245 x 147 cm
Persien, Ende 19. Jhdt.
Zustand: sehr gut, vereinzelt niedriger Flor, minimal fleckig, minimale Gebrauchsspuren
Kette: Baumwolle, Schuss: Baumwolle, Flor: Wolle
Als Aqa Mohammad Khan, der Gründer der Qadscharen-Dynastie, 1794 Kirman eroberte, nahm er außergewöhnlich grausame Rache an der Stadt. Dadurch kam die Teppichproduktion fast völlig zum Erliegen. Im Jahr 1871 wird von weniger als 30 Knüpfstühlen berichtet. Danach begann jedoch die Renaissance der großartigen Kirmanteppich-Werkstätten, sodass schon 1882 von mehreren hundert Knüpfstühlen die Rede ist.
In dieser Zeit begann man auch damit, Bildteppiche zu knüpfen, die zum Teil europäischen Vorbildern entsprachen oder sich mit persischen Traditionen beschäftigten. In der Darstellung unseres Teppichs sitzen auf zwei Thronen ein Prinz und eine Prinzessin. Es könnte sich dabei um Jussuf und Zuleika handeln. Zuleika ist die Frau Potifars, und die Geschichte ihrer Leidenschaft für den bildschönen Jussuf ist bereits in der Bibel beschrieben.
Es gibt mehrere Versionen der Erzählung, doch eine Schlüsselszene bleibt weitgehend konstant: Zuleika will ihrem Mann beweisen, dass jede Frau Jussuf verfallen würde. Sie richtet ein Mahl - in einer Version Orangen - und lädt vierzig Frauen ein. Diese sind so hingerissen von seiner Schönheit, dass sie sich beim Schneiden in die Hände ritzen. Am unteren Ende des Teppichs sieht man die Frauen mit Orangen und Messern.
Im Jahr 1483 schrieb der Mystiker und Dichter Dsch?mi eine Version der Geschichte, die einen glücklichen Ausgang hat, in dem die beiden Liebenden schließlich heiraten.
In der Bordüre sind historische Figuren der persischen Geschichte dargestellt, die sich der Szene zuwenden. Ganz oben ist vermutlich Mohammad Schah Qadschar (1814-1866) abgebildet. Ein liebevoll gezeichneter Teppich mit großer Detailfülle - und der Herausforderung, alle Figuren der Bordüre zu identifizieren.
Schätzpreis: € 8000 - 12000