284 x 107 cm
Kaukasus, um 1800
Zustand: dem Alter entsprechend, Dunkelbraun stark korrodiert, mehrere kleine Reparaturen, Seiten und Enden teilweise beschädigt
Publiziert: "Sammlung Weise - Botschafter aus dem Orient", Roland Weise, 2019, Seite 34
Kette: Wolle, Schuss: Baumwolle, Flor: Wolle
Ein ungewöhnlicher Teppich in Farbigkeit und Muster. Gereihte oder versetzte Oktogone sind zunächst einmal nichts Seltenes, aber sie tragen im Inneren in aller Regel ein Memling-Gül oder, im Falle der Kelims, ein dem Memling verwandtes Motiv. Auch dass die Oktogone in Reihen stehen und nicht diagonal versetzt sind, ist nicht ungewöhnlich. Die Binnenzeichnung und der Kranz, der sie umgibt, hingegen sind sehr ungewöhnlich.
Das geschulte Auge des Sammlers Roland Weise bemerkt sogleich, dass diese Zeichnung im Zentrum der Chelaberds, der sogenannten Adler- oder Sunburst-Kazaks, beheimatet ist. In diesen und in ihren Vorläufern lässt sie sich bis in das 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Siehe dazu den Zaleski-Blütenteppich in "Stars of the Caucasus", Seite 24. Im selben Buch finden sich auch eine Stickerei auf Seite 129, 17./18. Jahrhundert, sowie der McMullan-Teppich aus dem 18. Jahrhundert auf Seite 211.
In HALI 98 wird ein Kazak von David Reuben vorgestellt, der solche Oktogone zeigt. Dieser sowie ein Gendje auf Seite 189 in Eder, "Kaukasische Teppiche", zeigen allerdings nur eine dünne, farblich unterbrochene Linie. Ein letztes, als südkaukasisch bezeichnetes Exemplar findet sich in "The Oriental Rug Collection of Jerome and Mary Straka", Nummer 120.
Die Ausformung des Güls unseres Stücks scheint, soweit bekannt, einzigartig. Bei Schürmann, "Teppiche aus dem Kaukasus", ist auf Seite 175 ein Teppich mit Lenkoran-Muster aus dem Talish-Gebiet abgebildet, der wohl der Farbigkeit unseres Stücks nahekommt.
Schätzpreis: € 8000 - 12000