370 x 185 cm
Kaukasus, Ende 19. Jhdt.
Zustand: sehr gut, voller Flor, Dunkelbraun korrodiert, vereinzelt kleine Reparaturen
Kette: Wolle, Schuss: Wolle, Flor: Wolle
Lambalo-Kazaks sind recht selten, und so ist es eine wahre Freude, einem so farbenprächtigen und wohlerhaltenen Stück gegenüberzutreten. Lambalos haben oft ein rotes Feld, das von einem mehrfachen Bordürensystem umgeben ist. Siehe dazu Azadi/Kerimov/Zollinger, "Aserbaidschanisch-kaukasische Teppiche", Nummern 162 - 165.
Zwei dieser Teppiche zeigen diese Blütenmedaillons in einer großen Raute, die nur oben und unten Dreiecke des Grundes freilässt. Ein weiteres Exemplar findet sich bei Gans-Ruedin, "Caucasian Carpets", Seite 107. Keines dieser Stücke zeigt allerdings die weißen Sterne; auch ist keines annähernd so schön.
In der Auktionsbesprechung eines Teppichs, der wohl aus derselben Werkstatt stammt wie der unsere, machte HALI in Ausgabe 74 auf Seite 140 eine interessante Beobachtung. Dort wurde das Muster des Feldes als abstrahiertes Mina-Khani-Design bezeichnet. Es sei ein sehr dramatisches Exemplar, dessen Wirkung durch die ungewöhnlichen weißen Ecken noch gesteigert werde.
Dieser Teppich trug wohl ebenfalls eine, wenngleich besser lesbare, Datierung aus dem Hidschra-Jahr 1329, was 1911 n. Chr. entspricht. Im unteren Bereich des tiefblauen, exakt gezeichneten Feldes erkennt man, dass die Weberin zunächst versucht hatte, die Blüten mit gezackten Linien zu verbinden, davon dann aber glücklicherweise wieder Abstand nahm. Weiter oben hat sie bewusst eine aubergineschwarze Blüte als Blickfang gesetzt. In den grünen Blüten entdecken wir einen wunderbaren Abrash.
Vielfältige schmale Bordüren sind ein Merkmal von Lambalo-Kazaks; die Blütenwellenranke, meist auf weißem Grund und hier auch auf Gelb, ist allerdings ein Muss. Ein warmer, freundlicher und seltener Teppich, der eine frühsommerliche Freude aufkommen lässt.
Schätzpreis: € 10000 - 15000