161 x 122 cm
Türkei, um 1700
Zustand: dem Alter entsprechend gut, Flor niedrig, Braun korrodiert, beide Enden geringfügig unvollständig, einige alte Reparaturen
Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle
Aus dem 16. Jahrhundert ist eine Handvoll Teppiche mit Säulen und Nischen bekannt. Der bekannteste ist vielleicht der Ballard-Teppich im Metropolitan Museum of Art, New York, Inv.-Nr. 22.100.51. Die Nischen dieser Teppiche sind allerdings rund, und die Darstellung der Säulen dieser höfischen Arbeiten ist deutlich naturalistischer.
Einige türkische Teppiche, die in den Kirchen Siebenbürgens aufbewahrt wurden, zeigen drei spitze Nischen und sechs Säulen. Unser Teppich zeigt, wie auch die Stücke in Siebenbürgen, bewegte Arabesken in den Zwickeln und darüber ein Paneel mit Tulpen und Nelken. Der vorliegende Teppich besitzt darüber hinaus noch ein weiteres Paneel mit einem Palmettenmotiv.
In Stefano Ionescus Buch "The Transylvanian Heritage" sind die Nummern 362 - 365 vergleichbar. Fast ausnahmslos haben dort Stücke mit drei Nischen eine Kartuschenbordüre, wohingegen das unsere mit einer Umfassung aus Palmetten, Rosetten und Hyazinthen ausgestattet ist. Diese Bordüre ist bereits im Ballard-Teppich zu sehen und kommt bei Stücken mit nur einer Nische auch in Siebenbürgen vor.
Reiche, mehrfache Nebenbordüren kommen in Siebenbürgen praktisch nie vor. Die meisten Ghiordes-Gebetsteppiche zeigen nur zwei Säulen. Ghiordes-Teppiche sind unter Sammlern seit jeher sehr begehrt. Der berühmte Sammler James Franklin Ballard besaß elf dieser Prachtstücke.
Schätzpreis: € 8000 - 12000