken und Tulpen siehe Hülya Bilgi, "Çatma & Kemha", Istanbul 2007, Nummer 42.

    Schätzpreis: € 6000 - 8000
    4 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    6 000 €

    Lot: 11

    158 x 111 cm
    Türkei, erste Hälfte 19. Jhdt.
    Zustand: dem Alter entsprechend sehr gut, Flor niedrig aber nicht abgetreten, Dunkelbraun korrodiert, minimale kleine Reparaturen
    Publiziert: "Anatolische Knüpfteppiche aus vier Jahrhunderten", Franz Bausback, 1978, S. 103 und "Sammlung Weise - Botschafter aus dem Orient", Roland Weise, 2019, Seite 11
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Ein absolut mustergültiges Exemplar dieser beliebten Gruppe von Gebetsteppichen. Das vielfach publizierte Stück zeigt Tulpen und Nelken auf der wunderbaren gelbgrundigen Bordüre, wie sie bei den Osmanen so beliebt waren. Eine weitere grüne Blütenform ist zu sehen, die jeweils mit einer feinen roten Konturlinie umzogen ist. Spielerisch hat die Weberin Nebenmotive auf den sonnengelben Untergrund gestreut; nur am oberen Ende hat sie eine offenere Version gewählt.
    Das klassisch rote Feld unseres Teppichs ist durch ein Detail wohl einzigartig: Die zweite untere seitliche Einkerbung lässt es wie eine Rakete erscheinen, die durch Gebete direkt in das Paradies aufsteigen soll. Im weißen Feld darüber sind Blütenmotive zu finden, wie wir sie von den sogenannten Siebenbürgern kennen. Auch die weiße Außenbordüre ist typisch, wohingegen eine der inneren Nebenbordüren selten ist. Wir finden sie allerdings zweifach in "Through the Collector's Eye", Rhode Island, 1991, Nr. 8.
    Die drei Darstellungen im Feld sind wahlweise als Zypressen oder Boteh interpretiert worden. Der Sammler Roland Weise nennt sie in seinem Text zu seiner Sammlung recht einleuchtend Steppenkerzen. Die grüne Steppenkerze links unten scheint sich so dem Wind zu beugen, dass sie die Reihe der kleinen gelben Blüten unterbricht.
    Die guten Farben, die harmonische Zeichnung und der gute Zustand machen diesen Teppich zu "the one to have".

    Schätzpreis: € 10000 - 15000
    6 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    5 000 €

    Lot: 12

    161 x 122 cm
    Türkei, um 1700
    Zustand: dem Alter entsprechend gut, Flor niedrig, Braun korrodiert, beide Enden geringfügig unvollständig, einige alte Reparaturen
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Aus dem 16. Jahrhundert ist eine Handvoll Teppiche mit Säulen und Nischen bekannt. Der bekannteste ist vielleicht der Ballard-Teppich im Metropolitan Museum of Art, New York, Inv.-Nr. 22.100.51. Die Nischen dieser Teppiche sind allerdings rund, und die Darstellung der Säulen dieser höfischen Arbeiten ist deutlich naturalistischer.
    Einige türkische Teppiche, die in den Kirchen Siebenbürgens aufbewahrt wurden, zeigen drei spitze Nischen und sechs Säulen. Unser Teppich zeigt, wie auch die Stücke in Siebenbürgen, bewegte Arabesken in den Zwickeln und darüber ein Paneel mit Tulpen und Nelken. Der vorliegende Teppich besitzt darüber hinaus noch ein weiteres Paneel mit einem Palmettenmotiv.
    In Stefano Ionescus Buch "The Transylvanian Heritage" sind die Nummern 362 - 365 vergleichbar. Fast ausnahmslos haben dort Stücke mit drei Nischen eine Kartuschenbordüre, wohingegen das unsere mit einer Umfassung aus Palmetten, Rosetten und Hyazinthen ausgestattet ist. Diese Bordüre ist bereits im Ballard-Teppich zu sehen und kommt bei Stücken mit nur einer Nische auch in Siebenbürgen vor.
    Reiche, mehrfache Nebenbordüren kommen in Siebenbürgen praktisch nie vor. Die meisten Ghiordes-Gebetsteppiche zeigen nur zwei Säulen. Ghiordes-Teppiche sind unter Sammlern seit jeher sehr begehrt. Der berühmte Sammler James Franklin Ballard besaß elf dieser Prachtstücke.

    Schätzpreis: € 8000 - 12000
    5 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    12 000 €

    Lot: 13

    203 x 196 cm
    Türkei, Mitte 19. Jhdt.
    Zustand: sehr gut, guter Flor, vereinzelt professionelle Restaurierungen
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Schwere, hochflorige, mehr oder weniger quadratische Teppiche aus Anatolien werden Yatak, also Schlafteppich, genannt. In kalten Nächten schläft man darauf bequem und gut isoliert durch den hohen Flor. Die Mehrzahl der meist rotgrundigen Stücke zeigt große Memling-Güls, die von kleinen Sternoktogonen umgeben sind.
    Auf unserem schön abraschierten Feld sind nur die Sternoktogone gezeigt, die fast rund gezeichnet sind. Ihre Vielfarbigkeit verschleiert zunächst, dass sie in ihrer Grundfarbe diagonal angeordnet sind. Dadurch entsteht ein sehr reizvolles, geordnetes Durcheinander.
    Es gibt nur wenige vergleichbare Stücke mit demselben Feld. Eines ist in Hali 50, Seite 165, aus dem Jahr 1990 abgebildet, wo ein "hefty price" von 11.000 USD beklagt wurde; kurz darauf erschien ein weiteres in Hali 52, Seite 177. Ein farblich müdes Stück in schlechtem Zustand ist außerdem in "Turkish Handwoven Carpet", Volume 3, Nummer 0291, zu finden.
    Keines dieser Stücke trägt jedoch die außergewöhnliche Bordüre mit verschachtelten Rauten. Man ist versucht, sie als einzigartig zu bezeichnen, aber es gibt nun einmal keine Unikate bei Teppichen, die in einer Tradition stehen. Ein fragmentarisches Stück wurde von Rippon Boswell in Auktion 93 als Nummer 59 für 6.150 € verkauft. Dieses Fragment aus der Sammlung Poppmeier gleicht dem unseren so genau, dass man denselben Knüpferhaushalt vermuten muss.
    In unserem wohlerhaltenen Schlafteppich scheinen die Sterne über dem Fond zu schweben, während die Bordüre an den Seiten optische Belebung hineinbringt. Es ist reizvoll zu sehen, wie in den Nebenbordüren die doch relativ einfache Zeichnung in eine Bildstörung übergeht, als ob die Weberin dort die Kontrolle oder die Lust verloren hätte.

    Schätzpreis: € 20000 - 30000

    12 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    4 000 €

    Lot: 14

    175 x 105 cm
    Türkei, um 1800
    Zustand: dem Alter entsprechend gut, Flor stellenweise niedrig, Violett und Dunkelbraun korrodiert, Seiten und Enden geringfügig unvollständig, mehrere kleine alte Reparaturen
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Viele sehr alte Ladik-Teppiche sind in Moscheen, insbesondere in Konya, gefunden worden. Ladik selbst liegt circa
    35 km nordöstlich von Konya.
    Es war eine fromme Tat, solche Stücke an Moscheen zu stiften, und es wird vermutet, dass insbesondere in Ladik Teppiche zu diesem Zweck geknüpft wurden. Meist haben sie ein rotes Feld, doch auch Beige kommt vor.
    Im vorliegenden Exemplar sind im schönen nachtblauen Feld in den Zwickeln Blätter und Blüten zu finden, wie wir sie auch von Teppichen aus Transsylvanien kennen.
    Von diesen kennen wir auch die Tulpenpaneele, die bei Ladiks allerdings durchaus auch unten dargestellt werden können. Klassischerweise ist die Hauptbordüre gelbgrundig und mit Nelken und Kreuzblüten gestaltet.
    In Julia Baileys grundlegendem Artikel "Ladik Prayer Rugs" in Hali 28, Seiten 18 - 25, ist als erstes Stück ein Gebetsteppich gezeigt, der dem unseren sehr gleicht, allerdings mit dem Unterschied, dass der Giebel dreifach gezeichnet und der Zwickel grüngrundig ist. Ladiks haben mehr Farben als ihre Verwandten aus Siebenbürgen, und auch in unserem Stück finden wir Aubergine und lichtes Blau. Klassische antike Ladik-Gebetsteppiche stellten schon immer ein "Must-have" für einen gepflegten Sammlerhaushalt dar.

    Schätzpreis: € 6000 - 9000
    4 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    8 000 €

    Lot: 15

    388 x 175 cm
    Türkei, zweite Hälfte 19. Jhdt.
    Zustand: gut, großteils guter Flor, beide Enden geringfügig restauriert, Dunkelbraun teilweise korrodiert, vereinzelt kleine Reparaturen
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Dazkiri, eine kleine Stadt im Menderes-Tal im Südwesten Anatoliens, ist namengebend für eine Reihe von Teppichen, die zum Teil Muster aus Uschak- und transsilvanischen Teppichen übernommen haben. In der Vergangenheit wurden manche von ihnen entweder Bergama oder Konya zugeschlagen, zur Not auch beiden.
    Brian Morehouse hielt bei der IX. ICOC in Mailand einen Vortrag, der die Basis für einen Artikel in Hali 121 bildete. Auf den Seiten 100 - 107 entwirft er ein Bild der Mustergenese der "Menderes Village Carpets". Das in schönem Gelb gezeichnete Medaillon führt er auf Uschak-Teppiche zurück und zeigt dazu einen kleinen Medaillon-Teppich aus dem späten 16. oder frühen 17. Jahrhundert, Seite 103, auch in McMullan, Nummer 84. Dieser zeigt auch die Vierpassigkeit unseres Medaillons, die vier Blüten im Inneren sowie die Ausleger rechts und links außen.
    Die Dreiecksanhänger daran bringt Morehouse mit einem Gebetsteppich im Topkapi-Palast aus dem 15. oder frühen 16. Jahrhundert in Verbindung, Seite 101 sowie Rogers, "Topkapi Carpets", Tafel 40. Die Kartuschenbordüre und die Ecklösungen vergleicht er mit den westanatolischen Teppichen, die in Siebenbürgen aufbewahrt werden. In den grünen und blauen Ecken des vorliegenden Exemplars geben die Rosetten und die schräg gestellten Blattformen davon Zeugnis.
    In unserem eleganten und in wunderbar kräftigen Farben geknüpften Teppich gesellen sich noch etliche Wasserkannen hinzu.

    Schätzpreis: € 12000 - 16000

    8 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    4 000 €

    Lot: 16

    50 x 50 cm
    Naher Osten, 4. - 6. Jhdt.
    Zustand: Fragment, auf Rahmen montiert
    Publiziert: "Sammlung Weise - Botschafter aus dem Orient", Roland Weise, 2019, Seite 25
    Wolle auf Leinengewebe

    Sehr alte Textilien haben sich vornehmlich in ariden Gebieten wie der Taklamakan-Wüste, dem peruanischen Küstenstreifen und in Ägypten erhalten. Es handelte sich in aller Regel um Grabbeigaben und daher oft um Kleidung. In Ägypten sind sie in der überwältigenden Mehrzahl flachgewebt und/oder bestickt. Seltener wurden florgewebte Wandbehänge beigegeben. Diese Behänge zeigen häufig Tänzer, Personen aus der griechisch-römischen Mythologie und biblische Figuren.
    Aus der Mäanderbordüre oben könnte man schließen, dass unser Gewebe von einem Registerbehang stammt. Der berühmte Elias-Behang in der Abegg-Stiftung in der Schweiz zeigt eine ebensolche Bordüre, die verschiedene Bildstreifen unterteilt ("Textilien des Mittelmeerraumes", Nummer 7 und 10; letzterer auch in HALI 140, Seite 63).
    Die anmutige Dorkasgazelle wendet sich der grün gekleideten Figur zu. Diese Gazellen werden in altägyptischen Darstellungen oft von weiblichen Gabenbringern an der Leine geführt gezeigt. In der pharaonischen Zeit wurden diese schönen Tiere mit Regeneration und Heilung in Verbindung gebracht. Ob sich solche Vorstellungen aus sehr viel früherer Zeit erhalten haben, ist natürlich spekulativ. Vielleicht steht sie einfach, wie in biblischen Vorstellungen, für weibliche Schönheit, Eleganz und Gewandtheit - etwas, was man sich im Jenseits durchaus wünscht.
    Ein solch aufwendiger, wahrscheinlich recht großer Wandbehang wurde sicherlich einer wohlhabenden und bedeutenden Person beigegeben.

    Schätzpreis: € 6000 - 8000
    4 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    8 000 €

    Lot: 17

    170 x 149 cm
    Türkei, 17. oder 18. Jhdt.
    Zustand: dem Alter entsprechend gut, einige Abriebe, Seide teilweise korrodiert, deutliche Gebrauchsspuren, mit Stoff unterlegt
    Seide und Metallfäden auf Baumwolle

    Türkische Samte, Çatma genannt, haben sich hauptsächlich als Kissen erhalten, wohingegen größere Exemplare, die als Wandbehänge dienten, deutlich seltener sind. In diesem Stück besticht insbesondere die komplexe Zeichnung, die an safawidische Spiralrankenteppiche erinnert. Auch Kartuschen mit Inschriften kommen in dieser Zeit auf Teppichen und Seidengeweben vor, insbesondere bei Teppichen der "Salting"-Gruppe aus dem 16. Jahrhundert, wie etwa bei dem Exemplar im Musée des Arts Décoratifs in Paris (HALI 126, Seite 103).
    In der Bordüre sind in unserem Samt arabische Sprichwörter und Sinnsprüche zu lesen. Das spitzovale Medaillon trägt eine komplexe Zeichnung, die an bestimmte islamische Keramik erinnert. Um breitere Samte als Kissenformate herzustellen, wurden die beiden Hälften nacheinander mit derselben Einstellung des Zugwebstuhls gewebt und danach zusammengefügt. Dadurch ist die Innenzeichnung des Medaillons drehsymmetrisch.
    Ein Samtwebstuhl ist ungleich komplexer als ein normaler Webstuhl, und um einen zweifarbigen Samt herzustellen, braucht man zwei florbildende Ketten sowie eine weitere für das Grundgewebe. Es wundert also nicht, dass man diesen eleganten, kostbaren Stoff noch einmal gewebt hat. Ein ähnliches Stück wurde am 26. Oktober 2017 bei Christie's als Los 254 für 32.500 Pfund versteigert. Dieses war allerdings in einem besseren Zustand, wurde dort jedoch ins 19. Jahrhundert datiert.

    Schätzpreis: € 12000 - 16000

    8 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    8 000 €

    Lot: 18

    96 x 68 cm
    Kaukasus, 18. Jhdt.
    Zustand: dem Alter entsprechend gut, leichte Abriebe, vereinzelt kleine Reparaturen, leichte Gebrauchsspuren, mit Stoff unterlegt
    Seide auf Baumwolle

    Selbst mehr als 30 Jahre nach der "Entdeckung" und Veröffentlichung der ersten Monografie sind Kaitags immer noch etwas Besonderes. Das mag zum einen mit der limitierten Anzahl der überlieferten Stickereien zu tun haben, zum anderen damit, dass diese textilen Kunstwerke immer wieder zu überraschen vermögen.
    Der Blick fällt bei unserem Stück natürlich sofort auf das Kaleidoskop-artig gestaltete Quadrat, aus dem das zentrale Medaillon herauszuspringen scheint. Diese Darstellung ist wohl einzigartig. Um dieses Design darstellen zu können, musste der sonst übliche Spannstich aufgegeben werden. Deshalb wurden die einzelnen Kästchen mit einfachen Stichen kreuz und quer gefüllt. Nur wenn man ganz genau hinschaut, entdeckt man, dass hier und da versucht wurde, den überfangenen Spannstich zu nutzen. Eigentlich ist das Muster hierfür jedoch zu kleinteilig und unregelmäßig. Die Sticktechnik in diesem Teil, aber auch die Farbigkeit, ähneln einem Stück, das von Hagop Manoyan in Hali 163, Seite 87, inseriert wurde. Wenn wir uns nun die Gesamtansicht anschauen, sehen wir durchaus vertrautere Formen, entdecken aber auch einen Vogel links oben im runden Medaillon. Auch dieser ist frei gestickt.
    In Robert Chenciners grundlegendem Buch "Kaitag. Textile Art from Daghestan" ist unter Nummer 36 ein Stück abgebildet, bei dem die obere und die untere Eckumrahmung recht ähnlich sind. Er schreibt über das Medaillon, das in seinem Stück Anhängsel zeigt, dass es von persischen Medaillon-Teppichen stammen könnte. Unter Nummer 42 zeigt er allerdings ein Stück, das er mit osmanischen Samtkissen in Zusammenhang bringt und dessen Zentrum, dem unseren mit den ausgefransten roten Strahlen ähnelt. Der Vergleich mit den Kissen erklärt auch die orangefarbenen Streifen außerhalb der Bordüre in unserem fantastischen Exemplar. Zu einem solchen Kissen, Yastik genannt, das auch die Ecklösungen des orangefarbenen Feldes erklärt, vergleiche "Çatma & Kemha. Ottoman Silk Textiles", Nummer 40.
    Stickerinnen aus Daghestan haben, inspiriert durch Textilien anderer Kulturkreise, durch ihre künstlerischen Interpretationen einzigartige Kunstwerke geschaffen, die uns nachhaltig begeistern.

    Schätzpreis: € 12000 - 18000
    8 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    12 000 €

    Lot: 19

    215 x 169 cm
    Kaukasus, zweite Hälfte 19. Jhdt.
    Zustand: dem Alter entsprechend gut, guter Flor, Dunkelbraun teilweise korrodiert, beide Enden unvollständig, mehrere alte Reparaturen
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    In seinem Buch "Teppiche aus dem Kaukasus" schrieb der deutsche Teppichpapst Ulrich Schürmann zu einem Kazak: "Die Glut der Farben und die fast abstrakt zu nennende Musterung können in ihrer barbarischen Schönheit nicht übertroffen werden." Die Wertschätzung dieser Gruppe von Teppichen, die heute Stern-Kazak genannt wird, hat sich seitdem nicht geändert. Sie gehören zu den gesuchtesten aller kaukasischen Teppiche.
    In Hali 3/1, auf den Seiten 17 - 26, unterteilten Michael Franses und Robert Pinner die damals 18 bekannten Stücke in vier Untergruppen, die sich hauptsächlich durch ihre Bordüren unterscheiden. Die zahlenmäßig größte ist die Gruppe C, zu der auch dieses Stück gehört. Das Feldmuster dieser Stücke ist im Prinzip immer gleich, doch der Ausdruck kann völlig verschieden sein. Manche wirken recht steif und lassen nicht viel vom Grund sehen, andere erscheinen bewegt und spannungsreich. Es ist wohl keine Frage, zu welcher Gruppe der vorliegende Teppich gehört.
    In den meisten Fällen sind zwei rote Oktogone mit einem ganzen und zwei angeschnittenen, meist halbierten, blauen Sternen zu sehen. Das Design sollte jedoch als Allover-Muster verstanden werden, und das ist hier besonders schön gezeigt, da der obere Stern vollständig zu sehen ist.
    Der Sammler Heinrich Kirchheim hat in seinem großartigen Buch "Orient Stars" das Muster auf den Seiten 31 - 33 analysiert und mit aserbaidschanischen Seidenstickereien verglichen. Hätte er damals schon die Stickerei gekannt, die wir am 16. November 2019 als Los 27 verkauft haben, wäre sie in dem Artikel sicher ebenfalls erwähnt worden. Siehe zum Thema des Musters auch Hali 209, Seiten 88 - 91.
    Lässt man diese Stickerei nämlich "explodieren", erhält man das Muster des Stern-Kazak.
    Auch wenn heute mehr als 18 Exemplare bekannt sind, ist ein solcher Teppich, insbesondere wenn er expressiv und spannungsreich gezeichnet ist, als Kronjuwel einer jeden Sammlung zu bezeichnen.

    Schätzpreis: € 20000 - 30000
    12 000 €
  • Startpreis / Startingbid

    4 000 €

    Lot: 20

    333 x 113 cm
    Kaukasus, um 1870
    Zustand: sehr gut, guter Flor, Braun korrodiert, minimale kleine Reparaturen
    Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle

    Dieser wunderbare, seltene Kuba besticht durch seine exzellente Ausführung in wunderbar klaren Farben. Im Feld befinden sich an beiden Enden Vasen, aus denen, einem Füllhorn gleich, vielfältigste Blüten entspringen. In der Mitte steht eine Doppelvase, und wenn man an ihrer Stelle einen Spiegel aufstellen würde, sähe man den ganzen Teppich vor sich - so klar ist seine Symmetrie eingehalten.
    Neben der großen Exaktheit des Teppichs hat die Knüpferin kleine Unregelmäßigkeiten eingefügt, die das wandernde Auge erfreuen. Oberhalb der zentralen Vase sind zum Beispiel zwei Details in den roten Rosen zu sehen, die sonst nicht vorkommen. Im Feld erscheinen hin und wieder kleine Symbole sowie Dreiecksformen an den Seiten des Feldes. Unten, am Anfang des Teppichs, wollte sie eine Blumenreihe die Bordüre begleiten lassen, sah aber schnell ein, dass diese das Hauptmuster zu sehr bedrängen würde.
    Die Hauptbordüre ist den ebenfalls aus dem Kuba-Distrikt stammenden Tschitschi-Teppichen entnommen. Ein Teppich, der von Rippon Boswell in der Auktion 80 als Los 216 angeboten wurde, zeigt diese Bordüre als Zitat am oberen Rand des Feldes. Dieses Stück auf braunem Grund ähnelt, insbesondere durch die gleiche Anwendung kräftiger diagonaler Linien, dem unseren, verzichtet aber auf die Spiegelsymmetrie. Auch die Herzblatt-Ranke in der Nebenbordüre findet sich dort.
    Der vorliegende Teppich in vortrefflicher Erhaltung und satten Farben stellt ein Paradebeispiel kaukasischer Knüpfkunst dar.

    Schätzpreis: € 6000 - 8000
    4 000 €
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